«Nach drei Jahren Coronapause und mit viel Erfahrung im digitalen Austausch darf ich Sie heute ein letztes Mal persönlich willkommen heissen», begrüsste Gemeindepräsidentin Christa Köppel die rund dreihundert Widnauerinnen und Widnauer, die am Montagabend in der Aegeten-Halle zur ordentlichen Bürgerversammlung erschienen waren.
Abschied mit Standing Ovations
Business as usual
Es war der letzte Auftritt von Christa Köppel vor diesem Forum. Nach 24 Jahren im Amt wird sie in wenigen Tagen die Rathausschlüssel an ihren Nachfolger Bruno Seelos übergeben. Natürlich war der Tenor dieser Bürgerversammlung von dieser Tatsache geprägt. Doch dazu später. Denn zunächst gab es «business as usual».
Im Informationsblock gab Christa Köppel Einblick in die derzeit laufenden Projekte der Gemeinde. Dabei ging sie näher auf die Fortschritte und Abläufe bei der Ortsplanung ein. «Was wir heute machen, ist für morgen und für übermorgen!» Während der Auflage seien 29 Einsprüche eingereicht worden. «Es ist unmöglich, diametral unterschiedlichen Eigeninteressen gerecht zu werden.» Weshalb die Gemeindepräsidentin zur Vorsicht mahnte. «Wenn die Vorlage bei einem Referendum abgelehnt wird, dann haben wir einen Scherbenhaufen und müssen zurück an den Anfang.»
Laufende Instandhaltungen
Nicht nur grosse Neubauprojekte, sondern auch die laufenden Instandhaltungen der Infrastruktur prägen die Aufgabe einer Gemeinde. So sei für den Hoch- und Tiefbau ein Investitionskatalog, der bis zum Jahr 2037 reicht und etwa 90 Mio. Franken umfasst, erarbeitet worden. Bis Ende 2027 müsse der Spatenstich für die im Agglomerationsprogramm Rheintal vorgesehenen Projekte ausgeführt werden.
Wie schwierig die Erarbeitung und Einhaltung eines Investitionskatalogs ist, sehe man an den auftretenden Notfällen, wie zuletzt bei der Kunsteisbahn Aegeten. Dort wurde letzten September anlässlich einer Betriebsprüfung klar, dass die Ammoniak-Kälte-Anlage nicht mehr den Anforderungen entspricht und nicht über den Herbst 2024 hinaus betrieben werden darf. Auch die bauliche Infrastruktur hat das Ende der Lebensdauer erreicht. Noch im Herbst wird in allen Verbandsgemeinden die Bevölkerung befragt, ob eine neue Kunsteisbahn errichtet werden soll.
Gleichbleibender Steuerfuss
Im Zuge der ordentlichen Bürgerversammlung wurden dann sowohl die Rechnung 2022 als auch das Budget 2023 mit einem gleichbleibenden Steuerfuss von 76 Prozent ohne eine einzige Gegenstimme angenommen.
Zum Schluss der eigentlichen Versammlung wurde von Gemeinderat Alexander Bartl, der selbst noch eine kurze Laudatio über den Einsatz, die Hartnäckigkeit und die Professionalität von Christa Köppel hielt, ein Überraschungsgast angekündigt. Regierungsrat Beat Tinner, ein langjähriger Weggefährte der scheidenden Gemeindepräsidentin war eigens angereist, um einige von Herzen kommenden Worte über Christa Köppel zu finden.
Für Furore gesorgt
«Deine erste Wahl zur Gemeindepräsidentin 1994 hat für Furore gesorgt», erinnerte Tinner, «Die erste Frau im Kanton St.Gallen in einem solchen Amt. Dazu noch jemand, der keiner der Parteien angehörte. Und eine Auswärtige, die damals ja in Zürich lebte.» Aber Christa Köppel habe durch ihre Arbeit und durch ihre aussergewöhnliche Kompetenz alle überzeugen können.
Beat Tinner erinnerte auch an den hohen Stellenwert, den die Kultur für Köppel immer eingenommen habe. «Sie ist eine grosse Kulturfreundin!» Was sie mit ihren Aktivitäten als Präsidentin der Rheintaler Kulturstiftung auch bewiesen habe. «Liebe Christa! Ich bin überzeugt, Du wirst vermisst werden. Danke für Deinen Einsatz!»
Bereits unter dem Punkt «Allgemeine Umfrage» hatte einer der Bürger die Aktivitäten von Christa Köppel gewürdigt und von einer «Zeitenwende» für Widnau gesprochen. Die zum Schluss folgenden donnernden Standing Ovations drückten den Dank der Bevölkerung aus.