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Fussball Regional
03.09.2020
03.09.2020 12:48 Uhr

«Wir müssen uns steigern»

Besart Shoshi ist heute Trainer des FC St.Margrethen
Besart Shoshi ist heute Trainer des FC St.Margrethen Bild: PD
Besart Shoshi ist die Identifikationsfigur beim FC St.Margrethen. Nach über 15 Jahren als Spieler agiert er seit dieser Saison als (Spieler-)Trainer und hat auch in seiner neuen Funktion hohe Erwartungen an die Mannschaft und an sich selber. rheintal24 hat mit ihm über den über den Saisonstart gesprochen.

Der FC St.Margrethen ist mit einem Punkt aus den ersten beiden Saisonspielen gestartet. Du warst als Spieler sehr ehrgeizig und bist es auch als Trainer. Wie gross ist Deine Unzufriedenheit?
Ganz ehrlich: Ich habe mit sechs Punkten kalkuliert. Nun haben wir einen Punkt. Das ist die Realität. Natürlich stelle ich eine gewisse Enttäuschung fest, aber wir wissen um die Schnelllebigkeit im Business. Schon nächsten Samstag können wir einiges korrigieren. Eines aber ist klar: Wir müssen uns steigern.

Die Fussballexperten im Rheintal stufen den FC St.Margrethen hoch ein. Gegen den FC Ruggell spielte man eine gute erste Halbzeit. Danach brach das Team ein. Der Auftritt gegen ein angeschlagenes Au-Berneck war äusserst bescheiden. Woran liegts?
Die Qualität im Kader ist vorhanden, noch fehlt die Homogenität. Gegen Ruggell müssen wir uns besser belohnen und zur Halbzeit mit mindestens mit zwei Toren in Führung liegen. Auch gegen Au-Berneck sollten wir eigentlich zur Pause vorne sein, obwohl unser Spiel insgesamt nicht überzeugend war. Wenn ich mir dann aber den Verlauf der zweiten Halbzeit anschaue, müssen wir mit dem Punkt zufrieden sein. Solche Spiele haben wir in der Vergangenheit auch schon verloren.

Während die Defensive einigermassen stabil steht, wirkt die Offensive ziemlich konzeptlos. Die Automatismen stimmen (noch) überhaupt nicht, die Spieler wirken teilweise wie individuelle Zirkus-Artisten ohne Bindung zum Nebenmann. Jetzt ist natürlich auch der Trainer gefragt. Braucht es einfach noch etwas Zeit, die man im Fussball bekanntlich nicht hat?
Nach den Vorbereitungsspielen dachte ich, dass sich bereits eine gewisse Basisstruktur etabliert hätte. Nach den ersten beiden Ernstkämpfen stelle ich aber fest, dass wir noch schleifen, feilen und verbinden müssen. Wie bei einem Puzzle müssen wir die zweifelsohne erfolgsversprechenden Einzelteile zusammen führen. Qualität ist vorhanden, aber nur eine gewisse Homogenität wird Erfolg bringen.

Besart Shoshi, hier noch als FC-St.Margrethen-Spieler Bild: PD

Kommenden Samstag empfängt Ihr den FC Altstätten. Wie schätzt Du die Städtli-Elf ein?
Der FC Altstätten bestreitet bei uns das erste Meisterschaftsspiel in der neuen Saison. Eine Prognose scheint mir deshalb schwierig. Offensiv sind sie mit Hujdur eigentlich immer gefährlich. Aber ganz ehrlich, wir sollten uns auf uns konzentrieren. Wenn wir das Potenzial abrufen, sind wir schwer zu schlagen.

Was braucht es am Samstag, damit die drei Punkte auf der Rheinau bleiben?
Ganz einfach: Eine geschlossene Mannschaftsleistung mit gradlinigem und einfachem Fussball, dazu hohes Engagement und Solidarität untereinander.

Die Auswirkungen der Corona-Krise sind in allen Lebensbereichen spürbar – auch im Regionalfussball. Die Vereine können den Spielern aufgrund der Mindereinnahmen keine Spesen mehr vergüten. Der FC St.Margrethen hat in den Medien mehrfach betont, keinen Spieler mehr zu bezahlen. Hat diese neue Konstellation Auswirkungen auf Deine Arbeit und den Umgang mit der Mannschaft?
Schwierige Frage! Ich bin extrem zufrieden mit dem Trainingsbesuch. Seit dem Ende der Ferienzeit waren durchschnittlich 18 Spieler in jedem Training. Früher war der Trainingsbesuch oftmals schlechter, obwohl die Spesen teilweise an die Trainingspräsenz geknüpft waren. Auf der anderen Seite könnte allenfalls im Spiel vielleicht mal das letzte Quäntchen fehlen, wenn der finanzielle Anreiz ausbleibt. Ich will hier ganz sicher niemandem etwas unterstellen, aber das Unterbewusstsein spielt ja bekanntlich mit. Geld ist und bleibt nun mal eine Energiequelle, auch im Fussball. Mal schauen, wie sich diese Thematik weiterentwickelt, vor allem nach Corona.

