Schöner kann Weihnachten eigentlich kaum beginnen. Herzlicher und lieblicher kann eine Lesung mit Konzert wohl nicht sein. Die Diepoldsauer Mundart-Literatin Bertha Thurnherr und das aus den Schwestern Patricia und Stefanie Fehr bestehende musikalische Duo «fehrstimmt» hatten zu einer «Weihnachtsreise» in die Bühne Marbach geladen.
Eine Weihnachtsreise verzaubert die Menschen
Wunderbarer Abend
Viele Zuhörer hatten den Weg nach Marbach gefunden, um gemeinsam mit den Akteurinnen auf diese Weihnachtsreise zu gehen, und füllten die Bühne Marbach bis auf den letzten Platz. Sie alle konnten einen wunderbaren Abend geniessen.
Perfektes Duett
Einen Abend voller im besten Sinne besinnlicher, nachdenklicher, aber auch fröhlicher Lieder. «Fehrstimmt» bewiesen sich einmal mehr als perfektes Duett. Zwei glasklare, einfühlsame und herzbewegende Stimmen, die miteinander harmonieren, wie es wohl nur Geschwister tun können. Die beiden Musikerinnen präsentierten Musikstücke aus dem Volksliedergenre, irische, israelische, französische oder andalusische Weisen.
Diese Lieder wie auch die eingestreuten Instrumentalnummern, immer zwischen den von Bertha Thurnherr auf ihre unnachahmlich heitere und einnehmende Weise erzählt, gaben immer wieder Zeit, das Gehörte zu reflektieren und zum In-Sich-Gehen. Um auf den von Thurnherr vorgespurten Wegen gedanklich noch etwas weiterzugehen.
Wovon die vorgetragenen Kurzgeschichten handelten? Von Menschen, die sich in schwierigen Situationen, wie bei einer Zangengeburt, sich als wahre Engel erwiesen haben. Von Menschen, die sich auf den Weg gemacht haben, um Besonderes zu tun. Geschichten, die allen Mut für diesen Weg geben sollen.
Ein Esel in jedem Krippli
Bertha Thurnherr klärte in einer ihrer Geschichten aber auch auf, warum in jedem Krippli auch ein Esel steht. Ja, sie hielt geradezu ein Loblied auf die Esel, die die Menschheit treu als Arbeitstier durch die Jahrtausende begleitet hatten. So sei der langgezogene «Iiih-aaah» Eselsschrei ja auch der Ursprung des Begriffs «Halleluja».
Ihre Texte über die über den Rhein in die Schweizer Sicherheit flüchtenden Juden zur Zeit der Naziherrschaft im benachbarten Österreich, über eine Wohnungssuche im bitterkalten Winter 1928, oder über einen Doktor, der nach einer Geburt nähen sollte, aber keinen Faden dabei hatte, waren zutiefst berührend und ergreifend, aber auch immer von einem heiteren, lebensbejahenden Grundton.
So auch die Geschichte über eine Bescherung in einer Grossfamilie. «Da stand sogar ein Davoser Schlitten unter dem Christbaum. Alle freuten sich und dachten nicht daran, dass es ein Zweiplätzer war. Wir aber waren neun Kinder.» Mehr sei hier aber nicht verraten, denn Bertha Thurnherr und das Duo «Fehrstimmt» gehen noch heute, Sonntagabend um 17 Uhr in der evangelischen Kirche in Heerbrugg, und am kommenden Freitag, den 23.12.2022, um 20 Uhr, im Diogenestheater noch einmal auf ihre Weihnachtsreise.