Am Donnerstag hatte der St.Galler Bauernverband zu einer Medienorientierung zur Produktionsstätte der Fa. Lütolf nach St.Margrethen geladen. Im Zentrum dieser Veranstaltung stand der Rheintaler Ribelmais, der durch innovative Landwirte und die nicht minder innovativen Ribelmais-Produkte der Fa. Lütolf derzeit eine grosse Renaissance erfährt.
«Tradition und Innovation können sich ergänzen»
Neuerungen im Anbau
Gestartet wurde die Veranstaltung auf dem Hof der Familie MIchel und Jennifer Bischof, die auch Ribelmais-Produzenten sind. Dort erläuterte Vivienne Oggier, Agronomin am landwirtschaftlichen Zentrum in Salez die Neuerungen im Anbau dieses Speisemais. «Gerade auch beim Ribelmais zeigt sich, wie der Anbau im Rheintal vor bedeutenden Herausforderungen und Chancen steht, die durch den Klimawandel beeinflusst werden.»
Denn die Anpassungen an Wetterextreme seien notwendig, um einen resilienten Maisanbau zu gewährleisten. Diese geschehe durch die Züchtung von klimaangepassten Sorten. «Während alte Landsorten wie der Ribelmais nicht mehr an aktuelle Bedingungen angepasst sind, haben moderne Hybridsorten den Vorteil, bereits auf Trockenheit und Hitze ausgelegt zu sein. Verbesserte Eigenschaften, wie Trockenheitstoleranz und Krankheitsresistenz spielen eine entscheidende Rolle.»
Züchtung resistenter Sorten
Insgesamt zeige der Ribelmaisanbau im Kanton St.Gallen, wie die Landwirtschaft in Zusammenarbeit mit der landwirtschaftlichen Beratung aktiv Massnahmen ergreife, um durch Züchtung resistenter Sorten, die Anpassung von Anbaumethoden und die Bewältigung neuer Schädlinge eine ressourceneffiziente und qualitative Nahrungsmittelproduktion sicherzustellen.
Doch was würde der Ribelmais nützen, wenn es nicht entsprechende verarbeitende Betriebe wie die Fa. Lütolf in St.Margrethen geben würde. Chef Christian Lütolf berichtete, dass das Unternehmen in den letzten zwanzig Jahren eine enge Partnerschaft mit den Landwirten geschaffen habe. Mit festen Abnahmepreisen sichert es den Bauern Stabilität und Vertrauen. «Das gegenseitige Vertrauen zwischen Säern, Landwirten, Drescher und Lütolf ist spürbar", so Christian Lütolf in seinem Vortrag.
Höhere Qualitätsanforderungen
Wobei Speisemais wesentliche höhere Qualitätsanforderungen stelle, als Futter- und Silomais. So durchläuft die Ware schon vor der Entladung eine genaue Prüfung auf verschiedene Qualitätsparameter, wie Mykotoxingehalt, Gluten, Fremdbesatz und vieles mehr. «Es ist ein Prozess, der die Reinheit und Hochwertigkeit des Produkts sicherstellt.» Wobei in der Sammelstelle Lütolf das scheinbar Unmögliche geschehe.
«Die Anlage wird unter Einhaltung des strengen HACCP-Konzepts immer wieder so gereinigt, dass eine Kontamination mit Gluten ausgeschlossen ist. Das ist bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass in unseren Silos jährlich rund 40´000 Tonnen glutenhaltiges Getreide umgeschlagen wird", zeigt sich Christian Lütolf stolz auf die absolute Glutenfreiheit der erzeugten Ribelmaisprodukte.
Innovation in der Landwirtschaft
Regierungsrat Beat Tinner überbrachte die Grüsse der Kantonsregierung und ging näher auf das Thema Innovation in der Landwirtschaft ein. Besonders am Thema Ribelmais und den dortigen Akteuren, wie etwa dem Verein Rheintaler Ribelmais und der Fa. Lütolf, sei zu ersehen, dass sich Tradition und Innovation bestens ergänzen können. Der Kanton verstehe seine landwirtschaftlichen Zentren in St.Gallen und Salez als Kompetenzzentren für Innovationen in der Landwirtschaft. So würden im Saxerriet auf Versuchsflächen von acht Hektaren neue Kulturen und Anbautechniken für eine nachhaltige landwirtschaftliche Praxis entwickelt.
Klaus Brammertz durfte als Präsident des Arbeitgeberverbandes Rheintal die schöne Nachricht überbringen, dass die Fa. Lütolf mit dem Preis der Rheintaler Wirtschaft 2024 ausgezeichnet werde. «Für diesen Preis suchen wir jeweils Leuchttürme, die unternehmerische Werte leben und nach aussen tragen. Innovative Leistungen und Nachhaltigkeit umsetzen und verwirklichen. Und dafür ist die Fa. Lütolf, dafür sind ihre Protagonisten Christian, Ernst und Kurt Lütolf mit ihren innovativen Ribelmaisprodukten ein Paradebeispiel.»
Wiederaufnahme der Produktion
Last but not least wies Peter Nüesch, Präsident des St.Galler Bauernverbandes auf die Geschichte des Rheintaler Ribelmais hin. Darauf, dass zu Beginn der Jahrtausendwende vor rund 25 Jahren sich der Verein Ribelmais unter der Leitung von Rolf Künzler und Hans Oppliger um die Wiederaufnahme der Produktion und der Vermarktung des Ribelmais gekümmert haben.
«Heute werden 100 ha Ribelmais in der Region angebaut, verarbeitet und vermarktet. Es ist sehr eindrücklich, wie die Zusammenarbeit von Anbau, Vermarktung und Handel bestens funktioniert.» So gebe es heute den Ribelmais nicht nur in den früher gebräuchlichen zwei Variationen als in Butter gebratenem Ribel oder Türggenbrot, sondern in einer grossen Vielfalt, wie zum Beispiel als Ribelmaisbier oder Ribelmaischips. Wobei der Kreislauf vom Anbau bis zur Produktion und Vermarktung in der Region geschlossen werde.
Gelebte Innovation
«Das Erfolgsrezept des Ribelmais? Innovative Landwirte, die für Veränderungen offen sind, Verarbeitungsbetriebe in der Region, die in neue Produkte investieren, und ein Marktzugang zum Detailhandel", ist sich Peter Nüesch sicher. «Das ist gelebte Innovation! Den traditionellen regionalen Ribelmais in modernen Produkten neu herzustellen!»