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Region Rheintal
14.01.2026
13.01.2026 21:36 Uhr

Das Rheintal zwischen Trump, Putin und Co.

Florence Gaub, Zukunftsforscherin und Forschungsdirektorin des NATO-Verteidigungskollegs in Rom, Moderator Ralph Dietsche, Ruedi Mattle, Altstätter Stadtpräsident und Präsident Verein St.Galler Rheintal
Florence Gaub, Zukunftsforscherin und Forschungsdirektorin des NATO-Verteidigungskollegs in Rom, Moderator Ralph Dietsche, Ruedi Mattle, Altstätter Stadtpräsident und Präsident Verein St.Galler Rheintal Bild: Fabian Alexander Meyer
Globale Krisen prägen den Start ins Jahr 2026 – und standen im Zentrum des Rheintal Dialogs Politik und Wirtschaft: Wie geht man in diesen unsicheren Zeiten am besten vor?

Das Jahr 2026 startete turbulent. Trump nahm Maduro gefangen, spielt offen mit Machtfantasien gegenüber Grönland und macht immer wieder durch Säbelrasseln und mehr oder weniger offene Drohungen auf sich aufmerksam.

Mittendrin statt nur dabei: Das Rheintal, die Schweiz und Europa. Wie geht man mit einer solch globalen Unsicherheit um? Was hält die Zukunft bereit und wie verliert man trotzdem nicht den Optimismus? Diese und weitere Fragen wurden am Rheintal Dialog Politik und Wirtschaft am 13. Januar im Forum Widnau geklärt.

Zukunft beginnt im Kopf

Der Star des Abends war Florence Gaub, Zukunftsforscherin und Forschungsdirektorin des NATO-Verteidigungskollegs in Rom. «Ein Zitat besagt: Future is not what’s ahead. It’s in your head.» Momentan wird es schwer, die Gedanken um die eigene Zukunft aus dem Kopf zu bringen, «denn wir sind US-Präsident Donald Trump ausgeliefert. Wir sind vielen Mächten ausgeliefert.»

Besonders deutlich sei die Aggressivität von Trump und die Tatsache, dass er aufrüste. «Für Trump kommt das Feindbild allerdings nicht von Russland, sondern von China. Russland ist aus Sicht von Trump eine Regionalmacht.»

Davon abgesehen, dass die Bezeichnung «Regionalmacht» dem Kreml-Chef sicher nicht geschmeckt hat, wird laut der Expertin klar: Russland rüstet in der Arktis auf. Und auch China wirft einen Blick auf die Polarregion, «denn durch das Schmelzen der Polarkappen wird eine neue Route freigelegt, welche den Handel mit dem Westen erleichtert.» Und jetzt spielt Trump offen mit der Vorstellung, Grönland einzunehmen. Die drei Weltmächte, Tür an Tür in der Arktis.

  • Florence Gaub Bild: Fabian Alexander Meyer
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  • AGV-Präsident Klaus Brammertz Bild: Fabian Alexander Meyer
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Es braucht Resilienz

Die brennende Frage im Raum: Sind wir im Krieg? Oder steht dieser kurz bevor? Das weiss man nicht. Allerdings gibt Gaub zumindest ein paar Zeichen für Optimismus: «Wir können mit Krisen leben und aus Krisen ergeben sich Chancen. So wie wir auch die Corona-Krise überstanden haben. Es braucht Resilienz.» 

Und wie kriegt man diese Resilienz? «Tun Sie das, was Sie können. Legen Sie Vorräte an und limitieren Sie die Aufnahme von Informationen. Statt die Tagespresse zu unterstützen, sollten Sie sich auf eine oder zwei seriöse Zeitungen verlassen. Denn in der heutigen Zeit erfahren Sie innert eines Tages mehr als ein Bauer im Mittelalter in seinem ganzen Leben.»

Das Rheintal als Mikrokosmos

Laut der Expertin sind Kriege in der heutigen Zeit weniger mortal, es werden also weniger Menschenleben gefordert. Und selbst wenn es zu einem offenen Krieg kommen sollte, ist die Wahrscheinlichkeit, dass russische Panzer vor dem Diepoldsauer Gemeindehaus stehen, eher gering. «Wenn, dann trifft es die Infrastruktur.»

Hinzu kommt, dass das Rheintal angeblich ein «Mikrokosmos» ist. «Hier funktioniert alles so gut, auch über die Grenzen hinweg.» Dies auch dank einer hervorragenden Wirtschaft. Damit einher geht natürlich auch die Angst um die oben erwähnte Infrastruktur. «Als Unternehmer lohnt es sich, Verwundbarkeiten und Chancen zu ermitteln und entsprechende Massnahmen zu ergreifen.»

Und was macht man, wenn all die Sorgen, Ängste und Gedanken Überhand nehmen? «Suchen Sie jemanden zum Reden. Ältere Personen haben meist weniger Zukunftsängste – nicht weil sie weniger Zukunft haben, sondern aufgrund ihrer Lebenserfahrung.» Und der beste Tipp: «Bringen Sie den Müll raus.» Auch dann kommt man auf andere Gedanken.

Fabian Alexander Meyer
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