Was erwartet den Besucher, wenn eine Mehrzweckhalle, wie am Samstag jene in Marbach, auf Hochglanz poliert, die Tische in langen Reihen aufgestellt und mit Frühlingsblumen und Gitarrenbildern geschmückt sind? Ja, richtig, es steht ein Unterhaltungsabend der Blasmusik auf dem Programm.
Eine Blasmusik - zwei Konzerte und viel Rock
Gleich zwei Konzerte in einem Abend
Beim Musikverein Marbach waren es gleich zwei Konzerte, die gegeben wurden. Im ersten Teil musizierte der Musikverein traditionelle Blasmusik. Märsche, Polka, Filmmusik und Klassik. Im zweiten Teil nach der Pause wurde es dann exklusiv. Denn die Marbacher Musikanten hatten sich mit der Rock-Band «bROCKoli» zusammengetan. Und boten Aussergewöhnliches: Rock-Klassiker, gejammt von der Rockband und begleitet von der Blasmusik. Aber der Reihe nach.
Unter der – es sei gleich gesagt – aussergewöhnlich guten Leitung ihres musikalischen Direktors Peter Markus legten die Blasmusiker mit einem lustig-fröhlichen Marsch los. «Bereit: Stark, Schnell» von Thomas Trachsel stand auf dem Programm. Und von Anfang an wurde klar, dass es ein Vergnügen ist, dem MV Marbach zuzuhören. Einem wohltönenden harmonischen Klangkörper, der mit aussergewöhnlicher Exaktheit musiziert. Bei dem die verschiedenen Register wunderbar klar herausgearbeitet werden.
Wiener Philharmoniker
Mit dem «Donau-Walzer» von Johann Strauss Sohn zeigten die Marbacher, dass sie zwar noch keine Konkurrenz zu den Wiener Philharmonikern darstellen, dass sie aber auch ein Stück populärer Klassikmusik wunderbar präsentieren können. Chapeau! Zumindest die Bezeichnung «Philharmoniker unter den Blasmusiken des Rheintals» haben sie sich verdient.
Und auch bei der folgenden Konzertpolka «Prager Gassen» bewiesen die Musiker, dass sie alles andere als Haudrauf-Allerweltsmusikanten sind, sondern mit feinem Gefühl für Stimmungen und Noten vorzügliche Blasmusik abliefern. Und auch die Solisten lieferten. Wie etwa Andrina Benz und Manuel Hinderling mit ihren Saxophonen, die den Medley aus Adele-Pop-Klassikern mit ihren Soloauftritten bereicherten.
Humoristisches Stück
So endete bereits der erste Teil dieses Abends nach dem letzten humoristischen Stück «Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten» aus dem gleichnamigen Film mit dem unvergessenen Gert Fröbe mit tobendem Applaus des Publikums in der beinahe ausverkauften MZH Amtacker.
MVM-Präsident Michael Haltinner freute sich in seiner kurzen Ansprache, dass nach drei Jahren coronabedingter Pause endlich wieder ein Unterhaltungsabend über die Bühne gehen konnte. Und bedankte sich bei den befreundeten Vereinen MG Kriessern, der den Wirtschaftsservice in der Halle übernommen hatte, sowie den «Bazzaschüttlern» für die Betreuung der Küche.
Loud and dirty
Nach der Pause wurde es dann «loud and dirty». Rockmusik war angesagt. Und zwar echter Rock. Klassiker wie «Nothing else matters», oder «Highway to hell» oder eine harte Version von Grönemeyers «Mensch». Gespielt von der bekannten Hard-Rock-Band «bROCKoli» gemeinsam mit der Jugendmusik und dem Musikverein Marbach. Ein Hörerlebnis der ganz besonderen Art. Eigenständig und grossartig.
Die bass- und drumsgetriebenen Gitarrenriffs waberten durch die Halle, die Blasmusik schaffte einen symphonischen Background. Alles zusammen machte natürlich einen Höllenlärm. Dass einzige, was zu einem wahrhaft phänomenalen Rock-Konzert-Erlebnis noch fehlte, war eine ordentliche Bühnenshow mit fliegenden Mähnen à la «Status Quo». Doch das kann man den älteren Herren, die da rockten, wahrlich nicht auch noch zumuten.
Video: Ulrike Huber
Kakophonisches Hörerlebnis
Die Idee zu diesem kakophonischen Hörerlebnis hatte MVM-Dirigent Peter Markus, der auch bei «bROCKoli» anfragte, ob sie denn mitmachen würden. Was diese natürlich sofort bejahten. Zum Glück für die völlig euphorisierten Zuschauer, die die Musiker noch lange nicht von der Bühne lassen wollten.