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Au
12.04.2023
13.04.2023 11:00 Uhr

Auer Rheinbrücke erinnert an Genua

Und die Brummis stehen doch auf der Brücke, entgegen der Vorschriften und trotz des Abrufsystems für Lastwagen.
Und die Brummis stehen doch auf der Brücke, entgegen der Vorschriften und trotz des Abrufsystems für Lastwagen. Bild: Kurt Latzer
Wer die Mitte der Brücke zwischen Au und Lustenau betritt, hört das Ächzen der Lager, wenn ein Lastwagenchauffeur auf die Bremse tritt. Erinnerungen an jene Brücke in Genua kommen hoch, die im Sommer 2018 ohne Vorwarnung einstürzte.

Das den Rhein überspannende Bauwerk ist 66 Jahre alt und hat damit die Nutzungs- und Altersgrenze bald erreicht. Wie lange die Brücke den Belastungen Stand hält, kann nicht vorhergesagt werden. Die Suche nach einem Ersatz des Bauwerks hat zu keiner Lösung geführt. «Keine der Varianten hat in der aktuellen Ausgestaltung bei den betroffenen Gemeinden, dem Land Vorarlberg und dem Kanton St.Gallen eine Akzeptanz gefunden», hiess es Anfang März in einer Mitteilung des Kantonalen Baudepartements in St.Gallen.

Neubau kein Thema

Derzeit findet ein Monitoring statt, wie Arno Schwärzler, Leiter Objektmanagement Strassen in der Abteilung Strassenbau des Landes Vorarlberg, auf Anfrage sagt. Heute könne der Termin eines Neubaus nicht verlässlich genannt werden. Neben einem Neubau sind kurz- und mittelfristig flankierende Massnahmen in Prüfung. «Die aktuelle Beurteilung der Zweckmässigkeit eine neuer, `niederrangigen` Verbindung zwischen Lustenau und Au wird Federführend vom Tiefbauamt St.Gallen erarbeitet», gibt Arno Schwärzler Auskunft.

Kein Ende in Sicht

Die Rheinbrücke Au-Lustenau wurde 1957 als eine der ersten Spannbetonbrücken errichtet, schreibt Schwärzler. Wegen der starken Verkehrsbelastung wurde das Bauwerk im Jahr 2000 einer Generalsanierung unterzogen. Für eine Brücke aus Spannbeton werde in zahlreichen Literaturen theoretisch eine Nutzungsdauer von 70 Jahren angegeben.

Der Neubau der Verbindungsstrasse S18 zwischen der Vorarlberger und der Schweizer Autobahn ist seit über 60 Jahren in Planung. Das Ende der Diskussionen, geschweige denn ein Baubeginn, ist nicht in Sicht. Ähnlich könnte es der neuen Rheinbrücke ergehen, wenn man bedenkt, dass sich die Verantwortlichen bei einer Auswahl von vier Varianten nicht haben einigen können.

Die Grenzbrücke zwischen Au und Lustenau ist seit den Fünfzigerjahren des vorigen Jahrhunderts in Betrieb Bild: Wikipedia

Die Brummis halten auf der Brücke

 Seit Jahren wissen die Verantwortlichen, dass Lastwagen auf der Brücke nicht mehr stehen bleiben dürften. Tatsächlich aber stehen dort die 40-Tönner jeden Tag; mehrmals am Tag. Daran kann auch das, vor einigen Jahren installierte Abrufsystem nichts ändern.

Gemäss der Anlage darf auf der einen Seite ein Lastwagen nur losfahren, wenn auf der anderen Seite genug Platz ist. Das aber funktioniert nur so lange, bis sich Personenwagen vor dem jeweiligen Zoll stauen. Im Baudepartement St.Gallen ortet man «einzelne Lastwagen-Chauffeure» als verantwortlich, die sich nicht an die Regeln halten.

Die Politik haftet

Was aber ist, wenn der Spannbetonbau aus den 1950er-Jahren der Belastung nicht mehr Stand hält? Wen träfe bei einem Einsturz die Schuld? Arnold Schwärzler: «Für alle Brücken ist normalerweise der zuständig, der die Strassen unterhalten muss.» Das heisst: Die zuständigen Politiker im Kanton St.Gallen und im Land Vorarlberg tragen die Verantwortung.

Vor der Inbetriebnahme erfolgten damals Belastungstests. Bild: Ruedi Dörig / zVg

System soll Sicherheit schaffen

Wie der Leiter Objektmanagement Strasse sagt, wird derzeit ein Monitoringsystem entwickelt. Das System solle Klarheit schaffen, ob die Brückenkonstruktion noch intakt ist und statische Nachberechnungen darauf aufbauend übereinstimmen. Erst wenn Ergebnisse des Monitoringsystems und dem Ablauf einer Probelaufzeit vorliegen - frühestens Ende 2023 - könne man seriöse Aussagen machen.

In der Probelaufzeit wollen die Verantwortlichen das Verhalten der Brücke unter verschiedenen Verkehrs- und Temperaturbelastungen kennen lernen. Durch das Monitoringsystem könnte man kritische Entwicklungen frühzeitig erkennen.

Weniger Lastwagen, weniger Gewicht

 Wenn man anhand der neuen Berechnungen feststellt, dass das Rhein überspannende Bauwerk zwischen Au und Lustenau der zunehmenden Belastung nicht mehr Stand hält, sind entweder umfangreiche Baumassnahmen oder die Verringerung des zulässigen Höchstgewichtes die Lösung.

Möglich wäre auch, nur noch eine bestimmte Zahl an Lastwagen über die Brücke zu schicken. «Der Fokus liegt dabei darauf, verhältnismässige Massnahmen zu definieren», sagt Marcel John, Kantonsingenieur des Kantons St.Gallen.

Die Spannbetonbrücke wurde damals Belastungstests mit Steinbrocken auf Eisenbahngüterwaggons unterzogen. Bild: Ruedi Dörig / zVg

 

Vieles ist nötig für eine neue Brücke

Wie von der zuständigen Stelle des Landes Vorarlberg zu erfahren ist, muss zuerst eine Bestvariante für den Neubau einer Brücke festgelegt werden. Dann seien die so genannten Einreichungsplanungen zu erstellen, wobei wichtige Eckpunkte mit «Rhesi» abzustimmen seien. «Danach sind die erforderlichen Grundablösen oder Vereinbarungen mit Grundbesitzern zu treffen, anschliessend die nötigen Behördenverfahren einzuholen», berichtet Arnold Schwärzler. Dann könne man ein Bauprojekt ausarbeiten, anschliessend die Arbeiten ausschreiben. Schwärzler: «Die Bauzeit beträgt zwei bis drei Jahre. Weil noch so vieles ungewiss ist, kann derzeit ein Zeitpunkt für die Verkehrsfreigabe seriös nicht gesagt werden.»

rheintal24/uh/Kurt Latzer
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