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Berneck
11.03.2023
11.03.2023 14:53 Uhr

Kaffee, Kantate und ein Schlendrian

Drei grossartige Stimmen: vl. Clemens Morgenthaler (Schlendrian), Jonas Christian Bruder (Kellner und Rezitator), Anna Gschwend (Liesgen)
Drei grossartige Stimmen: vl. Clemens Morgenthaler (Schlendrian), Jonas Christian Bruder (Kellner und Rezitator), Anna Gschwend (Liesgen) Bild: Ulrike Huber
Ein Leckerbissen ganz besonderer Art erwartete die Klassik-Liebhaber am Freitagabend im Saal des Gasthof Ochsen in Berneck. Das Kulturforum präsentierte mit der Kaffee-Kantate von Johann Sebastian Bach eine szenische Mini-Oper. Mit grossem Erfolg.

«Schweigt stille, plaudert nicht» – ein Satz, den wohl jeder gestresste Ehegatte ab und zu zu seiner Holden sagen wollte, es aber dem Familienfrieden zuliebe nicht tat. Gleichzeitig ist dieser Spruch der Titel der 1734 nach einem Libretto von Christian Friedrich Henrici alias Picander von Johann Sebastian Bach komponierten Kaffeekantate.

Mode-Getränk «Coffee»

Diese Kaffeekantate wurde von Bach mit seinem «Collegia musica» im Leipziger Haus «Zum arabischen Coffee-Baum», das mit dem Mode-Getränk «Coffee» zum beliebten musikalischen und gesellschaftlichen Treffpunkt von Leipzig geworden war, gespielt. Keine Frage also, dass auch die vom Kulturforum Berneck organisierte Aufführung in Kaffeehaus-Atmosphäre stattfinden sollte.

Beda Germann initiierte die Aufführung der Kaffeekantate und übernahm auch gleich die Regie Bild: Ulrike Huber

Beda Germann, Präsident des Kulturforums: «Ich liebe Bach und wollte die brillante Kaffeekantate immer schon einmal aufführen. Doch mir war klar, für eine stimmige Aufführung braucht es eine Kaffeehausatmosphäre. Und Kaffeehäuser, die gross genug für diese szenische Minioper sind, gibt es im Rheintal nicht. Da wurde die Idee mit dem Ochsen-Saal geboren. Und mit Unterstützung des Hausherren Peter Kast auch umgesetzt.»

  • Gemeindepräsident Bruno Seelos war auch unter den vielen gekommenen Klassikfans Bild: Ulrike Huber
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  • Im Ochsen-Saal herrschte tatsächlich gemütliche Kaffeehausatmosphäre Bild: Ulrike Huber
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Vornehmes Kaffeehausgewand

Und tatsächlich, der Ochsen-Saal präsentierte sich an diesem Abend im vornehmen Kaffeehausgewand. Die Gäste sassen an sieben grossen Tischen mit je zehn Sitzplätzen. Und wurden nach der Aufführung sogar noch mit Kaffee und Kuchen verwöhnt. Zuvor verwöhnte die vom bekannten Leiter des Oratorienchors Rheintalische Singgemeinschaft Karl Hardegger zusammengestellte Kammermusik die Zuhörer mit barocken Klängen.

Video: Ulrike Huber

Ein Kammermusikprogramm mit Gustostücken von Antonio Vivaldi, Johann Sebastian Bach und Georg Philipp Telemann läutete den musikalischen Vortrag ein. Das Ensemble «La Partita» mit Raikan und Andreas Eisenhut (Violine), Maximilian Eisenhut (Viola), Mathias Roller (Violoncello), Nazar Kocherga (Violone), Angelika Gallez (Traversflöte) und Karl Hardegger (Cembalo), spielte solide und erhöhte damit die Vorfreude der Besucher auf den Höhepunkt des Abendprogramms.

