Beim Brückenbau- egal ob in Holz oder Stein - galten stets allerhöchste Ansprüche an die Planer und an die Handwerker. So war es möglich, dass einzelne Brücken trotz der grossen Beanspruchung ihre Funktion über Generationen hinweg erfüllen konnten. Das gilt auch für die alte Steinbogenbrücke am Brendenbach. Doch ihre Tage sind gezählt, schon bald soll sie zerstört werden. Damit verschwindet ein Kulturgut und ein wertvoller Zeuge der Altstätter Verkehrsgeschichte - für immer.
Aller höchste Zeit, die Mühlacker Brücke etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Massiv in mit behauenen Bollensteinen gemauert, mit ein starken Bogen - so stark, dass sie bis jetzt jedem Lastwagen und jedem Hochwasser getrotzt hat. Die Brücke ist Teil einer heute untergeordneten Nebenstrasse, die von der Breite ins Mühlacker-Quartier führt. Einerseits wenig beansprucht und andererseits massiv ausgeführt, das sind die wesentlichen Gründe dafür, dass die Brücke seit über 150 Jahren ihre Funktion erfüllt - und es auch weiterhin tun könnte.
Brücke wirft Fragen auf
Dass die Mühlacker-Brücke alt sein muss, zeigt sich auf den ersten Blick. Doch wie alt? Welche Bedeutung hatte sie früher? Die Mühlacker Brücke gibt uns etliche Fragen auf. Warum ist so breit? Warum führt die Strasse auf beiden Seiten nicht gerade auf die Brücke zu? Warum ist sie breiter als vergleichbare Brücken? Warum ist der Durchlass so gross, dass nie zu einer ernsthaften Verklausung gekommen ist?
Allein schon diese Besonderheiten sind ein Hinweis, dass es sich um eine besondere Brücke handeln muss. In den Archiven finden sich nur wenige Quellen, auch Karten geben nur wenig Auskunft. Alte Bilder lassen sich kaum auftreiben. Sicher ist, die Brücke muss einst eine wichtige Rolle gespielt haben - nicht nur als Verbindung zwischen dem Mühlacker und der Breite, sondern wohl auch für die Erschliessung des Gätzibergs.
Gemeinderat spielt den Ball weiter
Archivarisch ist gesichert, dass im August 1829 der Gemeinderat eine Besichtigung der Strasse vom Mühlacker bis zum Gätziberg vornahm. Dabei wurde festgehalten: «Beim Mühlacker wäre es gut, wenn eine hölzerne Brücke auf Mauerstützen über den Bach gemacht würde.» Offenbar war die bereits bestehende Brücke so eng, dass sie kaum mit einem Fuhrwerk befahren werden konnte. Ein Neubau erschien dem Gemeinderat zwar als angemessen, aber doch als zu kostenintensiv. Das Projekt eines Brückenneubaus wurde erst mal zurückgestellt. Der Gemeinderat spielte den Ball weiter «an Lehrer Schneider und Consorten, dass sie eine neue Brücke erstellen sie auf ihre Kosten.»