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Marbach
21.12.2020
22.12.2020 16:29 Uhr

«Das ist eine fertige Katastrophe»

Ab dem 22. Dezember sind alle Gastrobetriebe geschlossen - auch die Marronibraterei beim Casa Nero (Bilder: Ulrike Huber) Bild: Ulrike Huber
Die Wirte und Gaststättenbetreiber haben eine Achterbahnfahrt hinter sich. Beinahe wöchentlich neue Coronabestimmungen. Und jetzt die totale Schliessung aller Gastrobetriebe mit wenigen Ausnahmen ab Dienstag bis mindestens zum 22. Januar 2021.

Was war das denn für ein mieses Jahr für alle Gastwirte? Corona und die daraus folgenden Regularien und Behinderungen haben komplett die Umsätze verhagelt. Eine Achterbahnfahrt durchs ganze Seuchenjahr. Denn nach dem ersten Lockdown im Frühjahr gab es ja vorsichtige Öffnungen und ein langsames Bergauf. Mit der teilweisen Maskenpflicht und den vorgeschriebenen Tischabständen und Personenbegrenzungen konnte man mit der Zeit leben lernen.

«Mäck» Podlessnig - statt in der Küche und im Restaurant draussen am Ausschank. Bild: Ulrike Huber

Dann kam die zweite Welle

Doch dann kam die zweite Welle. Und das zizerlweise Herunterfahren der Öffnungszeiten. Zuletzt mussten die Gastrobetriebe um 19.00 Uhr schliessen. Was bereits einige Restaurantbetreiber, wie etwa Pascal Zäch vom Kinotheaterrestaurant Madlen in Heerbrugg dazu bewog, gleich ganz dicht zu machen. Zäch begründet diesen Schritt: «Ich werde doch nicht für die zwei Stunden Zeit zwischen fünf und sieben Uhr Küche und Lokalbetrieb extra aufmachen. Unsere Gäste kommen später.»

Unter den Heizpilzen ist es auch bei niederen Temperaturen im Freien schön gemütlich. Bild: Ulrike Huber

«Eine fertige Katastrophe!» Der in der Szene bestens bekannte Geschäftsführer des «Casa Nero» in Marbach «Mäck» Podlessnig nennt das Kind beim Namen, «die Öffnungszeit bis 19.00 Uhr war doch nur eine Schnapsidee des Kantons, damit sie die Umsatzeinbussen bei einer Schliessung nicht vergüten müssen.» Nach seiner Meinung wäre ein Ende mit Schrecken besser gewesen, als dieser Schrecken ohne Ende. «Letztlich hätte ein echter, landesweiter, massiver Lockdown bereits im November und ohne Kantönligeist in jeder Hinsicht das bessere Ergebnis gezeigt.» Und vielleicht ein Weihnachtsgeschäft auch für die Gastronomie ermöglicht.

Bei einem Heissgetränk und einer Zigarette scheint Corona seinen Schrecken zu verlieren. Bild: Ulrike Huber

Als Marronibrater neu erfunden

Bei diesem Gespräch steht «Mäck» Podlessnig nicht etwa in den Räumlichkeiten des Casa Nero, sondern in einer «Marronibude» auf dem Parkplatz des Lokals. Denn seit der massiven Einschränkung der Restaurantöffnungszeiten hat er den Gastbetrieb des Lokals für eine kurze Phase neu erfunden. Die Räumlichkeiten selbst sind geschlossen. Er verwöhnte seine Gäste, die auf den mit Schaffellen garnierten Gartenmöbeln im Freien unter Heizstrahlern maximal jeweils zu Viert an den Tischen Platz und Plausch gefunden haben, mit Marroni, Kürbiscremesuppe, Zack-Zack und Würsten. Und natürlich mit Heissgetränken und Hopfenkaltschalen. Alles unter dem Motto «Dampf und Mampf bei Mäck». Aber am kommenden Dienstag ist auch diese Aktion Geschichte.

Besondere Situationen erfordern besondere Massnahmen: «Mäck» Podlessnig beim Marronibraten. Bild: Ulrike Huber

«Wie es dann weitergeht, weiss ich auch nicht», so der beliebte Casa Nero-Gastgeber, «unsere zwei Arbeitnehmer sind derzeit in Kurzarbeit. Ich bin überzeugt, dass viele Gastronomen ihre Reserven bereits erschöpft haben und viele Lokale nach diesem neuerlichen Quasi-Lockdown nicht mehr aufsperren können. Aber wir vom Casa Nero werden sicher wieder für unsere Gäste da sein.»

gmh/uh