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Kanton
14.01.2026

KI als Kompass: Der Mensch bleibt Pilot

Gus Alcalá, Head of Educational Technology, und Oliver Beck, Leiter Oberstufe und Gymnasium, zeigen auf, wie die International School Rheintal in Buchs Künstliche Intelligenz im Schulunterricht einsetzt und verantwortungsvoll mit der neuen Technologie umgeht.
Gus Alcalá, Head of Educational Technology, und Oliver Beck, Leiter Oberstufe und Gymnasium, zeigen auf, wie die International School Rheintal in Buchs Künstliche Intelligenz im Schulunterricht einsetzt und verantwortungsvoll mit der neuen Technologie umgeht. Bild: Ralph Dietsche
Künstliche Intelligenz ist am Hightech Campus Buchs allgegenwärtig. An der International School Rheintal (ISR) wird die neue Technologie gezielt und verantwortungsvoll in den Schulalltag integriert. Die Verantwortlichen zeigen auf, wie KI eingesetzt wird, wo ihre Chancen liegen und welche Grenzen bewusst gezogen werden.

An der International School Rheintal (ISR) in Buchs werden 15 Jahrgänge unterrichtet – vom dreijährigen Kind bis zum 18-jährigen Teenager. Der Unterricht erfolgt auf Englisch nach dem International-Baccalaureate-Programm (IB).

Das Lernprofil der Schule geht dabei weit über ein Leitbild an der Wand hinaus: Es fördert Neugier, Reflexion und Unabhängigkeit. Der international anerkannte Abschluss eröffnet den Absolventen den Zugang zu Universitäten in der Schweiz und weltweit.

Vor diesem Hintergrund misst die ISR dem reflektierten Umgang mit neuen Technologien eine zentrale Bedeutung bei. Auch beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz bleibt die Schule ihren bewährten Werten treu.

«Der Mensch steht immer im Mittelpunkt. Auch im Umgang mit KI», sagt Oliver Beck, Leiter Oberstufe und Gymnasium. KI wird als Werkzeug verstanden: effizient und hilfreich, aber niemals als Ersatz für Verantwortung. Diese bleibe stets bei den Nutzenden. Beck veranschaulicht dies mit einem Bild: «KI ist ein Kompass, welcher die Richtung vorgeben kann. Kein GPS, welches den Weg und das Ziel vorgibt.»

Diese Haltung teilt auch der Vorstandsvorsitzende der ISR, Heiner Graf. Er zieht den Vergleich zum Taschenrechner. «Als vor Jahrzehnten der Taschenrechner eingeführt wurde, bestand die Angst, dass man das Kopfrechnen verlernt. In der Realität haben wir gelernt zu plausibilisieren.» Heute sei die Situation vergleichbar: KI liefere Vorschläge, doch der Mensch müsse prüfen, einordnen und entscheiden.

Für Sicherheit bezahlen, statt mit Daten handeln

Der Einsatz von KI im Unterricht erfolgt abgestuft. In den unteren Stufen steht das eigene Denken im Vordergrund. KI darf unterstützend wirken, etwa um Gedanken zu spiegeln oder Texte zu erklären.

In höheren Stufen kommt die Recherche hinzu. Dabei gilt stets: KI ersetzt kein kritisches Denken. «Das alleinige Übernehmen von Resultaten bringt keinen Lerneffekt», sagt Gus Alcalá, Head of Educational Technology. Der Umgang mit KI werde deshalb bewusst trainiert.

Ein zentraler Aspekt ist die Sensibilisierung für Nutzung und Sicherheit. Gerade der Datenschutz hat für die ISR einen hohen Stellenwert, auch aufgrund internationaler Standards. «Unser Gelände ist geschützt. Intern fällt dafür der Ausdruck ‹eingemauerter Garten›. Drinnen bewegen sich die Schüler frei», erklärt Heiner Graf. Die digitale Welt hingegen stelle das Tor nach aussen dar – mitsamt ihren Risiken.

Bei Programmen und insbesondere bei KI-Lösungen verzichtet die ISR bewusst auf kostenlose Angebote. «Bei diesen Produkten bezahlt man mit den eigenen Daten», sagt Gus Alcalá.

Ziel sei es, dass schulische Informationen im geschützten Rahmen bleiben – bildlich gesprochen innerhalb der vier Wände. Gleichzeitig bleibe die Schule neuen Technologien gegenüber offen. Entscheidend sei nicht das Werkzeug selbst, sondern dessen verantwortungsvolle Nutzung.

Transparenz als Regel

Auch für Lehrpersonen spielt KI eine unterstützende Rolle. Über Lernplattformen, Kurse und interne Weiterbildungen eignen sie sich laufend neues Wissen an. Ziel ist es, Entwicklungen frühzeitig zu erkennen, sinnvolle Anwendungen zu identifizieren und den Schülern einen kompetenten Umgang zu vermitteln.

Im Unterricht gilt das Prinzip der Transparenz. Schüler müssen offenlegen, wo und mit welchen Fragestellungen KI eingesetzt wurde. Gleiches gilt für die Lehrpersonen. 

Das sogenannte Prompten – also das präzise Formulieren von Anfragen – wird damit ebenso zur Kompetenz wie die korrekte Quellenangabe. Wer den Einsatz von KI nicht deklariert, wird rasch erkannt. «Gerade in einer kleinen Schule fällt auf, wenn der Stil eines Textes nicht zur Person passt», erklärt Oliver Beck. Die Nähe zwischen Lehrern und Lehrlingen wird so zur zusätzlichen Qualitätskontrolle.

Prüfungen ohne KI

Bei Prüfungen ist der Einsatz von KI ausgeschlossen. Tests finden ohne Internet und ohne digitale Hilfsmittel statt. Gleichzeitig gewinnt das Präsentieren von Ergebnissen zunehmend an Bedeutung. «Wer vorn steht und sein Thema präsentiert, muss zeigen, dass er oder sie es verstanden hat», sagt Oliver Beck.

Besonders hilfreich ist KI an der ISR bei Neueintritten von Schülern. In Buchs treffen viele Nationen aufeinander, nicht alle Kinder sprechen oder verstehen Deutsch oder Englisch. KI kann dabei helfen, Unterrichtsinhalte zu übersetzen und den Einstieg in den Schulalltag zu erleichtern. So können neu zugezogene Schüler schneller mitlernen, bis sie sprachlich angekommen sind.

«KI kann Tempo bringen, aber keine Tiefe», fasst Oliver Beck zusammen. «Tiefe entsteht erst, wenn Menschen sich Zeit nehmen, Fragen auszuhalten und Schlüsse zu ziehen.» Genau dies will die International School Rheintal fördern – mit klaren Regeln, mit Schutzmechanismen, mit gezielt eingesetzten Werkzeugen und mit einem Kompass, der Orientierung gibt.

pd/ako
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