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Wolf reisst Ziege in Walzenhausen

Der Wolf folgt nur seiner Natur als Raubtier (Symbolbild: Shutterstock)
In der Nacht von Samstag auf Sonntag ist auf einer Weide in Walzenhausen eine Ziege von einem Raubtier gerissen worden. Die Jagdverwaltung von Appenzell Ausserrhoden geht von einem Wolfsriss aus.

Am späten Sonntagnachmittag, 15.November 2020, hat ein Tierhalter auf einer Weide in Walzenhausen eine tote Ziege gefunden. Der diensthabende Jagdaufseher sicherte nach Eingang der Meldung den Fundort. Der kantonale Wildhüter untersuchte heute Morgen die Situation vor Ort. Aufgrund der Art der Verletzungen muss davon ausgegangen werden, dass die Geiss von einem Wolf getötet worden ist. Die Jagdverwaltung schliesst nicht aus, dass es sich dabei um denselben Wolf handeln könnte, welcher Ende Oktober in Trogen ein Schaf gerissen hat. Zur Abklärung der genauen Umstände wurden DNA-Proben an den Bissspuren entnommen. Das Resultat der genetischen Analyse wird in einigen Wochen vorliegen.

Herdenschutzmassnahmen ergreifen

Da nicht ausgeschlossen werden kann, dass sich der Wolf weiterhin im Gebiet aufhält, haben das Amt für Landwirtschaft und die Jagdverwaltung die Besitzerinnen und Besitzer von Kleinvieh per SMS über den Vorfall informiert. Es wird empfohlen, beim Auslass von Schafen und Kleintieren Vorsicht walten zu lassen. Es sind unbedingt Herdenschutzmassnahmen zu ergreifen.

Seit dem erstmaligen Auftreten des Wolfes in der Neuzeit in Appenzell Ausserrhoden im Jahr 2014 ist dies erst das fünfte Mal, dass Nutztiere durch Wölfe im Kanton gerissen wurden. Der letzte Riss hat am 30. Oktober diesen Jahres in Trogen stattgefunden.

 

 

Ernährung und Jagdweise von Wölfen (Quelle: Wikipedia)

Der Wolf ist ein Nahrungsgeneralist, der vor allem Tiere von etwa Feldhasen bis zu Elch- und Bisongrösse erbeutet, aber auch Früchte, Aas und Haushaltsabfälle frisst. Grundnahrung des Wolfes bilden im größten Teil seines Verbreitungsgebietes mittelgroße bis große pflanzenfressende Säugetiere. Im Norden jagen Wölfe überwiegend im Rudel vor allem Elche, Rentiere und andere Hirscharten. In eurasischen Wäldern der gemäßigten Klimazone sind auch Wildschweine und in Gebirgen Wildschafe, Gemsen und Steinböcke eine häufige Beute. Kleinere Säuger wie Feldhasen, Wildkaninchen und andere. Mäuse werden ebenfalls erbeutet. 

Im Umfeld menschlicher Siedlungen schlagen Wölfe auch Hausschafe und Hausziegen und junge Rinder. An der Spitze einer Nahrungspyramide stehend ist der Wolf ein Spitzenprädator. Häufig fressen Wölfe auch Aas. Vor allem in südlichen Regionen Eurasiens fressen Wölfe Früchte wie Beeren, Kirschen, Äpfel, Birnen und Weintrauben. Wie Haushunde verschlucken Wölfe auch Gras, möglicherweise um den Verdauungstrakt von Haaren oder Parasiten zu reinigen; Gras könnte aber auch als Vitaminquelle dienen.

In Mitteleuropa sind Rehe, Hirsche und Wildschweine die Hauptbeutearten im Nahrungsspektrum. So wurden in der Slowakei Wildschweine in 45,5 Prozent aller Wolfsexkremente gefunden, zweitwesentlichste Beute war dort der Rothirsch (23,3 Prozent), danach folgten Rotfuchs (10,4 Prozent), Haushund (7,9 Prozent) und Reh 5,5 Prozent). 

Die Hauptnahrung der Lausitzer Wölfe im deutschen Bundesland Sachsen besteht aus wildlebenden Paarhufern 95 Prozent). Das Reh bildet den bedeutendsten Nahrungsbestandteil (53 Prozent), gefolgt von Rothirsch (21 Prozent) und Wildschwein (18 Prozent). Hasenartige (Feldhase und Wildkaninchen) machen einen Anteil von vier Prozent aus. Der Anteil von Haustieren (vor allem Schafe) und mittelgroßen Säugern, wie Nutria, Rotfuchs und Marder lag bei Untersuchungen in der Lausitz unter einem Prozent.

Auch die Tatsache, dass der neueste Wolfsriss in Appenzell-Ausserrhoden erst der fünfte in sechs Jahren ist, deutet darauf hin, dass sich der vermutlich derzeit durch den Halbkanton streifende Einzelgänger nach dem Motto «Gelegenheit macht Diebe» nur in grossen Ausnahmefällen an Haustieren vergreift, ansonsten aber sein Beute bei Wildbeständen sucht.

pd/gmh/uh