Die Sportanlage Rheinau in St.Margrethen

Der FC St.Margrethen und seine Infrastruktur

Zugegeben, schon die Lage der Sportanlage Rheinau, eingepfercht sind zwischen Autobahn und Bahnlinie, ist speziell und schweizweit wahrscheinlich einzigartig. Das stetige Grundrauschen der Autobahn und die regelmässig vorbeidonnernden Züge der SBB haben zwar nicht den Charme der Wengeneralp-Bahn während des Lauberhornrennens, aber man hat sich daran gewöhnt und lebt damit.

Besitzer der Anlage ist die Politische Gemeinde St.Margrethen, der FC St.Margrethen ist Hauptnutzer. Vor drei Jahren wurde in das Clubheim investiert. Der Aufenthaltsraum wurde vergrössert, die Küche neu erstellt und sogar geschlechtsspezifische Toiletten installiert. Klar, man braucht immer noch einen Feldstecher, um vom Clubhaus aus ein Spiel zu verfolgen – und das Clubheim mit seiner Inneneinrichtung hat ungefähr den Lifestyle eines Zivilstandsamtes aus den 1970er Jahren. Nichtsdestotrotz hat hier sicherlich eine Verbesserung stattgefunden.

Vor rund zwei Wochen durfte der FC St.Margrethen erneut ein Vorbereitungsspiel des FC St.Gallen austragen. Gerade in Corona-Zeiten eine ziemliche Herausforderung! Die Verantwortlichen meisterten diese Challenge aber mit Bravour. Der Anlass war top-organisiert und eine gesellschaftliche Bereicherung, gerade in diesen nicht einfachen Zeiten und in einem Dorf, das zwar unter umsichtiger Regie von Gemeindepräsident Reto Friedauer mit Ansiedlungen und Neuinvestitionen in letzter Zeit glänzen konnte, aber nicht unbedingt als gesellschaftlicher Event-Hotspot im Rheintal gilt.

Wenn ein Profiverein auf dem Land kickt, werden sofort die Qualität des Rasens, der Rasenschnitt und die Bewässerung zu wichtigen Themen. Der FC St.Margrethen hat die Verantwortlichen bei der Politischen Gemeinde im Vorfeld über diese Problematik informiert. Am Spieltag mussten die Organisatoren feststellen, dass der Rasenschnitt in keiner Weise den Vorgaben entsprach. Mehr noch, drei Bahnen in der Längsachse wurden schlicht vergessen und gar nicht gemäht. Der Platzwart des Vereins sprang am Spieltag ein und merzte die Scharte mit seinem privaten Rasenmäher aus.

Auch eine Bewässerung hat nicht stattgefunden. Der Vereinsplatzwart organisierte mehrere private Gartenschläuche und stand am Spieltag stundenlang bei Bruthitze auf dem Platz und versuchte, den Schaden einigermassen im Rahmen zu halten. Trotz fussballloser Zeit während der Lockdownphase befindet sich der über 30 Jahre alte Platz in einem äusserst schlechten Zustand. Der FC St.Margrethen hat diesen Event mit über 900 Zuschauern unter speziellen Vorzeichen und innert zwei Wochen auf die Beine gestellt. Es wäre sicher wünschenswert, dass die vom Steuerzahler finanzierte Infrastruktur so zur Verfügung gestellt wird, wie es der ortsansässige Verein verdient, zudem auch noch der Schweizer Vizemeister seine Aufwartung im Dorf machte.

Im ganzen Rheintal gibt es keine Sportanlage ohne Anzeigetafel – ausser auf der Rheinau in St.Margrethen. Der Verein wollte das im Frühjahr 2018 ändern und schaffte sich eine Anzeigetafel an. Nun fragen Sie sich wahrscheinlich, wo diese Anzeigetafel steht? Sie liegt im Materialraum des Vereins und wartet sehnsüchtig darauf, endlich in Betrieb genommen zu werden. Die Montage der Anzeigetafel mit Rahmen sind Infrastrukturarbeiten, die von der Gemeinde realisiert werden. Die Umsetzung wurde immer mit teils fadenscheinigen Argumenten verzögert. Bis heute wissen die Vereinsverantwortlichen des Vereins nicht, wann die Anzeigetafel montiert wird …

Unterstützung für den örtlichen Fussballverein, der in einem äusserst anspruchsvollen Umfeld konkrete Integrationsarbeit leistet, sieht definitiv anders aus.

Hausi Ribel
(der Rheintaler Fussballexperte wird in Zukunft für rheintal24 Themen rund um den Fussball im Rheintal kommentieren)

nas./rheintal24
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