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Widnau
18.03.2022
20.03.2022 20:30 Uhr

«Friede in der Pfarrei ist auf das Ärgste bedroht»

Die Informationsveranstaltung des Kirchenverwaltungsrates fand in der Pfarrkirche St. Josef statt
Die Informationsveranstaltung des Kirchenverwaltungsrates fand in der Pfarrkirche St. Josef statt Bild: Ulrike Huber
Eine Informationsveranstaltung der Kirchenverwaltung der katholischen Kirche Widnau am Donnerstagabend in der Kirche St.Jakobus endete in einer turbulenten Diskussion mit heftigen Anschuldigungen, Vorwürfen und Kritik am Kirchenverwaltungsrat.

Es ging hoch her bei der Informationsveranstaltung der Widnauer katholischen Kirchenverwaltung in der altehrwürdigen St.Jakobus-Kirche. Ein Kirchenverwaltungsratspräsident, der sowohl seinen ärgsten Kritikern das Mikrofon verweigerte und sichtlich irritiert auf die gestellten Fragen selbst keine Antworten wusste.

Ingredienzien einer denkwürdigen Veranstaltung

Ein pensionierter und in den Kreisen der katholischen Kirche hoch angesehener Allgemeinmediziner, der auf die Barrikaden ging. Ein salbungsvoll daherredender und von der Kirchenverwaltung offenbar zu ihrer Verteidigung bei dieser Veranstaltung engagierter Rechtsanwalt. Das waren neben zahlreichen anderen Kritiker die Ingredienzien dieser denkwürdigen Versammlung der Widnauer Katholiken.

Eigentlich sollte bei diesem Treffen über die an der Urne abzustimmenden Geschäfte der Kirchbürgerversammlung, wie Rechnungsabschluss und Budget und Ergänzungswahlen in den Kirchenverwaltungsrat informiert werden. Was zu Beginn der Veranstaltung auch gut und friedlich gelang. Kirchenverwaltungspräsident Jean-Pierre Chéreau präsentierte sowohl eine Rechnung 2021 als auch ein Budget 2022 mit guten und stabilen Zahlen. Trotz der 96 Kirchenaustritte, die für das vergangene Jahr zu vermelden waren. Der Steuerfuss soll bei niedrigen 17 Prozent belassen werden.

Änderung der Zwecksverbandsvereinbarung

Der Präsident durfte auch von Erfolgen der Widnauer Katholiken bei Verhandlungen mit ihren Kollegen aus Diepoldsau und Balgach über die Änderung der Zweckverbandsvereinbarung berichten. Widnau hatte ja schon vor geraumer Zeit aufs Tapet gebracht, dass die Aufteilung der Kosten des Zweckverbandes Widnau-Diepoldsau-Balgach auf die drei Kirchgemeinden ungerecht sei und Widnau benachteiligt würde und forderte eine Kostenaufteilung nach Seelen.

In Gesprächen, an denen auch die Diözese St.Gallen beteiligt war, konnte eine anteilige Reduzierung des Kostenbeitrages von Widnau von 49.62 Prozent der Gesamtkosten des Zweckverbandes auf 44.73 Prozent erreicht werden. Was eine konkrete Ersparnis von 53´577.43 Franken für das vergangene Jahr bedeutet.

Genügend Platz auf dem Stimmzettel

So weit, so gut, so friedlich. Erstmals kritisch wurde es beim Traktandum «Ersatzwahlen». Wieso eigentlich die für diese Wahlen kandidierenden Personen schon abschliessend in den schriftlichen Wahlunterlagen ausgedruckt seien, wo doch erst heute Abend der Nennschluss für Kandidaturen sei? Chéreau antwortete, dass es ja noch genügend Platz auf dem Stimmzettel habe, um Namen hinzuschreiben.

Zum Traktandum «Fragen» ging es dann hoch her. Kritikpunkt war der im Budget vorgesehene Kostenpunkt «Rechtsberatung» in Höhe von 30´000 Franken. Ob das Vertrauen in den Kirchenverwaltungsrat tatsächlich so angeschlagen sei, dass dieser über Rechtsanwälte kommunizieren müsse? Und ob der als «Gast» vorgestellte Rechtsanwalt Max Imfeld für die Teilnahme an der heutigen Veranstaltung auch ein Honorar beziehe?

