Dass Gefühle keine grosse Reden brauchen, dass manchmal eine kleine Geste oder auch nur ein Wort ausreicht, das bewiesen die Schützlinge des Rhyboot am Freitagabend bei der Aufführung ihrer Weihnachtsbühne. Denn das Stück «Nur ein Wort» spielte in einem Land, in dem sich die Menschen mit Gesten statt mit Worten verständigen. Und erzählte die Liebesgeschichte von Marie und Jakob und die Suche nach Worten. Oder nach dem einen Wort, dass alles zusammenhält.
Vielumjubelte Vorstellung der Weihnachtsbühne Rhyboot
Theaterstück ohne Worte
Kaum zu glauben, wie unterhaltsam ein Theaterstück ohne Worte sein kann. Zumal, wenn es sich um eine Melange aus phantastischen Bühnenbildern, wunderbar und einfallsreiche kostümierten Darstellern und mitreissender, grossartiger Musik handelt. Rhyboot-Chef Patrick Benz hatte bereits in seiner Begrüssung das Publikum aufgefordert, mitzusingen: «Sie merken dann schon, wann Sie mitmachen sollen».
Coronabedingt hatten das OK, die vielen hilfreichen Hände hinter der Bühne und die Darsteller mit Beeinträchtigung drei Jahre Zeit gehabt. Zeit, um in den Rhyboot Werkstätten das geradezu bombastische Bühnenbild der einzelnen dargestellten Szenen vorzubereiten. Zeit, um mit Feuereifer bei der Sache zu sein. Und Zeit für Band und Chor unter der musikalischen Leitung von Manu Oesch, den gelungenen Mix aus bekannten Songs, die die einzelnen stummen Szenen begleiteten, einzuüben.
Der erste Kuss
Szenenbilder, die zu Herzen gingen und wohl noch lange in Erinnerung bleiben. Wie die Eingangsszene, in der sich die Menschen um ein Fass sammelten, in dem ein Feuer brannte, um sich die Hände zu wärmen. Oder das Schlussbild, in dem sich Marie und Jakob auf einer Leiter stehend den ersten Kuss gaben. Oder die aufwändige, scheinbar dem Charly-Chaplin-Film «Modern Times» entlehnte Szenerie mit der grossen Maschine, die mit übergrossen Geldscheinen gefüttert, endlich die vorher schon lange gesuchten Worte ausspuckte.
«Ich bin toll» und «Du bist schön» waren das Erste, was die Maschine ausdruckte. Passend für die Darsteller des Abends, lauter Menschen mit teils sogar schwerer Beeinträchtigung, die mit ihren Betreuern die Bühne bevölkerten. Und vor allem beim Schlussapplaus unverfälschte Freude und Begeisterung zeigten. Das eine, alles zusammenfassende Wort wurde dann auch noch gefunden. Unmittelbar nach dem ersten Kuss der Hauptprotagonisten. «Nochmal».
Nomal eine Vorstellung
Die gut vierhundert Zuschauer, die im Kulturraum Rhyboot jeden Sitz- und jeden Stehplatz füllten, dankten den Darstellern mit überbordendem, von Herzen kommendem Applaus. Ja, und wer die Vorstellung am Freitagabend versäumt hat: Heute Abend gibt es die Weihnachtsbühne Rhyboot «nochmal». Ab 19 Uhr bei freiem Eintritt.