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Der Fussball-Jahresrückblick: FC Rheineck

Kushtrim Hajrullahu spielte eine solide Vorrunde (Bilder: Archiv Ulrike Huber) Bild: Ulrike Huber
Eine harte Herbstsaison liegt hinter dem FC Rheineck. Die Stapfenwiser konnten nur in einem einzigen Match ihr eigentliches Können beweisen und zieren die Abstiegszone der 2. Liga Gruppe 1.

Die Überraschung des Jahres:

Was beim FC Rheineck überraschte, war schlicht und einfach die schlechte Gesamtperformance in der herbstlichen Hinrunde. Die «Unaufsteigbaren», die im Sommer 2019 nach fünfzig Jahren Drittligazugehörigkeit endlich und pünktlich zum Vereinsjubiläum ihren Spitznamen Lügen straften und den Aufstieg in die zweite Liga schafften, schlugen sich in den neun stattgefundenen Meisterschaftsspielen weit unter Wert.

Der inzwischen zurückgetretene Trainer Andi Giger schien die Spieler nicht mehr zu erreichen. Bild: Ulrike Huber

Mit einem gegenüber der Premierenhalbsaison nochmals verstärkten Kader wurde auf den Stapfenwis eingangs der Saison eigentlich ein stabiler Mittelfeldplatz angestrebt. «Die Jungs hatten sich schon letzten Herbst gut geschlagen und an das Niveau gewöhnt. Die Mischung aus altbekannten Kaderspielern, vielen Eigengewächsen, die wir an das Liganiveau heranführen wollen, und den erfahrenen und spielstarken Neuerwerbungen müsste eigentlich einschlagen“, gab sich Sportchef Michael „Zecke“ Hausmann im August noch vom sportlichen Erfolg überzeugt.

Und dies theoretisch zu Recht. Denn mit Lendim Ibrahimi, der von Au-Berneck zu seinem Stammklub zurückgekehrt war, Fatlum Aliu, ebenfalls von Au-Berneck, und Dalibor Vasic von Arbon, kamen im Sommer Ballkünstler auf die Stapfenwis, die sich in der 2. Liga einen guten Namen gemacht haben. Und schon im vergangenen Winter zum FCR gestossen, sind Kushtrim Hajrullahu, Ilir Ukaj und Torhüter Cedric Tscherne ebenfalls bekannte Grössen, die durchaus für einen Platz an der Sonne geeignet schienen.

Doch daraus wurde nichts. Von Anfang an dasselbe Bild. In den jeweils ersten Spielhälften kickten die Rheinecker prächtig mit. Doch mit dem ersten eingefangenen Gegentor gingen jeweils Nerven und Ordnung im Spiel verloren. Hängende Köpfe, Diskussionen mit Schiris und Gegenspielern: man fühlte sich als Zuschauer an längst vergangene Drittligazeiten erinnert.

Alessandro Chiarello war ein beständiger Wert in der Innenverteidigung. Bild: Ulrike Huber

Der negative Höhepunkt des Jahres:

Der Trainer und Meistermacher Andi Giger warf nach der 2:3 Heimniederlage gegen die Lokalrivalen von Au-Berneck das Handtuch. «Ich wollte damit auch die Spieler aufrütteln», begründete der anerkannte Fussballfachmann und Ausbildungstrainer nach diesem Match seinen Schritt. Seine Frustration war zu diesem Zeitpunkt verständlich: zwei Unentschieden und damit nur zwei Punkte aus sieben Spielen, letzter Tabellenplatz, und dazu noch die 1:3 Cupniederlage gegen den FC Diepoldsau-Schmitter. Für Gentleman Andi Giger war ganz einfach die Zeit reif, von seinem Posten als Cheftrainer eines Teams, das seine Anweisungen nicht in die Tat umsetzen wollte oder konnte, zurückzutreten.

Mit Sportchef Michael Hausmann als Coach konnten in den letzten zwei Spielen noch vier Punkte ergattert werden. Bild: Ulrike Huber

Was Positives passiert ist:

Wie sich die Stapfenwiser in den letzten beiden Meisterschaftsspielen nach dem Rücktritt von Andi Giger derappelt haben, war aller Ehren wert. Ein tolles 1:1 Auswärtsunentschieden bei den spielstarken Kickern aus Ruggell und das 2:1 im nervenzerfetzenden Tabellenkellerduell beim FC Altstätten zeigten, was in dieser Mannschaft steckt. Betreut wurde der FC Rheineck in diesen beiden Matches vom bisherigen Co-Trainer Klainti Tsalekou gemeinsam mit Sportchef Michael Hausmann. Das Ergebnis der Herbstrunde: Bei einem desaströsen Torverhältnis von 9:23, einem Sieg und drei Unentschieden, konnte man aus neun Spielen mickrige sechs Punkte sammeln und besetzt über die Winterpause den elften und damit vorletzten Rang.

Die Rheinecker stolperten durch den Herbstdurchgang, wie hier Jetmir Lakna. Bild: Ulrike Huber

Neuer Trainer schon gefunden

Das Amt des Cheftrainers wird nicht wie erwartet, der bisherige Co-Trainer Klainti Tsalekou übernehmen, der dem Vernehmen nach sein fussballerisches Glück künftig im Nachwuchsbereich bei St.Gallen suchen wird. Vielmehr rückt der bisherige Trainer der zweiten Mannschaft, Marcel Küng, zum Fanionteam auf. Küng ist in der Fussballszene beileibe kein Unbekannter. Hat er doch bereits in Herisau das Dritt- und Zweitligateam trainiert und war dort auch Sportchef. Als Co-Trainer von Herisaus Fussball-Legende Fabio de Souza, genannt „Fabinho“ hat sich Marcel Küng mehrere Jahre bewährt. «Der neue Trainer achtet sehr auf Disziplin und gute Kommunikation mit den Spielern und will mutigen, offensiven Fussball spielen lassen», so das Statement von Sportchef Michael Hausmann.

Der Ausblick auf 2021:

Den Informationen, die uns aus der Chefetage des Ostschweizer Fussballverbandes erreicht haben, ist zu entnehmen, dass die Meisterschaftssaison der verschiedenen Amateurligen für 20/21, die auch die im Herbst abgesagten Spielrunden mitumfasst, frühestens mit Anfang April beginnen wird. Für einen seriösen Ausblick ist es daher zu früh. Zu- und Abgänge sind derzeit noch nicht in Sicht. Chiarello, Bojaxhi & Co. haben noch alle Chancen auf den Ligaerhalt, liegen doch die Plätze neun und zehn nur drei bzw. einen Punkt entfernt. Und damit absolut in Reichweite.

gmh/uh