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Kommentar
Widnau
08.04.2022
11.04.2022 17:32 Uhr

Abstimmung als Stimmungsbarometer?

Bei der Informationsveranstaltung in der Kirche St. Josef wurde Kritik am Kirchenverwaltungsrat laut
Bei der Informationsveranstaltung in der Kirche St. Josef wurde Kritik am Kirchenverwaltungsrat laut Bild: Ulrike Huber
Die Widnauer katholische Kirchbürgerschaft stimmt dieses Wochenende über Rechnungsabschluss 2021 und Budget 2022 ab. Gibt es dabei einen Misstrauensbeweis gegen den umstrittenen Kirchenverwaltungsrat? Ein Kommentar von rheintal24-Chefredaktor Dr. Gerhard Huber.

Es war eine denkwürdige Informationsveranstaltung, zu der der Widnauer Kirchenverwaltungsrat vor gut drei Wochen geladen hatte. Eine Veranstaltung, die in einer turbulenten Diskussion mit heftigen Anschuldigungen, Vorwürfen und Kritik am Kirchenverwaltungsrat entsprechende Berichterstattung und Reaktionen hervorrief.

Mehrheit der kritischen Seite

Auch rheintal24 hatte berichtet. Und erhielt mehrere Wortmeldungen zu der Sache. Aber ausschliesslich von Kritikern der Kirchenverwaltung. Wie ja auch schon in der genannten Informationsveranstaltung eine offensichtliche Mehrheit der Besucher der kritischen Seite des Pfarrvolkes applaudierte. Und weit weniger den Damen und Herren Verwaltungsräten, die sämtliche kritischen Antworten und Stellungnahmen einem eigens dafür anwesenden Rechtsanwalt überliessen.

Ein Rechtsanwalt, der auch freimütig zugab, für seine Antworten von der Kirchenverwaltung honoriert zu werden. Was natürlich zu denken gibt. Denn in welchem anderen Verein, in welcher anderen lokalen Körperschaft benötigt der Vorstand oder Verwaltungsrat einen bezahlten Rechtsvertreter, um die Anfragen in einer normalen Informationsveranstaltung zu beantworten. Diese Vorgangsweise alleine ist wohl ein Grund für viele Seelen in der Gemeinde, der Kompetenz des Verwaltungsrates zu misstrauen.

Nicht zur entscheidenden Sitzung eingeladen

Die von den Anwesenden erhobenen Vorwürfe hatten es auch in sich. So ist für viele Katholiken und Kirchgänger in Widnau völlig unverständlich, wieso der seit sechzehn Jahren zur Zufriedenheit der weit überwiegenden Mehrheit arbeitende Mesmer Knall auf Fall vom Kirchverwaltungsrat gekündigt wurde. Und der von allen hochgeschätzte Pfarrer nicht einmal zur entscheidenden Sitzung eingeladen wurde.

Pikant: der gekündigte Mesmer wurde noch im vorjährigen Rechnungsabschluss 2020 von denselben Leuten, die ihn jetzt kündigten, in den höchsten Tönen gelobt und verdankt. Ob die Kündigung zu Recht erfolgte, wird in einem Rechtsstreit geklärt werden.

Gruppe besorgter Katholiken

Es gibt bereits innerhalb der Kirchgemeinde eine «Gruppe besorgter Katholiken». Unzufriedene Leute, die vor allem die Finanzchefin Karin Schwarz als «dunkle Eminenz» im Hintergrund und verantwortlich für die oft seltsamen Entscheidungen des Rats ausgemacht haben. Präsident Jean-Pierre Chereau sei nur eine willige Marionette. Und soll zudem an seinem Arbeitsplatz Untergebener des Ehemanns der Frau Schwarz gewesen sein. Für weiteren Ärger sorge die «Personalchefin» der Kirchenverwaltung Nicole Rüttimann, die sich ihre Kompetenz für dieses Amt nach eigenen Angaben aus einigen Fortbildungskursen geholt hat. Und sich um «Mikromanagement» kümmere und persönlich nachprüfe, ob auch genug Papierrollen auf den Toiletten vorrätig seien.

Ohne Zustimmung der Kirchbürger

Kritisiert wird von einem der «besorgten Katholiken» auch, dass der seit Ende 2019 mit den beiden anderen Kirchgemeinden der Seelsorgeeinheit Balgach-Diepoldsau-Widnau ausgetragene Streit um den finanziellen Verteilungsschlüssel ohne Zustimmung der Kirchbürger losgetreten wurde. Ein Streit, der sogar in Austrittsdrohungen durch Widnau endete und letztlich per Diktat durch die Diözese entschieden werden musste.

Unmotivierte Dirigentenwechsel im Kirchenchor, mehrere Kündigungen, die grosse Sorge, dass der beliebte Pfarrer durch die Dauerkrisen vergrault wird. Unklare Positionen in Rechnungsabschluss und Budget, über die am Sonntag an der Urne abgestimmt wird. Wie etwa Posten für «Rechtsberatung» in Höhe von gesamt dreissigtausend Franken im RA 2021. Das sei ein «Rückstellung» für noch kommende Ausgaben, so die Finanzchefin. Das sind die relativ unchristlichen Dinge, die die „besorgten Katholiken“ umtreiben.

Seltsame Informationsveranstaltung

Übrigens: nach der seltsamen Informationsveranstaltung soll es noch bis nach Mitternacht einen Apéro mit Brötli und Getränken im Jakobi-Haus gegeben haben. Aber nur für die der Kirchenverwaltung zugewandten etwa zwanzig Besucher. Die anderen etwa 100 Teilnehmer an der Informationsveranstaltung wurden zumindest über diesen Apéro nicht informiert.

Ganz ehrlich: wäre ich im Vorstand eines Vereines und wären im Zuge einer «Informationsveranstaltung» derartige Vorwürfe und Kritiken an meiner Amtsführung laut geworden, ich hätte dieses «Ehrenamt» sofort niedergelegt und den Platz für Neuwahlen freigemacht.

Sturm im Wasserglas?

Im Vorjahr haben noch 91 Prozent der Widnauer Kirchbürger an der Urne den Vorlagen des Kirchenverwaltungsrats zugestimmt. Es würde mich doch sehr wundern, wenn es dieses Jahr wieder so viel Zustimmung geben würde. Und wenn doch? Auch gut, dann würde sich zeigen, dass es nur wenige wirklich Unzufriedene unter den Widnauer Kirchbürgern gibt und das ganze Thema nur ein Sturm im Wasserglas ist.

 

Meine Meinung – und Ihre?

Dr. Gerhard Huber, Chefredaktor rheintal24

rheintal24/gmh/uh
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