Hansruedi Köppel, im Grunde sind Sie ein ziemlich mutiger Mann: Erst grad nach St.Margrethen gezogen – und schon kandidieren Sie für den Gemeinderat.
Richtig ist, dass ich letztes Jahr von Au nach St.Margrethen gezogen bin. Nach dem unerwarteten Rücktritt von Petra Rüttimann hat mich dann Fabian Herter von der Ortspartei angefragt, ob ich es mir vorstellen könnte, bei der Ersatzwahl anzutreten, nachdem ein Kandidat kurzfristig abgesprungen war.
Und mussten Sie lange überlegen, ob Sie die Challenge annehmen wollen?
Ich habe mir 14 Tage Bedenkzeit ausbedungen. Und die Ausgangslage war sicher etwas speziell: Ich bin 64-jährig und dazu Neuzuzüger. Nach Gesprächen innerhalb der Familie und einer gewissen Selbstreflexion sagte ich mir: Auch wenn ich kein Jungspund mehr bin, so bringe ich doch einiges an politischer Erfahrung mit. Und das Politisieren brennt mir immer noch unter den Fingernägeln. So habe ich der Ortspartei mitgeteilt, dass ich zur Verfügung stehen würde, falls mich die Mitglieder nominieren.
Sie waren lange Ortsparteipräsident in Au. Was war der Hintergrund Ihres Umzugs?
Wir hatten ein Haus in Heerbrugg. Neben unserer Liegenschaft wird ab Mitte dieses Jahres ein grosser Industriebau realisiert, was die Lebensqualität doch stark eingeschränkt hätte. Glücklicherweise konnten wir das Haus verkaufen und haben in St.Margrethen ein schönes neues Heim erwerben können. St.Margrethen liegt sogar noch näher an meinem Arbeitsplatz in Walzenhausen. Und wir hatten schon zu unserer Zeit in Au viele Bekannte unter dem Heldsberg.
Sie haben 2008, 2012 und 2020 in Au für den Gemeinderat kandidiert und wurden nicht gewählt. Waren die anderen Kandidaten einfach besser oder hat die Konstellation nicht gepasst? Oder wo sehen Sie die Gründe, dass es dreimal nicht geklappt hat?
In der SVP.
Sie sprechen vom klassischen Anti-SVP-Reflex?
Ich will keine Ausreden suchen, aber es gibt schon Leute, für die sind SVP-Exponenten grundsätzlich nicht wählbar. Ich habe von manchen schon gehört, dass sie mich wählen würden, wäre ich in einer anderen Partei. Und: Ich bin zwar sicher kein «Polteri», aber ich sage, was ich denke.
Ich habe mich für Wahlen nie verbiegen lassen und suche den direkten Dialog. Und das kommt halt nicht immer gut an, weil es zeitweise unbequem sein kann. Wer mich aber wählt, weiss dann auch, was er bekommt.
Wenn man die beiden Kandidaturen vergleicht, ist es auch ein Duell von jugendlicher Unbekümmertheit gegen Seniorität mit Erfahrung. Diese Thematik wurde auch in den Medien in der Berichterstattung stark forciert.
An und für sich ist es doch erfreulich, dass zwei komplett unterschiedliche Kandidaturen antreten. Der Wähler hat damit eine wirkliche Auswahl. Ich wünsche mir einfach einen fairen Wahlkampf und habe auch gegenüber anderen Medien den Wahlkampf oder die Medienpräsenz von Frau Sulejmani weder kommentiert noch kritisiert.
Sie sprechen die Medienpräsenz an. Sie hatten bis anhin relativ wenig Präsenz, im Gegensatz zu Ihrer Konkurrentin, die es sogar national in die Schlagzeilen geschafft hat. Werden Sie diesbezüglich von ihr abgehängt?
Das denke ich nicht. Als Gemeinderat ist Sachpolitik gefragt. Man arbeitet primär im Hintergrund, nicht an der Front. Selbstverständlich ist auch für mich der Kontakt mit den Bürgern wichtig. Ich will ihre Meinungen hören und diese Inputs in meine Ratsarbeit einfliessen lassen.
Dafür brauche ich aber keine Medienpräsenz. Ich poltere nicht herum, das ist einfach nicht meine Art. Ich ziehe einen durchaus konsequenten, aber sachlichen Dialog vor. Majlinda Sulejmani beherrscht die Medienarbeit sicher gut. Als Gemeinderätin oder Gemeinderat braucht es das aber nicht. Dort sind Dossierkenntnisse und Knochenarbeit gefragt.
Wo würden Sie sich auf der SVP-Schiene einordnen? Als Hardliner wirken Sie nicht gerade.
Wahrscheinlich bin ich von der Art her kein typischer SVP-ler und politisiere ganz bestimmt nicht am rechten äusseren Rand.
Eigentlich ist die Ausgangslage für beide Kandidaten interessant: Der Verlierer hätte für die Erneuerungswahlen 2024 zumindest eine gute Basis gesetzt. Angenommen, Sie werden am 12. März nicht gewählt – treten Sie 2024 nochmals an?
Das müsste ich mir überlegen, da ich zu diesem Zeitpunkt schon 65 Jahre auf dem Buckel hätte. Aber ausschliessen will ich es nicht. Ich möchte mitbestimmen und mitreden und nicht nur von aussen kritisieren.
Wenn Sie gewählt werden: In welcher Kommission möchten Sie Ihre Qualitäten einbringen? Haben Sie diesbezüglich Präferenzen?
Ich bin offen und bereit, mich in alle Themenbereiche einzuarbeiten. Wirtschaft und Verkehr sind aber sicher Themen, die mich besonders interessieren.
Sie haben einen grossen Vorteil: Aufgrund Ihrer bevorstehenden Pensionierung haben Sie ab 2024 viel Zeit, die Sie in das Gemeinderatsmandat investieren könnten.
Das ist sicher auch ein Punkt, weshalb ich kandidiere. Ich habe viel Zeit, um mich in die Dossiers einzulesen und mich zu engagieren.
Thematisch sind sich FDP und SVP in vielen Themen in ihrer Haltung ähnlich. In St.Margrethen sind die beiden Parteien aber nicht wirklich freundschaftlich verbunden – im Gegenteil. Stehen Sie in Kontakt mit der FDP-Ortspartei?
Zum Beginn meiner Kandidatur habe ich mich sowohl bei der SP als auch bei der FDP schriftlich vorgestellt. Auch bei einem FDP-Anlass im Festungsmuseum Heldsberg war ich präsent und habe das Gespräch mit den Teilnehmern gesucht. Ich denke schon, dass ich für die FDP durch meine gemässigte Art wählbar bin. Und es gibt weder von der SP noch von der FDP eine offizielle Wahlempfehlung ... Es dürfte also spannend bleiben.