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St. Margrethen
29.01.2023
27.10.2023 11:55 Uhr

«Meine Chancen stehen gut»

Die Gesundheitsfachfrau zeigt sich gegenüber rheintal24 durchaus selbstbewusst, was ihre Wahlchancen betreffen.
Die Gesundheitsfachfrau zeigt sich gegenüber rheintal24 durchaus selbstbewusst, was ihre Wahlchancen betreffen. Bild: facebook.com
Majlinda Sulejmani kandidiert für den frei gewordenen Sitz im Gemeinderat St.Margrethen. Die 33-Jährige spaltet mit ihrem Auftritt die Gemüter im Dorf. Sie wünscht sich, dass künftig mehr über ihre Fähigkeiten statt über ihre Präsenz in den sozialen Medien gesprochen wird.

Am 12. März kommt es in St.Margrethen zur Ersatzwahl in den Gemeinderat, nachdem Petra Rüttimann im letzten Sommer überraschend zurückgetreten ist

Neben Hansruedi Köppel (SVP) kandidiert Majlinda Sulejmani von der 2020 gegründeten Mitte-Ortspartei für den freien Sitz. In Leserbriefen wird Sulejmani vorgeworfen, im Dorf keine politische Basis zu haben. Auch ihre diversen ehrenamtlichen Engagements (u.a. Vizepräsidentin und Trainerin beim FC St.Margrethen, Vizepräsidentin Mitte Frauen St.Gallen) werden ihr aus dem rechtsbürgerlichen Spektrum als Tanz auf zu vielen Hochzeiten ausgelegt. 

FDP-Boss verteidigt Sulejmani

Aber die 33-Jährige, beruflich als Leiterin des Ambulatoriums der Spitalregion Fürstenland Toggenburg engagiert, geniesst im Dorf durchaus auch Unterstützung. FDP-Ortsparteipräsident Ralph Brühwiler beispielsweise, Chef der dominierenden Partei im Dorf, hat sich in einem Leserbrief ziemlich für Sulejmani ins Zeug gelegt und lobt u.a. den unglaublichen Willen der Kandidatin. 

Majlinda Sulejmani, in den Medien wird Dir u.a. vorgeworfen, mit der 2020 gegründeten Ortspartei keine Aktivitäten entwickelt zu haben. Die Mitte habe im Dorf keine Basis, wird behauptet. Wie ist der Vorstand der Mitte-Ortspartei aktuell zusammengesetzt?

Diese Behauptungen wurden in zwei Leserbriefen stipuliert. Ich habe lange versucht, diverse Aktivitäten ins Leben zu rufen, um die Mitte in St.Margrethen breiter abzustützen und die Mitgliederbasis zu stärken. Das braucht aber Zeit. Und die Corona-Krise mit den bekannten Einschränkungen hat natürlich auch nicht geholfen. 

Aktuell führen wir die Ortspartei zu dritt: Nebst mir als Präsidentin sind das Fredi Britt als Vizepräsident (Anmerkung der Redaktion: Britt ist auch Präsident des örtlichen Fussballclubs) und Melanie Loher als Beisitzerin.  

Aufgrund der dünnen Basis: Wäre es nicht intelligenter und erfolgsversprechender gewesen, die Mitte im Dorf erst wieder zu etablieren und dann einen Sitz im Gemeinderat anzustreben?

Diese Frage habe ich mir auch gestellt, jedoch bin ich der Überzeugung, dass es für den Wiederaufbau der Partei positiv ist, wenn sie im Gemeinderat vertreten ist. Zudem ist es bei dieser Ersatzwahl einfacher, da aktuell nur zwei Kandidaten antreten. Man kann seine Chancen so besser einschätzen. 

Im weiteren bin ich mittlerweile recht gut vernetzt in St.Margrethen und auch von anderen Parteien und Meinungsträgern ausserhalb der Mitte wählbar. Ein politischer Rucksack ist aus meiner Sicht nicht Voraussetzung für die Wahl. So werden ja auch Parteilose gewählt. 

St.Margrethen hat einen Ausländeranteil von rund 50 Prozent. In einem Podcast mit «DieOstschweiz» sprichst Du davon, Bindeglied zwischen Schweizern und Ausländern sein zu wollen. Wie oder in welcher Form willst Du das politisch im Gemeinderat einbringen? Was für konkrete Projekte hast Du in diesem Bereich auf der Agenda?

Durch meinen Migrationshintergrund verstehe ich die Sorgen der Ausländer in unserem Dorf sehr gut, verstehe aber auch auch die Berührungsängste der Schweizer Bevölkerung. Ich kann sicherlich viele Inputs in den Gemeinderat bringen, was draussen bei den Bürgern los ist, und zwar auf beiden Seiten. Es herrschen gegenseitig Vorurteile. Diese Vorurteile und die durchaus vorhandene gegenseitige Skepsis versuche ich zu bereinigen. 

