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Heerbrugg
20.05.2022

«Jedes Dach braucht eine Photovoltaikanlage»

Experten hielten Kurzvorträge, ob Solarstrom auf Industrie- und Gewerbedächern wirtschaftlich sein kann: vl. Jens Breu, Philipp Egger, Christian Eisenhut, Peter Mayer und Alexander Stritz
Experten hielten Kurzvorträge, ob Solarstrom auf Industrie- und Gewerbedächern wirtschaftlich sein kann: vl. Jens Breu, Philipp Egger, Christian Eisenhut, Peter Mayer und Alexander Stritz Bild: Ulrike Huber
Der AGV Rheintal und der Verein St.Galler Rheintal veranstalteten am Donnerstagabend im Foyer der SFS Heerbrugg einen Infoabend zum Thema «Wirtschaftlicher Solarstrom auf Industrie- und Gewerbedächern».

Die drohende Winterstromlücke elektrisiert derzeit die Schweizer Politik. Mit der fortlaufenden Umstellung auf klimaneutralen Energieverbrauch, auf Wärmepumpenheizungen und E-Autos wird der Strombedarf stark ansteigen, doch der Ausbau der Produktionskapazitäten ist schwierig.

Rentiert sich eine PV-Anlage?

Wie sollen sich gewerbliche Unternehmen in dieser Frage verhalten? Rentiert sich der Bau einer Photovoltaikanlage auf dem Produktionshallendach oder auf der Werkstatt? In der Informationsveranstaltung «Wirtschaftlicher Solarstrom auf Industrie- und Gewerbedächern» am Donnerstagabend im Foyer der Fa. SFS wurde dieser Frage von Experten nachgegangen. Die klare Antwort: «Auf jedes Dach gehört eine Photovoltaikanlage!»

Etwa sechzig Interessierte waren gekommen Bild: Ulrike Huber

Eingangs der Veranstaltung durfte Hausherr SFS-CEO Jens Breu die etwa sechzig interessierten Zuhörer aus den Reihen des AGV Rheintal begrüssen und darlegen, dass die Transformation zu erneuerbaren Energiequellen eine grosse Herausforderung wird. Eine Herausforderung, die aber auch grosse Chancen bietet. Der Unternehmenschef schilderte, dass bei SFS schon seit längerem vieles getan wird, um den CO2-Fussabdruck zu reduzieren. «Bis 2020 sollten wir um bis zu 90 Prozent runtergehen.»

  • Peter Mayer berichtete über frühere und geplante Photovoltaikanlagen bei SFS Bild: Ulrike Huber
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  • Jens Breu, CEO bei SFS, stellte die Roadmap zur CO2-Neutralität vor Bild: Ulrike Huber
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  • Philipp Egger fasste als Geschäftsleiter der Energieagentur St.Gallen den IST-Stand zusammen Bild: Ulrike Huber
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Derzeitige Situation der Energieversorgung

Philipp Egger, Geschäftsleiter der Energieagentur St.Gallen gab einen Überblick über die derzeitige Situation der Energieversorgung. Ein Überblick, der in einer klaren Botschaft mündete: Die Energieversorgung muss umgebaut werden. Weg von fossilen Brennstoffen aller Art, hin zu erneuerbaren Energien, hin zu vermehrtem Ausbau von Wasserkraft, Sonnen- und Windenergie. Zu besserer Dämmung der Gebäude, zu Gas aus Biomasse und synthetisch hergestellten Gasen aus Energieüberschüssen. Denn für die Zukunft nach 2030 wird mit 1.5 Mio. Wärmepumpen und 3.6 Mio, Elektroautos in der Schweiz gerechnet, die alle Strom, die unsichtbare Energie, die unser Leben bestimmt, verbrauchen.

