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St. Margrethen
09.12.2020
09.12.2020 12:05 Uhr

„Wer spinnt, gewinnt!“

Zum Start des Schulprojekts wurde ein Klavier auf dem Vordach der Schule Wiesenau abgestellt (Bilder: Ulrike Huber)
Zum Start des Schulprojekts wurde ein Klavier auf dem Vordach der Schule Wiesenau abgestellt (Bilder: Ulrike Huber) Bild: Ulrike Huber
Die Primarschule Wiesenau in St.Margrethen stellte ihr kulturelles Schulprojekt „Spinnerei zu St.Margrethen“ vor. Ein Projekt, das alle Schüler, Lehrer und die beteiligten Künstler zur kreativen Tätigkeit einlädt. Und am Dienstag mit einem Kick-off startete.

Was wohl Obelix, unser aller meistgeliebter Hinkelsteinträger, zu den derzeitigen Aktivitäten an der St.Margrethner Primarschule Wiesenau gesagt hätte? «Die spinnen, die Heldsberger!» Wobei ihm uneingeschränkt recht zu geben gewesen wäre. Denn mit ihrem neuen kulturellen Schulprojekt «Spinnerei zu St.Margrethen», das sich um das Dauermotiv «Verwandlung» drehen wird, wird das Spinnen an dieser Schule regelrecht zur Kunstform erhoben. Oder wie Schuldirektor Michel Bawidamann und der Musiker, Komponist und Pädagoge Roman Rutishauser in ihrer Medieninformation an Ort und Stelle ausführten: «Spinnen heisst, die Grenzen des Denkens zu überwinden» oder «Wer spinnt, hat Ideen.»

Schuldirektor Michel Bawidamann erläuterte das Projekt «Spinnerei zu St.Margrethen» Bild: Ulrike Huber

Ein Schifferklavier auf dem Schuldach

Die Schüler sind von dieser Idee begeistert. Wie sich schon deutlich beim «Kick-off» am Dienstagvormittag zeigte. Mit einem grossen Hebekran des St.Margrethner Unternehmens Gautschi wurde ein altes Schifferklavier über den Pausenplatz hinweg auf das Vordach des Eingangsbereichs gehoben. Und von Roman Rutishauser auch gleich bespielt.

Das extra für die «Spinnerei zu St.Margrethen» von Rutishauser komponierte Lied über das Spinnen wurde von den Schülern begeistert und aus voller Kehle mitgesungen. Denn der eingängige Text mit der sinnreichen Aufforderung «Spinn auch Du» und der Feststellung «Wer spinnt, gewinnt» erreicht offenbar spielend die Herzen der Primarschüler. Denn schliesslich werden sie ja auch die Hauptakteure dieses Kulturprojekts sein.

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Rollen von Schülern und Künstlern geklärt

Die «Spinnerei zu St.Margrethen» ist ein Projekt, das von Schulleitung, Lehrern und der Kulturbeauftragten Jessica Büchler gemeinsam mit der Kulturagentin Barbara Taccini und den teilnehmenden Künstlern konzipiert wurde. Im Rahmen des Kulturfahrplans der Schule Wiesenau und des Projekts «Kulturagent*innen für kreative Schulen». Wobei die Rolle von Schüler*innen und der beteiligten Künstler*innen von Michel Bawidamann erklärt wurde: «Die Schüler*innen sollen in die Ideenfindung und Konzeption der künstlerischen Projekte sowie in den Entwicklungsprozess des kulturellen Schulprofils einbezogen sein. Dafür sind Wege und Formate zu finden. Ein erster Schritt wird mit schulübergreifenden Workshops gemacht. Parallel dazu sollen die Schüler möglichst vielfältige künstlerischen Techniken erlernen und vertiefen können.»

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Die Künstler*innen sollen Inputs geben zur Gestaltung und Begleitung von offenen künstlerischen Such- und Findungsprozessen mit Kindern und Jugendlichen und/oder die Prozesse selbst anleiten. Dadurch ergeben sich neue Rollen für die Lehrpersonen. Wo, wann und wie mit Künstler*innen zusammengearbeitet wird, welche Qualitäten sie mitbringen sollten und welche Rollen Künstler*innen und Lehrpersonen in den Projekten haben, ist von Fall zu Fall abzuklären.

