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Kanton
02.01.2026

Sparpolitik startet im Januar

Die vom St.Galler Kantonsrat beschlossenen Massnahmen des Entlastungspakets werde nun umgesetzt
Die vom St.Galler Kantonsrat beschlossenen Massnahmen des Entlastungspakets werde nun umgesetzt Bild: KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER
Der St.Galler Kantonsrat hat im Dezember 2025 ein umfangreiches Entlastungspaket beschlossen. Ab Januar 2026 werden die ersten Massnahmen umgesetzt. Wer ist betroffen, wer muss mehr zahlen, wer auf Leistungen verzichten?

87 Vorschläge für Einsparungen oder Mehreinnahmen hatte die St.Galler Regierung ausgearbeitet. Rund 20 davon wurden auf Antrag der Finanzkommission gestrichen oder abgeändert. Übrig blieb ein Entlastungspaket, das praktisch keine Massnahmen enthält, die sich auf die gesamte Bevölkerung auswirken.

Davon gibt es vor allem eine Ausnahme: Mit einer Änderung im Steuergesetz wird bei der Steuererklärung der Selbstbehalt für die Krankheits- und Unfallkosten erhöht. Es kann künftig also weniger abgezogen werden. Dies gilt allerdings erst ab 2027.

Auswirkungen hat das Paket hingegen für sehr unterschiedliche Gruppen innerhalb der Bevölkerung: Familien mit Kindern in Ausbildung, Kulturschaffende, Lehrkräfte oder Angestellte der Kantonsverwaltung.

Teilweise kommt es auch darauf an, wo man wohnt. So gibt es eine Massnahme, die ausschliesslich die Einwohner des Linthgebiets betrifft: Der Kanton streicht in dieser Region eine geplante Aussenstelle, bei der die Bevölkerung ab Ende 2026 die neuen biometrischen Identitätskarten hätte beziehen können. Die Regierung fasste die Folgen so zusammen: «Längere Anfahrtswege für die Kunden».

Haben Sie Kinder, die eine Mittelschule besuchen, müssen Sie ab August 2026 mit höheren Aufwendungen rechnen.

Betroffen sind die Anmeldegebühr, die Abschlussprüfungsgebühr sowie die jährliche Dienstleistungsgebühr. Alle drei Tarife steigen von bisher jeweils 200 auf neu 300 Franken. Der Spareffekt für 2026 beträgt 650'000 Franken und wird letztlich von den Eltern der Schüler getragen.

Teurer wird es auch für Berufsschüler: Der Kanton führt eine neue einheitliche Gebühr für administrative Dienstleistungen und Schulmaterial von jährlich 120 Franken ein. Sie ersetzt die bisherigen Abgeltungen, etwa für Fotokopien oder Schulmaterial. Dies bringt ab 2026 zusätzliche Einnahmen, die ab 2027 auf rund 1 Million Franken pro Jahr steigen.

Universität und Fachhochschule erhalten weniger Geld vom Kanton.

Die Universität St.Gallen trifft es 2026 mit fünf Millionen Franken weniger. Wie wirkt sich dies auf die Studierenden aus? Unabhängig vom Entlastungspaket wurde wegen der Teuerung bereits eine Erhöhung der Semestergebühren ab Sommer 2026 beschlossen. Neu immatrikulierte Bachelor-Studenten zahlen statt wie bisher 1229 Franken neu 1310.50 Franken.

Die Regierung erwartet, dass wegen der Kürzung der Mittel die Studiengebühren der Universität ab 2027 nochmals steigen könnten. Sie geht zudem von einer Beschränkung der Studierendenzahl auf 9500 Studenten aus. Allerdings ist die Universität selbst für die Umsetzung verantwortlich. Dort heisst es, für konkrete Auskünfte sei es noch zu früh.

Zu erwarten ist, dass ein Studium insgesamt teurer wird und die Prüfungshürden wegen der Plafonierung der Studierendenzahlen steigen. Im Rat wurde «die Tendenz zur Exklusivität» kritisiert, die dem öffentlichen Bildungsauftrag diametral entgegenstehe.

Eine weitere Gruppe, die von den Sparmassnahmen betroffen ist, sind die rund 5100 Mitarbeiter der kantonalen Verwaltung.

Sie erhalten künftig unabhängig von der Wirtschaftsentwicklung keinen Teuerungsausgleich mehr. Zudem wird die Geburtszulage gestrichen und die Förderung von Weiterbildungen reduziert. Lehrkräfte an Mittelschulen oder Berufsfachschulen erhalten künftig beim Lohn keinen automatischen Stufenanstieg mehr.

Gehören Sie in diesem Kanton zu den Kulturschaffenden oder organisieren Sie Veranstaltungen mit Künstlern, wird es schwieriger, Unterstützung zu erhalten. So wurde etwa der Betrag halbiert, mit dem der Kanton kleine Projekte unterstützt.

Im Lotteriefonds, aus dem unter anderem das Jazzfestival Sargans, das Openair der Bürgermusik Mörschwil oder die neueste Produktion des Chössi Theaters Lichtensteig unterstützt werden, stehen künftig weniger freie Mittel zur Verfügung. Der Grund: Verschiedene Ausgaben werden dorthin verlagert. So sollen künftig 350'000 Franken für Konzert und Theater St.Gallen aus dem Lotteriefonds entnommen werden und nicht mehr aus der Staatskasse.

Die Situation dürfte sich weiter verschärfen.

Die drei Fraktionen FDP, Mitte-EVP und SVP verlangen in einer Motion, dass der Anteil der Beiträge für Kultur, Soziales und Entwicklungszusammenarbeit aus dem Lotteriefonds auf maximal 40 Prozent begrenzt wird. Damit könnten künftig noch weniger Gesuche aus der Kulturszene bewilligt werden.

Die Massnahmen des Entlastungspakets wirken sich auf zahlreiche weitere Bereiche aus, etwa auf Umschulungen in Pflegeberufe oder auf die Mahnspesen des Strassenverkehrsamts. Viele Auswirkungen lassen sich derzeit noch nicht konkret beziffern, da die betroffenen Institutionen noch in der Planungsphase sind.

Die Debatte in der Wintersession zeigte jedoch auch, dass nicht überall gespart werden muss.

Ein Beispiel: Reisen Kantonsräte für die Sessionen mit dem Auto nach St.Gallen, werden ihre Parkgebühren vom Kanton übernommen.

Die Streichung dieses Betrags war der einzige Sparvorschlag der SP-Grüne-GLP-Fraktion. Er wurde mit 73 gegen 32 Stimmen abgelehnt.

Keystone-SDA
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