Sie sind derzeit wieder unterwegs. Die Sternsinger. Kinder, die als die drei Heiligen Könige verkleidet von Haus zu Haus und von Wohnung zu Wohnung ziehen und den Segen für das neue Jahr überbringen. Dabei werden für Kinderprojekte auf der ganzen Welt Spenden gesammelt.
Die Heiligen Drei Könige – Legende oder Wahrheit?
Oberschicht der damaligen Zeit
Das könnte manchem Sternsinger einen Zacken aus der Krone brechen: Von Königen steht in der Bibel nämlich nichts. Das Matthäus-Evangelium nennt die Männer, die dem Stern in Richtung Bethlehem folgen, «Magier» aus dem Osten, nach dem griechischen Wort «magoi». Der Evangelist hatte dabei aber weniger Siegfried und Roy mit einer Kamelnummer vor Augen als die umfassend gebildete und intellektuelle Oberschicht der damaligen Zeit, für die die Beobachtung der Sterne eine Art wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Welt bedeutete. Martin Luthers Übersetzung «Weise» trifft es also ganz gut. Die ausländische Elite kommt zum Jesuskind - das sollte die Botschaft sein.
Dass es drei an der Zahl gewesen sein sollen, ist auch nur eine Hypothese. Denn die Männer brachten mit Gold, Weihrauch und Myrrhe zwar drei Geschenke - aber auch fünf Leute könnten drei Geschenke bringen. Auf ganz alten Wandmalereien sind zwei, auf anderen vier Männer zu sehen. Erst im Mittelalter sind die Weisen plötzlich drei Könige. Sie heissen Caspar, Melchior und Balthasar, und einer hat eine dunkle Hautfarbe.
Alte Prophezeiungen
Ob es sie wirklich gegeben hat, ist unklar. Das Matthäus-Evangelium zitiert häufig alte Prophezeiungen aus der hebräischen Bibel und nutzt sie als Beleg dafür, dass Jesus wirklich der Messias ist. Die Erzählung von den Weisen aus dem Morgenland wirkt wie eine Collage mehrerer Voraussagen. Dennoch wurde das jetzt blaublütige Trio zu den Stars bei den Krippenspielen im Mittelalter. Vor allem der dunkelhäutige Caspar war beliebt und lebt bis heute als Kasperle im Puppentheater.
Wer die «Könige» heute besuchen will, muss gar nicht so weit fahren. Nach katholischer Überlieferung liegen ihre - sowie weitere - Gebeine in einem goldenen Schrein im Kölner Dom, dem Dreikönigenschrein. Die Knochen gehörten zu den wertvollsten Reliquien des Mittelalters. Sie lagen zunächst im Mailänder Dom. Als Kaiser Friedrich Barbarossa 1162 die Stadt eroberte, schenkte er seinem Verbündeten Rainald von Dassel, dem Erzbischof von Köln, diesen Schatz als Kriegsbeute.
Könige oder nicht: Die Legende inspiriert jedes Jahr Tausende Kinder, sich zu verkleiden und auf den Spuren der Männer singend von Haus zu Haus zu ziehen und Geld für gute Zwecke zu sammeln. Mit Kreide schreiben sie die aktuelle Jahreszahl und die Initialen der Könige an die Türen: 23*C+M+B+23. Die Initialen der Könige stehen gleichzeitig für «Christus mansionem benedicat» - «Christus segne dieses Haus». Und sicher nicht für Chäs, Most und Bier.
Quelle: ndr.de