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Kultur
24.12.2020

Die biblische Weihnachtsgeschichte

Die Krippen geben die Weihnachtsgeschichte bildlich wieder (Bild: shutterstock) Bild: Shutterstock
Die Weihnachtsgeschichte aus der Bibel gehört zu vielen christlichen Messen dazu.Viele Bibeln haben den Text verändert, traditionell wird jedoch meist die Geschichte aus dem Lukasevangelium verwendet.

«Es begab sich aber zur der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war. Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt.

Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heisst Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war, damit er sich schätzen liesse mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger. Und als sie dort waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.

Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen:

Ehre sei Gott in der Höhe
und Friede auf Erden
bei den Menschen seines Wohlgefallens.

Und als die Engel von ihnen in den Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat. Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in einer Krippe liegen. Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was die Hirten gesagt hatten. Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.»

(Lukas Evangelium, Kapitel 2, Vers 1–20)

Fünf Fragen und Antworten zum Weihnachtsevangelium

Wer ist der Verfasser der Weihnachtsgeschichte?

Die den meisten Menschen bekannte Version der Weihnachtsgeschichte stammt aus dem Evangelium nach Lukas. Über seine Person ist nichts Näheres bekannt. Das Lukas-Evangelium entstand jedoch nach Auffassung der meisten Bibelwissenschaftler zwischen 80 und 90 nach Christus und wurde in altgriechischer Sprache verfasst. Das Weihnachtsevangelium stammt dabei aus zweiten Kapitel.

Wann wurde Jesus geboren?

Im Weihnachtsevangelium gibt es keinen Hinweis auf die Jahreszeit, in der Jesus geboren wurde. Dass es zu diesem Zeitpunkt kalt gewesen sein soll, ist eine spätere Ausschmückung. Auch das Geburtsjahr Jesu bleibt offen. Die reichsweite Volkszählung des römischen Kaisers Augustus, von der Lukas berichtet, bietet keinen Anhaltspunkt für eine Datierung. Denn Historiker haben keine Belege dafür gefunden, wohl aber für regionale Volkszählungen. Auch die Angabe, dass Quirinius zu diesem Zeitpunkt römischer Statthalter in Syrien war, hilft nicht weiter: Quirinius trat dieses Amt erst im Jahr sechs nach Christus an. In der Vorgeschichte des Weihnachtsevangeliums heißt es aber, dass sich die Geburt Johannes des Täufers und damit auch Jesu Geburt zur Zeit des Königs Herodes von Judäa ereignete. Dieser amtierte bis zum Jahr vier vor Christus amtierte. Die meisten Forscher vermuten daher, dass Jesus um das Jahr vier vor Christus geboren wurde.

Wo wurde Jesus geboren?

Nach Auskunft des Weihnachtsevangeliums wurde Jesus in Bethlehem geboren, damals ein kleiner Ort in der Nähe von Jerusalem. Heute liegt die gleichnamige Stadt in den Palästinensischen Autonomiegebieten. Bibelwissenschaftler vermuten jedoch, dass Jesus tatsächlich im nahegelegenen Nazareth geboren wurde, dem Heimatort Josefs. Nach ihrer Lesart hat Lukas den Schauplatz der Weihnachtsgeschichte aus theologischen Gründen nach Bethlehem verlegt. So sollte sich die im damaligen Judentum verbreitete Verheißung erfüllen, dass der Messias in Bethlehem geboren wird, dem Heimatort des israelitischen Königs David.

In Bethlehem wird bis heute eine Höhle als Geburtsstätte Jesu verehrt. In Weihnachtskrippen liegt das Jesuskind jedoch zumindest im deutschsprachigen Raum meistens in einem Stall. Im Weihnachtsevangelium selbst heißt es, dass Maria Jesus in eine Krippe legte, weil in der Herberge kein Platz für sie war. Von Stall oder Höhle ist keine Rede.

Warum waren Hirten die ersten Zeugen der Geburt Jesu?

In Bethlehem und Umgebung gab es zur Zeit der Geburt Jesu viele Hirten. Ihre prominente Rolle im Weihnachtsevangelium wird unterschiedlich erklärt: Die populärste Erklärung ist, dass sie die einfachen Leute repräsentieren. Andere Bibelwissenschaftler setzen auf eine Herleitung aus dem Alten Testament und verweisen darauf, dass auch König David ursprünglich Hirte war.

Macht die Bibelwissenschaft das Weihnachtsevangelium kaputt?

Bisweilen wird der Bibelwissenschaft gerade auch mit Blick auf das Weihnachtsevangelium vorgeworfen, sie zerstöre mit ihrer historisch-kritische Herangehensweise den kindlichen Glauben. Doch so unterschiedlich das Weihnachtsevangelium heute auch interpretiert wird, darin sind sich die Wissenschaftler einig: Das Weihnachtsevangelium will gar kein historischer Tatsachenbericht sein. So dienen etwa auch die Erwähnungen des Kaisers und seiner Volkszählung oder des syrischen Statthalters der theologischen Botschaft. Sie sollen deutlich machen: Gott ist wirklich als Mensch zur Welt gekommen, in einem ganz konkreten historischen Umfeld.

Autor: Thomas Jansen, Quelle: katholisch.de

 

gmh/uh