  • Projektleiter Christian Eisenhut stellte die Partnerunternehmen der Energieagentur St.Gallen für das Projekt Rheintal vor Bild: Ulrike Huber
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  • Peter Mayer machte anschaulich, dass es künftig allenfalls zu Strommangellagen im Winter kommen wird Bild: Ulrike Huber
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  • Alexander Stritz klärte über die verschiedenen Finanzierungsmodelle für PV-Anlagen auf Bild: Ulrike Huber
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Schnell ausbaufähig ist die Gewinnung von Solarenergie über Photovoltaikanlagen. Derzeit beträgt die Leistung dieser Energieart im Kanton St.Gallen pro Kopf lediglich 0.4 kWh. Das Ziel ist das Zehnfache, was eine Photovoltaikfläche von 24 m2 pro Person benötigen würde. Das derzeitige Problem: durch die grosse Nachfrage sind die PV-Unternehmen ausgelastet, die Lieferfristen und der Fachkräftemangel hoch. Und ein weiteres Problem ist die zu erwartende Strommangellage jeweils in den Wintermonaten, wenn die Sonne weniger Energie liefert.

Christian Sepin überreichte als Präsident der Fachgruppe Energie beim Verein St.Galler Rheintal den Vortragenden ein kleines Präsent Bild: Ulrike Huber

PV-Kampagne der Energieagentur

Eine kurze Darstellung und Zusammenfassung der PV (=Photovoltaik) Kampagne der Energieagentur St.Gallen seit dem Herbst 2020 wurde von Projektleiter Christian Eisenhut vorgestellt. Nach Prüfung der Vorhaben von Interessenten gehe es jetzt bei neun Industrieobjekten im Rheintal an die Umsetzung. Es habe sich gezeigt, dass bei Eignung des Daches, das keine Verschattungen haben darf, und hohem Eigenbedarf des Unternehmens die Errichtung einer PV-Anlage auf jeden Fall rentabel sei und sich bereits nach sechs bis zwölf Jahren amortisiere.

  • Beim anschliessenden Netzwerkapéro wurde das Gehörte diskutiert und Kontakte geknüpft Bild: Ulrike Huber
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  • Bild: Ulrike Huber
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  • Sabina Saggioro, Geschäftsleiterin des mitveranstaltenden Vereins St.Galler Rheintal Bild: Ulrike Huber
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Gerade bei der SFS in Heerbrugg hat man sich schon früh der Errichtung von PV-Anlagen zugewendet. Schon 1988 wurde für den Betrieb von Elektrofahrzeugen ein kleine Anlage errichtet, die noch heute im Betrieb ist und insgesamt schon 50´000 kWh produziert hat, erzählte Peter Mayer, Head of technical services bei der SFS. Einen Neustart habe es dann ab  2011 gegeben. Seither wurden sieben Teilanlagen errichtet, die mit 25´000 m2 Solarflächen und einer Leistung von 4´300 kWh einen Selbstversorgungsgrad von 10 Prozent abdecken.

Die Basis einer solchen Investition sei zuallererst die mögliche Rendite. Die mit Sicherheit gegeben sei, vor allem auch angesichts der rasant ansteigenden Energiekosten.

Bild: Ulrike Huber

Finanzierungsmodelle erläutert

Die Modelle der Finanzierung eines möglichen PV-Projektes erläuterte dann Alexander Stritz, Experte für den Bereich Energie und Technik bei der Abonax AG. Sein klares Bekenntnis als Finanzierungsfachmann: «Jedes Dach braucht eine PV-Anlage!». Die Rendite sei auf jeden Fall gegeben. Und umso höher der Eigenbedarf an Strom, um so rentabler sei die Anlage, umso rascher erfolge die Abschreibung.

Anschliessend führte der Experte durch die Vor- und Nachteile der Finanzierungsarten Eigenmittel, Contracting, Dachvermietung oder Solargemeinschaft. Zum Abschluss der Veranstaltung berichtete Christian Sepin als Präsident der Fachgruppe Energie des Vereines St.Galler Rheintal, dass man auch in dieser Fachgruppe überlege, wie der Anteil an Solarstrom im Rheintal erhöht werden könne.

rheintal24/gmh/uh