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Montlingen
04.03.2021

«Einfach in Kontakt zu bleiben ist momentan sehr wichtig»

Die Musikgesellschaft Montlingen-Eichenwies bei einem der grossartigen Galakonzerte. Von der Leinwand winken Präsidentin Irene Loher und Matthias Beno Bild: Ulrike Huber
Bei den Musikvereinen und –gesellschaften des Rheintals hat die Coronapandemie das Vereinsleben stark beeinträchtigt. Dennoch werden auch in dieser Zeit Aktivitäten gesetzt. Wie bei der Musikgesellschaft Montlingen-Eichenwies.

Ein richtiger Blasmusiker lebt dafür, mit den Kollegen seines Orchesters durch das Dorf marschieren zu dürfen, bei Konzerten und Unterhaltungsabenden die Ohren von Freunden, Verwandten und Bekannten verwöhnen zu können, oder ganz einfach nach dem Probenabend mit seinen musizierenden Mitstreitern noch auf ein Glas Bier oder Wein in die gemütliche Vereinsbeiz zu gehen. Alles seit vielen Monaten nicht mehr möglich.

Die Konzerte der Muntliger Blasmusik im Wintergarten der CHT Switzerland AG, die von 2013 bis 2019 stattfanden, waren immer ein besonderes Erlebnis Bild: Ulrike Huber

Aerosole als Hauptüberträger

Grund sind neben dem Versammlungs- und Veranstaltungsverbot die gerade bei Blasinstrumenten beim Musizieren vermehrt entstehende Aerosole. Also jene feinste Flüssigkeitspartikel in der Luft, die als Hauptüberträger der Covidviren gelten. Nach einer Meldung des Bayerischen Rundfunks wurden daher wissenschaftliche Studien durchgeführt, um genauer zu bestimmen, wie viele Aerosole Bläser tatsächlich ausstoßen – und wie stark sie sich beim Spielen ausbreiten.

Die wichtigste Erkenntnis, nachdem die Wissenschaftler die Aerosolwolken mit Hilfe von Hochgeschwindigkeitskameras und Laserlicht sichtbar gemacht und ausgemessen haben: Die Aerosolwolke breitet sich nach vorne deutlich stärker aus als zur Seite. «Es ist so, dass wir für fast alle Instrumente einen Abstand nach vorne von zwei Metern und zur Seite von eineinhalb Metern als sicher empfinden würden», sagte Studienautor Matthias Echternach. Nur Flötisten müssen mehr auf Abstand gehen: «Bei der Querflöte schlagen wir vor, dass man 3-Meter nach vorne geht und zwei Meter zur Seite.»

Schön, dass die Juniorband und die Jungmusik mit ihren grossen Talenten auch in Coronazeiten weiterproben konnten Bild: Ulrike Huber

Juniorband und Jungmusik darf gemeinsam musizieren

Erkenntnisse, die das gemeinsame Proben und Musizieren der Musikgesellschaft Montlingen-Eichenwies, wie auch der anderen Blasmusikorchester im Rheintal derzeit verhindern. Gemeinsam musizieren dürfen nur die Juniorband und die Jungmusik. «Die sind zur Zeit am Spielen dran», erzählt Irene Loher als Präsidentin der MG Montlingen-Eichberg, «Natürlich immer unter Einhaltung des Schutzkonzepts.» Aber auch der Aktivverein habe das Spiel mit den Instrumenten nicht ganz eingestellt. «Wir dürfen nur mit vier Musikanten plus Dirigent proben. Es werden Proben als Einzelner, zu zweit, zu dritt oder zu viert angeboten. Und das wird Angebot sehr gut genutzt.»

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Auf die Frage, ob des bei den derzeitigen Kontaktbeschränkungen überhaupt möglich sei, so etwas wie ein richtiges Vereinsleben aufrecht zu erhalten, antwortet die Präsidentin geradeheraus: «Fast nicht. Ich bin aber bemüht, jede Woche etwas zu mailen, sei es ein Spruch oder sonst irgendetwas. Einfach im Kontakt bleiben, ist momentan sehr wichtig!»

«Jubilarenkonzert» auf September verschoben

Jedes Jahr haben die Muntliger Musikanten ein «Jubilarenkonzert» gegeben. Ein Konzert für alle Jubilaren von Montlingen und Eichenwies. Dieses Konzert wurde jetzt einmal auf September verschoben. Ebenso der ansonsten im Frühjahr stattfindende Unterhaltungsabend, an dem jetzt im November alle Musikfreunde mit Spass und guter Unterhaltung verwöhnt werden sollen. Was sicher nicht stattfinden wird, ist das bereits zur Tradition gewordene Galakonzert im Wintergarten der Firma CHT Switzerland. Inzwischen nicht nur ein gesellschaftliches Ereignis, sondern auch eine Perle unter den im Rheintal gespielten Konzerten.

  • Wer hätte in diesem unbeschwerten Moment gedacht, dass es ein Abschied für immer sein sollte Bild: Ulrike Huber
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  • Der allzu früh und überraschend verstorbene Dirigent Matthias Beno führte den mehr als fünzig Musiker umfassenden Klangkörper in neue Höhen Bild: Ulrike Huber
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  • Die MG Montlingen-Eichenwies lieferte mit dem Polar Express eine grossartige Vorstellung Bild: Ulrike Huber
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Die hohe musikalische Qualität, die auf diesen Galakonzerten jeweils geboten wurde, lag natürlich auch an den aussergewöhnlichen Qualitäten der Dirigenten. So etwa der stets vor Energie sprühende Silvio Söldi, der allen Besuchern am Galakonzert 2013 mit der Gastmusikerin und Violinistin Monica Tarcsay und seinem Sohn Mario Söldi am Schlagzeug einen bis heute unvergessenen Moment des Musikgenusses schenkte. Oder dessen Nachfolger Matthias Beno, der bei drei Galakonzerten am Dirigentenpult stand, zweimal davon gediegen im Frack, immer exakt und einfühlsam in bester Harmonie mit seinen Musikern den Stab führend.

Laufende Konzertvorbereitungen aufrechterhalten

Leider ist Matthias Beno ja vor einem guten Jahr überraschend verstorben. «Nach dem plötzlichen Tod von Matthias Beno ging es erst einmal darum, die laufenden Proben und Konzertvorbereitungen aufrecht zu halten, also das bestehende Programm weiterzuführen», berichtet Irene Loher aus dieser traurigen und fordernden Zeit, «Corona unterbrach diese Arbeit und im folgenden Sommer war die Probenarbeit nur bedingt möglich, bis im Herbst der nächste Stopp kam. Also kein Rahmen, um musikalische Akzente zu setzen – das Miteinander hatte Priorität.»

Ricardo Döriger, studierter Musiker, Dirigent, Instrumentalist und Musiklehrer, ist der neue Mann mit dem Dirigentenstab Bild: zVg

In Ricardo Döringer, studierter Musiker, Dirigent, Musiklehrer und Instrumentalist in einem, wurde ein versierter Nachfolger am Dirigentenstab gefunden. «Der neue Dirigent und die Musikkommission des Vereins nutzen die jetzige Zwangspause, um bei regelmässigen Treffen musikalische Ziele zu definieren und eine starke Vision für den Verein und die nächsten Jahre zu entwickeln. Bei den derzeit stattfindenden Einzel- oder Ensembleproben fokussieren wir uns dabei auf Atem-, Klang- und Blastechniktraining für Junge und Junggebliebene zur Stärkung der Ensemble- bzw. Registerdynamik», so die kompetente Vereinspräsidentin Irene Loher abschliessend.

gmh/uh