Majlinda Sulejmani mit Mitte-Parteipräsident Gerhard Pfister anlässlich der Delegiertenversammlung der Kreispartei in Au. Bild: facebook.com

Im Gegensatz zu Deinem Konkurrenten Hansruedi Köppel polarisierst Du extrem. Alleine Deine Nomination hat medial hohe Wellen geworfen. Sogar der Blick und albanische Onlineportale haben Deine Kandidatur aufgegriffen. Siehst Du diese Medienpräsenz hinsichtlich der Ersatzwahlen als Vor- oder Nachteil?

Meine Nomination hat keine hohen Wellen geschlagen. Ganz im Gegenteil: Die hohen Wellen kamen nach den Leserbriefen von Marcel Toeltl und Albertino Pierino Steiner. Ich persönlich bin wie viele junge Frauen in meinem Alter auf Instagram und Facebook aktiv. Irgendwo muss ich die Bevölkerung informieren und mich gegen Behauptungen und Anmassungen wehren. Grundsätzlich lasse ich nicht alles über mich ergehen. 

Ich sehe die Medienpräsenz aktuell eher als Nachteil. Obwohl ich zu St.Margrethen gehöre, mich aktiv im Dorf und in der Region engagiere, wird der Fokus eher auf meine Fotos, meine Agenda und meine Socialmedia-Aktivitäten gelegt, statt auf die wirklich wichtigen Tatsachen einzugehen. 

Ich habe die nötigen Kompetenzen, den Mut und das nötige Feingefühl für das anspruchsvolle Amt einer Gemeinderätin. Und diese Aussage gilt u.a. auch als Kritik an rheintal24. Ich werde nach Äusserlichkeiten beurteilt, dabei sollte eigentlich mein Engagement im Vordergrund stehen. 

Polarisieren scheint Teil Deiner Strategie zu sein. In den sozialen Medien (Facebook und Instagram) bist Du jedenfalls omnipräsent und posierst in allen Lebenslagen und Tätigkeiten.

Grundsätzlich will ich nicht polarisieren. Ich nutze jedoch diese Kanäle, um mich mitzuteilen, Vorurteile abzubauen und Gerüchte oder Falschaussagen zu berichtigen. 

Als ich kürzlich vom Fussball-Mädchentraining zur Delegiertenversammlung der Mitte und danach zum Training der 1.Mannschaft gehetzt bin, habe ich dies noch kurz mit den Aufschriften «Hochzeit 1 – Hochzeit 2 – und Hochzeit 3» gepostet. Dies natürlich auch um die Aussage der Medien - «Sie tanzt auf zu vielen Hochzeiten» - ein wenig auf die Schippe zu nehmen. 

In einem Deiner zahlreichen Posts auf Facebook forderst Du Deine Community auf, Dich unbedingt zu wählen, weil sonst mit Jacqueline Stäbler nur noch eine Frau im Gemeinderat vertreten sei. Das tönt stark nach Quote und ist – selbst in Frauenkreisen – mittlerweile wirklich «kalter Kaffee». Sollte ein Gremium nicht unabhängig vom Geschlecht nach Fähigkeiten zusammengestellt sein?

Ein solches Gremium sollte tatsächlich geschlechterunabhängig und nach Fähigkeiten zusammengestellt sein. Ich denke, heutzutage sind modernes und wirtschaftliches Denken gefragt. Auch Aktivität, Ausdauer und Scharfsinnigkeit sind Eigenschaften, die im politischen Alltag gefragt sind.

Grundsätzlich finde ich es sehr wichtig, dass man wählen geht. Ob für mich oder meinen Gegenkandidaten ist sekundär. Wichtig ist, dass junge Menschen ein Interesse für unser Dorf entwickeln und aktiv daran teilnehmen. Die Chance zu haben, wählen zu können, sollte nicht als selbstverständlich angesehen werden.

Wo kann man Dich während des Wahlkampfs «live» sehen? Was für Auftritte hast Du geplant? 

Ich war an verschiedenen Anlässen wie der Neujahrsbegrüssung der Gemeinde, der Neujahrsbegrüssung der Mitte Rheintal in Au mit Parteipräsident Gerhard Pfister oder am «Follmond» präsent. Auch im Umfeld des Mosaik-Teams, auf dem Fussballplatz, im Festungsmuseum oder an Männerchor-Anlässen bin ich anzutreffen.

Und auch in den verschiedenen Dorfbeizen oder bei einem Spaziergang im Eselschwanz trifft man mich. Ich freue mich auf konstruktive Gespräche mit der Bevölkerung. Über weitere Auftritte und Events werde ich zeitnah informieren.

Falls Du gewählt wirst: Wo siehst Du Deine politischen Schwerpunkte? Welche Kommissionen im Gemeinderat interessieren Dich?

Meine Schwerpunkte sehe ich primär bei sozialen Themen. Da ich aus einem sozialen Umfeld komme und einen Pflegeberuf ausübe bin ich überzeugt, in der Heimkommission Alters- Und Pflegeheim Fahr oder in der Kommission für Gesellschaft einen konstruktiven Beitrag leisten zu können. Auch die Jugend- und Integrationsarbeit interessiert mich. Und aufgrund meines Migrationshintergrunds wäre ich auch im Einbürgerungsrat sicherlich sehr ambitioniert. 

Dieses Interview wurde schriftlich durchgeführt. 

rheintal24 /nas
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