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25.02.2021
26.02.2021 18:45 Uhr

«Wir werden zu Unrecht verurteilt» – Wirte sind konsterniert

Schloss Weinstein ob Marbach: Auch dort bleibt die Terrasse geschlossen
Schloss Weinstein ob Marbach: Auch dort bleibt die Terrasse geschlossen Bild: suissegourmet.ch
Der Bundesrat hat gestern entschieden: Läden dürfen öffnen, Restaurants bleiben zu. Die Betreiber in der Gastronomie zeigen sich vor den Kopf gestossen und als unfair behandelt.

Die Berner Bundesratsberge haben gekreisst und einen nicht ganz nachvollziehbaren Entscheid geboren. Es werde weiter ein harter Coronakurs verfolgt. Was übersetzt heisst: Alle Läden dürfen wieder öffnen. Aber die Gastronomie bleibt zu. Mindestens bis zum 22. März, denn am 12. März werden die Frauen und Herren Bundesräte die Lage anhand der vorliegenden Zahlen und Richtwerte neu beurteilen.

Mehrheit der Kantone auf Lockerung gedrängt

Die Lokale samt Terrassen bleiben also vorderhand geschlossen. Obwohl eine Mehrheit der Kantone auf diesbezügliche Lockerungen gedrängt hatte. Die Regierung zeigte sich aber unbeeindruckt vom wachsenden Druck aus der Wirtschaft, Kultur und der bürgerlichen Politik. Was die Wirte als Hauptbetroffene selbstverständlich erbost.

«Unverständlich, ärgerlich und ungerecht» - Friedrich W. Diener, Chef im Schloss Weinstein in Marbach ist mit dem Bundesratsbeschluss unzufrieden Bild: zVg

«Das macht doch keinen Sinn. Private Grillparties mit 15 Personen sind jetzt erlaubt, wobei auf solchen Parties doch wahrscheinlich niemand eine Maske trägt oder Abstände einhält. Und bei uns bleibt die Gartenwirtschaft verboten!» Friedrich W. Diener, Betreiber und Gastgeber des Marbacher Genussrestaurants Schloss Weinstein, macht seinem Ärger Luft. «Bei solchen Entscheiden bekommt man das Gefühl, dass ein Lokal die letzte Weihnachtsfeier des Bundesrates verhagelt hat und sie deshalb gegen die Gastronomie sind. Denn eines ist komplett unverständlich, ägerlich und ungerecht: Dass die Hotels gleichzeitig geöffnet halten dürfen und wir nicht. Denn unsere gehobene Gastronomie ist doch nichts anderes wie der Abendservice im Hotel. Dort geht’s, ja dort sind sogar die Wellnessanlagen geöffnet, und bei uns geht es nicht? Das ist nicht mehr nachvollziehbar.»

Coronaschutzmassnahmen haben funktioniert

Auch in Schloss Weinstein waren sämtliche Coronaschutzmassnahmen bereits eingeführt und haben funktioniert. Die Abstände wurden eingehalten, die Hygieneregeln beachtet und jeder Gast war bekannt und notiert, sodass eine Infektionskette nachvollziehbar gewesen wäre. Die vom Bundesrat auch nicht erlaubte Öffnung der Terrassen kann Friedrich W. Diener auch nicht nachvollziehen: «Die Belüftung dort ist doch wirklich eins A. Und obwohl sich der Einkauf für das Restaurant dann nach dem Wetterbericht richten müsste, würde uns die Öffnung der freien Plätze helfen, mit unseren Gästen wieder in Kontakt zu kommen.»

Ralph Heule, Chef von Wein Berneck, zeigt sich vom Bundesratsbeschluss konsterniert Bild: zVg

Ralph Heule, Geschäftsführer bei Wein Berneck, und damit Gastwirt und Winzer in einem, stösst in Bezug auf die Hotels in das gleiche Horn: «Wieso haben die Hotels offen und wir nicht? Meine Familie und ich waren in Skiferien, da lief alles ganz normal. Auch in der Hotelgastronomie. Da kommst Du Dir schon blöd vor. Wir Wirte sind konsterniert über die Ungerechtigkeit.»

Nur zwei Prozent aller Ansteckungen in Lokalen

Der Bernecker Lokalchef verweist auf eine Studie, nach der überhaupt nur zwei Prozent aller Ansteckungen in Gastlokalen stattgefunden haben. Also dort, wo die Ansteckungen gut verfolgbar waren. «Wir kennen alle unsere Gäste, wir werden da zu Unrecht verurteilt. Was zumindest die Konsequenz haben müsste, dass zumindest alle Fixkosten übernommen werden.» Für das Personal habe die Verlängerung des Gastro-Lock-Downs keine weitere Folgen. Die, die wollten, sind in Kurzarbeit. «Aber als Chef bekommst Du ja nichts. Nur Steuern darf man weiterhin zahlen. Die Solidarität der Gemeinschaft sollte sich auch monetär zeigen und nicht nur ein leeres Versprechen sein. Und wenn ich mir die Coronazahlen des Kantons und insbesondere des Rheintals anschaue, dann finde ich es schlimm für unsere Branche, dass sie so benachteiligt wird.»

Der weitere Gastrolockdown wirkt sich natürlich auch auf den Weinabsatz von Wein Berneck aus. «Jene Winzereien, die sich hauptsächlich auf die Gastronomie als Abnehmer konzentriert hatten, haben natürlich enorme Umsatzeinbussen.»

gmh/uh