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19.11.2020
19.11.2020 12:51 Uhr

Trassenentscheid verzögert Verkehrslösung

Lustenaus Bürgermeister Kurt Fischer: «Die Gemeinde will alle Fakten auf dem Tisch!» (Bild: zVg)
Die für Autobahnen und Schnellstrassen zuständige österreichisches Strassenbaugesellschaft ASFINAG hat sich für die sogenannte CP-Trasse der S18 entschieden. Und trifft auf massiven Widerstand der Gemeinde Lustenau.

«Jenseits von Salzburg beginnt der Balkan» und «was Gott durch einen Berg getrennt, soll der Mensch nicht durch einen Tunnel verbinden». Sprüche, die man immer wieder in Gesprächen mit Vorarlbergern hört. Die «Gsiberger» waren immer stolz darauf, dass im «subara Ländle» schneller, effektiver und einfach besser gearbeitet werde, als in Rest-Österreich.

Keine leistungsfähige Verbindung hingekriegt

Dennoch hat es die seit einigen Jahren von „schwarz“ auf „türkis“ umgefärbte und seit den Besatzungszeiten nach dem zweiten Weltkrieg durchregierende ÖVP nicht geschafft, eine leistungsfähige Verbindung der höherrangigen Strassennetze im Rheintal hinzukriegen. Während die Schweiz schon Mitte der Sechzigerjahre des vorigen Jahrhunderts den vereinbarten Anschluss an ihr Autobahnnetz in St.Margrethen herstellte, scheiterte man im Ländle ennet des Rheins an der Entscheidungsschwäche der sich sonst immer markig gebenden Politiker.

Und so diskutiert man schon seit sechs Jahrzehnten (!), wo denn die unleugbar notwendigen Verbindungen der Autobahnnetze Österreichs und der Schweiz entstehen sollen. Doch weder die verstopfte Betonstrasse in Hard und Höchst, noch das veritable tägliche Verkehrschaos in Lustenau, noch der kaum mehr zu ertragende Transitverkehr durch Diepoldsau und die totale Überlastung des Hohenemser Autobahnkreisels haben eine Beschleunigung in die Sache gebracht.

Viele Varianten der S18

Glückliche Zeiten für Strassenplaner. Denn die österreichischen Ingenieursbüros durften immer wieder an vielen Varianten der S18 herumzeichnen. Bis nur mehr zwei von diesen Fingerübungen überblieben. Die sogenannte Z-Variante, die wie früher schon einmal die wegen des Vorkommens von gefährdeten Pflanzen und Tieren im Ried zwischen dem Autobahnanschluss Dornbirn-Nord und dem geplanten Übertritt in die Schweiz in Höchst geführt werden sollte. Allerdings im Unterschied zu den alten Plänen in einer «Unterflur-Variante». Also durch einen Tunnel, der quer durch das Rheintal gebaut werden sollte. Das Land Vorarlberg hatte sich in einem Regierungsbeschluss vor neun Jahren für diese Z-Variante ausgesprochen.

Diese Variante ist jetzt Geschichte. Denn die Entscheidung der in Österreich für das Schnellstrassennetz zuständigen ASFINAG fiel auf die andere noch verbliebene Variante CP. Von der Autobahnabfahrt Dornbirn-Süd (Messepark) auf der zu erneuernden, aber bereits bestehenden vierspurigen Bundesstrasse beinahe bis zum bestehenden Kreisel bei der Ortseinfahrt von Lustenau und von dort am östlichen Siedlungsgebiet nach Norden bis zur ehemals geplanten S18 Trasse über den Neuen Rhein bis zur seit vielen Jahrzehnten bestehenden Anbindung an die Schweizer Autobahn bei St.Margrethen. «Im Zuge der Expertenuntersuchungen kristallisierte sich eindeutig heraus, dass die CP-Variante die geringsten Auswirkungen auf Natur, Ökologie und Schutzgebiete hat», hieß es in einer Aussendung der ASFINAG. Nur die CP-Variante habe die Chance auf rechtliche Genehmigungsfähigkeit.

Entscheidung nicht nachvollziehbar

Was aber in Lustenau auf veritablen Widerstand stösst. Für Lustenaus Bürgermeister Kurt Fischer (ÖVP) ist diese Festlegung weiter «nicht nachvollziehbar». Die Gemeinde will nun «alle Fakten auf den Tisch» bekommen.

Der Ärger in der Lustenauer Gemeindestube ist gross. Man werde die Entscheidung der Asfinag nicht einfach hinnehmen, sagte Bürgermeister Kurt Fischer nach einem Treffen aller Fraktionen der Gemeindevertretung, in dem das weitere Vorgehen beraten wurde. «Es gab in der Vergangenheit nicht die geringsten Anzeichen dafür, dass die Z-Variante nicht machbar ist», gibt sich der Bürgermeister empört. Man wolle Einblick in die Entscheidungsgrundlagen der ASFINAG erhalten, diese intern studieren und sich eine Meinung bilden. Bevor nicht klar sei, was die Ausschlussgründe für die Z-Variante seien, «werden wir uns mit CP gar nicht beschäftigen», stellte Fischer fest.

Was diese Vogel-Strauss-Haltung und der CP-Entscheid für das St.Galler Rheintal bedeuten? Der Bau der S18 liegt in weiterer Ferne als noch vor dem Entscheid der ASFINAG. Denn die Grundstücke, die für den Bau der CP-Trasse in Lustenau zunächst abgelöst werden müssten, sind kleinräumig gegliedert und auf viele Eigentümer verteilt. Und wer die «Luschnouer» kennt, weiss, dass es die Strassenbauer hier mit harten Verhandlungspartnern zu tun bekommen. Wer die österreichische Verwaltungs- und Gerichtspraxis kennt, weiss zudem, dass es noch weitere Jahrzehnte bis zum tatsächlichen Bau der neuen Trasse dauern wird.

gmh/uh