Gerichtsverfahren wegen Mitarbeiterkündigung

Die Antwort des Präsidenten: «Heutzutage muss man in zivilen Geschäften viele Sachen bereits vorab durch Beratung abfedern.» Die Höhe der Rechtsberatungskosten würden durch eine Rückstellung von 20´000 Franken wesentlich bestimmt, da ein Gerichtsverfahren gegen einen gekündigten Mitarbeiter anhängig sei.

RA Max Imfeld stellte klar, dass er ein «bezahlter Gast» sei, der seine Antworten selbstverständlich in Rechnung stellen werde. Und tatsächlich flüchtete sich die Kirchenverwaltung bei vielen noch kommenden Fragen in die Beantwortung durch RA Imfeld.

Während Krankenstand gekündigt

So etwa die Frage von Dr. Martin Frei, wieso der Mesmer, der seit sechzehn Jahren angestellt gewesen sei, während eines Krankenstandes gekündigt worden ist. Und wieso Pfarrer Georg Changeth, der immerhin Mitglied des Pfarreirates ist, zu dieser Kündigung nicht gehört worden sei.

RA Imfeld flüchtete sich bei der Beantwortung wortreich in den Persönlichkeitsschutz des Mesmers. Es dürfe aufgrund des laufenden Verfahrens gar nicht gesagt werden, was die Kündigungsgründe gewesen seien. Hier könne es doch kein Verfahren coram publico geben, sondern es müssten die Gerichte entscheiden.

Das Blaue vom Himmel erzählt

Dass Jean-Pierre Chéreau zunächst keine Nachfrage erlauben wollte, wurde vor allem von Fredy Roth, einem Mitglied der Kirchengemeinde, nicht goutiert: «Der Kirchenverwaltungsrat spielt mit falschen Karten, erzählt das Blaue vom Himmel und versteckt sich hinter einem Rechtsanwalt. Verschleudert 30´000 Franken als Rechtskosten. Der Frieden in der Pfarrei ist auf das Ärgste bedroht! Wann wird sich der Kirchenverwaltungsrat endlich wieder von christlichen Werten leiten lassen?»

Und Fredy Roth legte noch nach: Personalchefin Nicole Rüttimann verbreite «Angst und Schrecken». Kassierin Karin Schwarz-Daxinger sei die «dunkle Eminenz im Hintergrund»und Präsident Jean-Pierre Chéreau nur deren Marionette.

Nachholbedarf im Rechnungswesen

Wieder war es RA Max Imfeld, der antwortete. Und erläuterte, dass das zivile Kirchenrecht auf die Kündigung des Mesmers nicht anwendbar sei. Obwohl als «bezahlter Gast» der Kirchengemeinde anwesend, unterstellte er einem der Fragesteller «Nachholbedarf im Rechnungswesen» zu haben.

Ein weiterer Fragesteller kritisierte, dass die Kirchbürger von den heute diskutierten Vorgängen nichts erfahren haben und forderte eine bessere Kommunikation ein. Ein Beispiel, wie Kommunikation in der Widnauer Kirche aussieht, sah man, als Verwaltungsratspräsident immer wieder den sich zu Wort meldenden Dr. Martin Frei überging und ihm nicht das Mikrofon gab. Bis es Dr. Frei zu bunt wurde und er sich lautstark beschwerte.

Mangelt es an der Kompetenz

Ein Kirchbürger stellte die Frage, warum eigentlich ein Rechtsanwalt die an den Kirchenverwaltungsrat gestellten Fragen beantworte? Man habe vorher durch zwanzig Jahre hindurch immer persönlich Anliegen und Fragen klären können. Mangle es etwa an der Kompetenz der Kirchenräte?

Dass die Zerrüttung der Kirchgemeinde «brutal» ist, wie Fredy Roth behauptete, wurde durch die Tatsache gestützt, dass die Wortmeldungen von der einen Seite, die Kritik anbrachte, und jene der den Kirchenverwaltungsrat unterstützenden Seite abwechselnd durch lautstarken Applaus untermalt wurden.

Schulratspräsident Richard Dünser versuchte, zu vermitteln. «Lassen sie den Kirchenverwaltungsrat bis zum Ablauf dieser Periode arbeiten und beurteilen Sie dann bei den nächsten Wahlen das Gesamtergebnis. Ich habe Sorge, ob sich bei einem derartigen Klima wieder jemand in den Kirchenverwaltungsrat wählen lässt, wenn seine Arbeit dort so zerzaust wird.»

rheintal24/gmh/uh
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