Musiker und Komponist Roman Rutishauser bespielte sofort das auf dem Dach gelandete Klavier. Bild: Ulrike Huber

Namhafte Kunstschaffende beteiligt

So wurden neben dem bereits erwähnten Roman Rutishauser folgende weitere Kunstschaffende für die Teilnahme am Projekt «Spinnerei zu St.Margrethen» gewonnen: der Schauspieler, Theater- und Filmpädagoge Tobias Stumpp, der schon im letzten Schuljahr mit den Schülern an der Wiesenau den „Figurentheaterfilm“ gestaltet hat; Alena Kundela, Tanzpädagogin, Tanzschaffende und Yogalehrerin; Miriam Sutter, Jazzsängerin und Gesangsleiterin; Reto Knaus, Tonmeister, Produzent und Soundtüftler; Barbara Tacchini, Regisseurin und Dramaturgin.

Passend zur derzeit aufgrund des Erweiterungsbaus der Schule Wiesenau bestehenden Baustelle wurde vor dem Schulhaus ein Container aufgestellt. Für alle gut sichtbar direkt beim Eingang. Bis zu den Sommerferien 2021 wird dieser Container, der als Basisstation für alle künstlerischen Aktivitäten dienen wird, an fünfzig Tagen die Schüler am Morgen mit einer Performance des jeweils anwesenden Künstlers empfangen. Wobei natürlich das Schifferklavier auf dem Vordach regelmässig zum Einsatz kommt.

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Frei wählbare Anzahl von Ateliertagen

Die insgesamt vierzehn Schul- und Kindergartenklassen melden sich für eine frei wählbare Zahl von Ateliertagen an. Die Kinder und Lehrpersonen werden von den im Container arbeitenden KünstlerInnen zu einer besonderen Zusammenarbeit eingeladen, welche innere und äussere, sicht- und hörbare Spuren hinterlässt. Mit Sounds, Film, Wort, Licht, Ton und Körper verwandeln die Schüler*innen  gemeinsam mit den Künstler*innen das Schulhaus und die Umgebung, nutzen dabei kreativ was ihnen begegnet, sei es Baustellenlärm oder Schulaufgaben. Manche Verwandlungen sind temporär, manche bleibend, immer aber sind sie offen, d.h. von den Kindern, die gerade nicht im Atelier sind, zu beobachten.

  • Bei Kulturagentin Barbara Tacchini laufen alle Fäden der Spinnerei St.Margrethen zusammen. Bild: Ulrike Huber
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  • Kurz und bündig: die Skizze von Roman Ruthishauser, die eigentlich alles erklärt. Bild: Ulrike Huber
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  • Roman Ruthishauser präsentierte seine bildliche Darstellung der Aktion. Bild: Ulrike Huber
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  • Die Kulturbeauftragte der Schule Wiesenau Jessica Büchler steckt massgeblich hinter diesem Projekt. Bild: Ulrike Huber
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  • An seiner Schule hat die Kultur einen hohen Stellenwert: Direktor Michel Bawidamann. Bild: Ulrike Huber
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So werden viele Ideen und Elemente für das künstlerische Konzept der Einweihungsfeier des Erweiterungsbaus und des umgebauten Schulhauses im September 2021 entstehen. Ideen und Elemente, welche den zweiten Teil des Projekts «Verwandlungen» bilden. Die Fäden dafür werden in Zusammenarbeit mit der Kulturagentin und Dramaturgin Barbara Tacchini fortwährend gesponnen und vernetzt.

Das Projekt «Verwandlungen» bietet für die Wiesenau ein ideales Experimentierfeld für partizipatives künstlerisches Arbeiten mit Schüler*innen, bei denen der Prozess im Vordergrund steht und die Kinder die Erfahrung machen, selbst künstlerisch tätig zu sein, indem sie experimentieren, sammeln und auswerten dürfen, dabei eigene Ideen umsetzen, Haltungen finden und daraus wiederum Schlüsse ziehen können für künstlerische Entscheidungen.

gmh/uh