Das Interesse war enorm. Über Einladung der Bäuerlichen Vereinigung Unteres Rheintal und ihres Präsidenten Christian Eugster kamen etwa 100 interessierte Landwirte, um sich den neuen und nach jüngsten Erkenntnissen um das Tierwohl erbauten Kuhstall anzuschauen. Darunter auch der Nationalratskandidat und Präsident des St.Galler Bauernverbandes Peter Nüesch, der frühere Kantonsrat Stephan Britschgi und «Kuhflüsterer» Christian Manser.
Chillige Musik für chillige Kühe
52 Stück im neuen Stall
Bruno und Ramona Sonderegger stellten ihren Kuhstall vor. Sie halten derzeit etwa sechzig Kühe, wovon 52 Stück im neuen Stall untergebracht sind. Die Familie ist seit 2010 Pächterin von Flächen der Ortsgemeinde St.Margrethen und konnte 2018 den bäuerlichen Betrieb an der Adresse Vorburg 42 käuflich erwerben, wo jetzt der neue Stall errichtet wurden. Was ein anspruchsvolles Projekt war.
Denn aufgrund der Hanglage und den notwendigen Abstandsflächen stand nur eine Stallbreite von 18 Metern anstatt der für eine optimale Stallplanung notwendigen 23 Metern zur Verfügung. Der Neubau wurde 2022 realisiert. Von der Idee bis zur Realisierung vergingen sieben Jahre. Dazwischen wurde noch das bäuerliche Anwesen selbst umgebaut und der Tierbestand und der Maschinenpark der Eltern übernommen.
Noch vor Weihnachten das Dach erstellt
«Im Oktober haben wir mit dem Bau angefangen und noch vor Weihnachten das Dach erstellt», berichtete Bruno Sonderegger. Dazu kam die notwendige Infrastruktur, wie ein Hochsilo und ein 1´500 m3 grosser Gülletank. Wie Putzroboter, Futterband und Melkroboter.
Musik, die durch den Kuhstall plätschert
Auch das Futterförderband und die Schieberoboter wurden von den Rindviechern sofort akzeptiert. Wie auch die chillige Musik, die von morgens bis abends durch den Kuhstall plätschert. «Die Tiere sind dadurch wesentlich ruhiger und lassen sich viel weniger von Wanderern oder Schulkindern ablenken, die direkt am Stall vorbeikommen.»
Den Kühen gefällts. Noch selten hat man so ein entspannt chillendes Kuhvolk gesehen, das dem Putzroboter unbeeindruckt bei der Arbeit zusieht. Die Kühe gehen etwa dreimal täglich zum vollautomatischen Melkroboter, stehen dort geduldig hintereinander an, um ihr Produkt los zu werden. «Manche der Tiere wollen sogar öfter gemolken werden», so Bruno Sonderegger, «Aber wenn sie mehr als dreimal täglich kommen, erkennt dies der Melkroboter und das Tor geht gleich wieder auf.»
Ein Stall, der von drei Seiten komplett offen ist. Ob den Kühen dann im Winter nicht viel zu kalt ist? Diese Bedenken zerstreute der «Kuhflüsterer» und Mitarbeiter im bäuerlichen Zentrum in Flawil Christian Manser, der einen Kurzvortrag zum Thema «Optimierung von Kuhställen» hielt. «Ein gesunde Kuh friert erst ab minus 25 Grad. Die Hitze macht die Kühe krank, nicht die Kälte.» Freilich müssen die neuralgischen Punkte, wie Melkroboter, Frischwasser und Mistabtransport frostsicher gestaltet werden.
In Sachen optimierter Stallbauten
Allgemein ist Christian Manser seit vielen Jahren in Sachen optimierter Stallbauten unterwegs. «Aber es hat noch keinen optimalen Stall gegeben. Besser ist es aber allemal, Stallbauten nicht zu kopieren, sondern jedes Mal besser zu gestalten.» So sagte Manser auch gleich zu, als er von den Sondereggers um Mitarbeit bei der Stallplanung gebeten wurde. «Die beiden Hauptfragen, die man sich bei Kuhställen vorab stellen muss, sind: Wird sich die schwächste Kuh der Herde auch wohlfühlen? Und würde man selbst in diesem neuen Stall gerne arbeiten?»
Denn allzu oft würden die Arbeitsabläufe zu kompliziert gestaltet. «Dieser neue Stall hier ist ein spezieller Fall. Denn eigentlich gab es mit einer Breite von nur 18 Metern zu wenig Platz. Daher haben wir bei der Breite des Futtertisches durch die Installation eines Futterbandes und durch die Integration des Stehhofs in den Laufhof eingespart.»
Kurze Abläufe und Sauberkeit
Bei der anschliessenden Stallbesichtigung staunten die Interessierten über die kurzen Abläufe und die Sauberkeit des Stalles. Bruno Sonderegger: «Die Umstellung der Stallarbeit war gleich erfolgt. Man gewöhnt sich bald daran, dass man nicht mehr einen festen Arbeitsablauf mit Ausmisten und Melken hat, sondern ganztägig vom Computer gerufen wird, wenn in den Ablauf eingegriffen werden muss. Und die Kühe haben sich auch gleich in die neuen Abläufe eingefunden und fühlen sich pudelwohl.»
Video: Ulrike Huber
Bei der anschliessenden Abendvesper mit Bratwürsten und Getränken überbrachte der Widnauer Nationalratskandidat Peter Nüesch als Präsident die Grüsse des St.Galler Bauernverbandes und lobte die Innovationskraft der Landwirtschaft und berichtete über aktuelle Themen. So haben die drei kantonalen Bauernverbände St.Gallen und beider Appenzell eine verstärkte Zusammenarbeit beschlossen.
Wolfsrudel und Maiswurzelbohrer
Der St.Galler Bauernverband habe den Abschuss des Wolfsrudels im Calfeisengebiet eingereicht sowie die Aufhebung der Fruchtfolgeauflagen wegen des Maiswurzelbohrers als übertrieben und nicht zielorientiert gefordert. Zuletzt startete Peter Nüesch einen Aufruf, an den kommenden Wahlen teilzunehmen, um die landwirtschaftlichen Kandidatinnen und Kandidaten zu stärken. «Wir haben gesehen, welche massive Auswirkungen die letzte Legislatur auf die Landwirtschaft hatte.»