Die Idee Alltagsgeschichten festzuhalten hatte die in Rüthi lebende Annina Dietsche-Veit in einer Nacht, nach einem schier unerträglichen Familientag. «Schlaflos lag ich im Bett. Mit offenen Augen. Trotz Erschöpfung. Ich liess den Tag Revue passieren und erinnerte mich an die eine oder andere lustige Gegebenheit», erzählt die Autorin bei einem Spaziergang entlang des Rheintaler Binnenkanals.
Da sie trotz Schäfchenzählens den Schlaf immer noch nicht finden konnte, entschloss sie sich ein Amuse-Bouches aus dem Kühlschrank zu genehmen und eines dieser Alltags-Häppchen aufzuschreiben. In erster Linie für ihre Tochter, ihren Sohn und sich selbst. Und natürlich für ihren Mann, der am nächsten Morgen am Frühstückstisch ihren literarischen Erguss geniessen «durfte» und herzhaft lachte. Dies, obwohl er die Situation selbst nicht miterlebt hat.
Nach einiger Überwindung entschied sich Annina Dietsche-Veit die intimen Zeilen auf ihrem Social-Media-Kanal zu veröffentlichen, um das Erlebnis mit Freunden zu teilen. Und um sich gegenseitig zu stärken, wenn es mal nicht so rund läuft. Die Rückmeldungen kamen rasch und in hoher Zahl. «Sie waren überwältigend», erinnert sich die Autorin und staunt, «obwohl ich gar nicht so viele Online-Freunde habe.»
Lesende erkennen sich wieder
Nicht nur online, sondern auch auf dem Kindergartenweg, im persönlichen Umfeld und von ehemaligen Lehrerkollegen aus dem Thurgau und aus Zürich erhielt sie Reaktionen. Manchmal Wochen oder gar Monate später. «Immer wieder wurde ich darauf angesprochen, wann ich das nächste Lese-Häppchen aus unserem Familienleben veröffentliche. Ab und zu wurde ich auch gefragt – wohl eher scherzhaft – ob die Geschichten in Buchform erhältlich sind», lacht Annina Dietsche-Veit. Eine Idee, die sie wohl nicht weiterverfolgt hätte, wenn sie nicht von ihrem Mann dazu motiviert worden wäre bei der Rheintaler Kulturstiftung ein Fördergesuch einzureichen.
«Ich reichte es mit der Annahme ein, dass ich ohnehin eine Absage erhalten werde. Und damit wäre das Thema erledigt gewesen», sagt die zweifache Mutter. Es kam anders: Die Kulturstiftung sicherte ihr in einem Schreiben die Unterstützung zu und sprach ihr damit das Vertrauen aus. «Dies brachte das Buch-Projekt erst richtig ins Rollen», erzählt Annina Dietsche-Veit. Und jetzt ist es da: Das Buch mit den 39 Kurzgeschichten. Ein Buch, in dem sich viele Lesende selbst wiedererkennen und das zeigen soll, dass Familienarbeit und Erziehung anstrengend, aber auch lustig ist.
(F)Amuse-Bouches regt an zum Lesen und sich an eigene, lustige und schräge Alltagssituationen zu erinnern. An süsse, saure und vielleicht auch mal fade Häppchen im Familienleben. Die Texte sind ganz ohne Filter und ohne zu beschönigen geschrieben. Einfach so, wie man sich Geschichten unter Freunden erzählt. In bildhafter Sprache, nicht immer ganz ernst gemeinten Formulierungen, zeitgemässen Ausdrücken und manchmal leicht überspitzt. Sozusagen leicht verdauliche, trendige Kost, für gesundheitsbewusste Lesende.
Das Buch (F)Amuse-Bouches von Annina Dietsche-Veit ist im «Qultur»-Verlag erschienen. Es ist bei der Papeterie Enderli in Altstätten, der Papeterie Rita in Oberriet, im Buchhandel oder direkt bei der Autorin www.dietsche-veit.ch erhältlich.