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Au
29.12.2020
29.12.2020 17:09 Uhr

Auer Kreiselkritik neu aufgewärmt

Das Kunstwerk im Auer Kreisverkehr spaltet die Gemüter (Bild: SylviaBühler.ch)
Das Kunstwerk im Auer Kreisverkehr spaltet die Gemüter (Bild: SylviaBühler.ch) Bild: sylviabuehler.ch
Auf dem Boulevardportal blick.ch wurde heute ein altes Thema neu aufgewärmt. Der Auer Kreisel, der angeblich nach Ansicht der Blick-Leser der hässlichste Kreisverkehr der ganzen Schweiz sei.

Schlechte Mahlzeiten werden auch nicht besser, wenn man sie aufwärmt. So wie es heute auf blick.ch geschehen ist. Die Boulevard-Medienköche des Ringierverlags veröffentlichten erneut einen Artikel, in dem die «Community» des Blick, bestehend aus angeblich 5000 Menschen, den Auer Kreisel zum hässlichsten Kreisel der Schweiz gewählt hätten.

Hässlichster Kreisel der Schweiz?

Freilich ohne dabei näher anzugeben, ob die Umfrage repräsentativ gewesen ist. Vielmehr wurden zunächst vermeintlich die User eingeladen, Bilder von nicht ihrem Schönheitsideal entsprechenden Kreisverkehrsgestaltungen einzuschicken. Und unter diesen Einsendungen sei dann eben der Auer Kreisel als «Hässlichster Kreisel der Schweiz hervorgegangen». Ohne darauf hinzuweisen, wie diese Abstimmung denn nun tatsächlich organisiert wurde.

Ebendieser Artikel wurde jetzt offensichtlich aufgrund des Mangels an wirklich wichtigen Themen in der Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr, die die meisten Redaktionen mit ihren «Jahresrückblicken“ überbrücken wollen, recycelt, und heute auf blick.ch neu veröffentlicht.

 

Der Kommentar zur Zeit:

 

Kunst liegt immer im Auge des Betrachters. Der Kreisverkehr in Au, despektierlich als «rostiger Knoten-Kreisel» bezeichnet, wurde einst von der Künstlerin Sylvia Bühler aus Heiden gestaltet. Den einen gefällts, den anderen eben nicht. Kunst ist nicht qualifizierbar. Und darf schon gar nicht Gegenstand von Umfragen sein, wo der Geschmack einer Community, also der «Geschmack des Volkes» erhoben wird. Den von der Bevorzugung von «volksgefälliger» Kunst bis zu den Auswüchsen der Verteufelung und Vernichtung «entarteter» Kunst in so manchen Diktaturen des vorigen Jahrhunderts ist es ein gar nicht mehr so grosser Schritt.

Deshalb erlaube ich mir ein Urteil zu dieser im verzweifelten Bemühen von blick.ch, seichte Themen für seine User zu finden, entstandenen Kulturbewertung durch die «Community»: schlicht und einfach geschmacklos.

Dr. Gerhard Huber, Chefredaktor

 

gmh/uh
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