  • Der musikalische Leiter Karl Hardegger Bild: Ulrike Huber
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  • Karl Hardegger musizierte auf einem alten Cembalo Bild: Ulrike Huber
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  • Mitglieder des Ensembles «La Partita» und Tenor Jonas Christian Bruder Bild: Ulrike Huber
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Grosse Lust am Schauspiel

Für die von Beda Germann in Szene gesetzte Aufführung der Kaffee-Kantate konnten die namhaften Sänger Clemens Morgenthaler (Bass), der den Vater Schlendrian mit grosser Lust am Schauspiel und am Singen verkörperte, sowie die bezaubernde und überzeugend die Tochter Liesgen spielende Sopransängerin Anna Gschwend engagiert werden.

  • Das Ensemble «La Partita» verwöhnte das Publikum mit barocker Kammermusik Bild: Ulrike Huber
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Regisseur Beda Germann hatte mit einem szenischen Kniff den Tenor Jonas Christian Bruder, der im Original nur als Rezitator auftritt, als Kaffeehaus-Kellner in die Handlung eingebaut. Eine Handlung, die kurz erzählt ist. Humorvoll-ironisch wird vom lebenserfahrenen und vielgeprüften J.S. Bach ein Generationenkonflikt zwsichen dem liebevoll-gestrengen Vater und seiner Tochter, die dem «Modegetränk Coffee» verfallen ist, skizziert.

  • Die szenische Aufführung der Kaffeekantate fand praktisch mitten im Publikum statt Bild: Ulrike Huber
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  • Anna Gschwend verkörperte die widerspenstige Tochter Liesgen Bild: Ulrike Huber
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  • Die drei Sänger, vl., Clemens Morgenthaler, Anna Gschwend und Jonas Christian Bruder Bild: Ulrike Huber
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Täglichen Kaffeegenuss austreiben

Der Vater versucht mit Drohungen, seiner Tochter Liesgen die Unsitte des täglichen Koffeingenusses auszutreiben. Aber erst, als er ihr die Erlaubnis zur Heirat gibt, lenkt die eigenwillige Liesgen ein. Während der Vater auf der Suche nach einem passenden Schwiegersohn ist, nimmt Liesgen ihr Schicksal selbst in die Hand: Sie will nur einen Mann akzeptieren, der ihr auch in der Ehe jederzeit das Kaffeetrinken gestattet. Und findet ihn in der «Bernecker Fassung» von Regisseur Beda Germann sogleich in Person des Kellners des Kaffeehauses, in dem die Handlung spielt.

Die drei Akteure spielten und sangen grossartig. Aus dem tollen Gesangestrio, wunderbar zurückhaltend vom Ensemble «La Partita» begleitet, stach Anna Gschwend mit ihrem kecken, spitzbübischen (oder müsste es heissen spitzmädchenhaften) Mienenspiel und ihrer absolut brillanten Stimme noch hervor.

Video: Ulrike Huber

Frenetischer Applaus

Das Publikum war jedenfalls begeistert und konnte, was auch bei der Aufführung einer szenischen Mini-Oper eher ungewöhnlich ist, das Ensemble mit frenetischem Applaus zu einer Zugabe bewegen. Unter den begeisterten Zuschauern sah man den nur noch wenige Wochen im Amt befindlichen und dann nach Widnau wechselnden Bernecker Gemeindepräsidenten Bruno Seelos.

  • Bild: Ulrike Huber
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Unter den Musikfreunden fand sich auch Oswald Wetli von der Raiffeisenbank Unteres Rheintal, die zusammen mit der Ortsgemeinde Berneck und der Rheintaler Kulturstiftung für die notwendige finanzielle Unterstützung dieser Eigenproduktion des Kulturforums Berneck möglich gemacht hatten. Eine Eigenproduktion, die am heutigen Samstag um 19.30 Uhr an selber Stelle nochmals zur Aufführung gelangt.

rheintal24/gmh/uh
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