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Fussball Regional
06.10.2022
06.10.2022 19:29 Uhr

Es brodelt auf der Rheinau

Bringt Cheftrainer Besart Shoshi nach zwei zermürbenden Jahren im Abstiegskampf nochmals die Energie auf, seine Team zum Ligaerhalt zu pushen?
Bringt Cheftrainer Besart Shoshi nach zwei zermürbenden Jahren im Abstiegskampf nochmals die Energie auf, seine Team zum Ligaerhalt zu pushen? Bild: Ulrike Huber
Mit fünf Niederlagen in sechs Spielen ist der FC St.Margrethen äusserst schlecht in die Saison gestartet. Was ist los auf der Rheinau? Wir haben beim Vorstand nachgefragt.

Abgänge im Vorstand und dazu eine miserable sportliche Bilanz. Die Vereinsführung um den durchaus engagierten Präsidenten Fredi Britt hat es aktuell nicht einfach. Am kommenden Samstag kommt der in dieser Saison stark aufspielende FC Ems auf die Rheinau. Und am 14. Oktober findet die Jahreshauptversammlung statt. Eine erneute Niederlage brächte wohl zusätzliche Brisanz in die sowieso schon mit Spannung erwartete Hauptversammlung.

Dass die Shoshi-Elf kurzfristig wieder auf die Siegerstrasse zurückkehren kann, scheint aktuell schwierig. Die Niederlagen nagen am Selbstvertrauen. Vorstand und Mannschaft seien keine Einheit, es herrsche gegenseitig grosses Misstrauen, wird aus dem Umfeld kolportiert.   

Anfangs September wurde Majlinda Sulejmani neu in den Vorstand gewählt und grad zur Vizepräsidentin befördert. Sie soll an der Hauptversammlung als Vizepräsidentin von den Mitgliedern bestätigt werden. Die 33-jährige Gesundheitsfachfrau und Mitte-Politikerin, die auch im Vorstand der Mitte Frauen Kanton St.Gallen sitzt, ist im FC-Vorstand neu für die Kommunikation verantwortlich. Rheintal24 hat bei ihr nachgefragt.

Das Führungsduo des FC St.Margrethen: Majlinda Sulejmani und Fredi Britt Bild: zVg

Majlinda Sulejmani, wenn eine Mannschaft keine Resultate liefert, wird in der Regel der Trainer in Frage gestellt. So jedenfalls sind die Mechanismen im Fussball. Sitzt Cheftrainer Besart Shoshi eigentlich noch fest im Sattel?

Ja natürlich. 

Aber es ist ja auch die umgekehrte Variante denkbar? Was passiert, wenn der Trainer von sich aus den «Bettel» verwirft? Gibt es einen Plan B?

Ja. 

Und wie sieht dieser allfällige Plan B aus?

Plan B ist aktuell kein Thema, solange alles stimmt. Wir sind mit der Arbeit von Shoshi zufrieden.

Aber er vielleicht nicht mit jener des Vorstands?

Wir haben ein gutes Einvernehmen und sprechen oft miteinander. Aus meiner Sicht ist das Verhältnis absolut intakt. 

Wie wird der Trainer in dieser Situation unterstützt? Wer ist in der Kabine und fühlt den Puls der Spieler und den Staffs?

Sportchef ist Dorde Duvnjak und somit erster Ansprechpartner für den Trainer und die Spieler. (Anmerkung der Redaktion: Duvnjak trainierte die Heldsberger mehrere Jahre, stieg mit ihnen in 2. Liga interregio auf und schaffte den Ligaerhalt). 

Duvnjak ist aber aktuell aus privaten Gründen nicht mehr so oft präsent. Es bräuchte doch gerade jetzt jemanden aus dem Vorstand, der vorne hin steht und in dieser schwierigen Situation den Druck etwas von der Mannschaft nimmt?

Vom Vorstand ist Bruno Bucher als Teammanager in die ersten Mannschaft eingebunden. Und die Türe zum Präsidenten ist ebenfalls immer offen. 

Was passiert im Winter? Wenn man in der zweiten Liga bleiben will, sind qualitative Verstärkungen wohl unabdingbar. Ist man bereit, in der Winterpause entsprechend zu investieren?

Das wird nicht nötig sein. Wir haben Vertrauen in die aktuelle Zusammensetzung der Mannschaft. Die werden den Ligaerhalt schaffen. 

Woher kommt dieser Optimismus? Fünf Niederlagen in sechs Spielen sprechen eine deutliche Sprache. Fehlt es u.a. nicht auch an Qualität im Kader?

Wir vertrauen unserem Cheftrainer. Er wird den Turnaround mit dem bestehenden Kader schaffen. 

Besart Shoshi und Dorde Duvnjak: lange Zeit ein Erfolgsduo und Garanten für die sportlichen Erfolge in einer Zeit, als die erste Mannschaften in St.Margrethen noch hohe Priorität genoss. Bild: gps

Trainer, Sportchef und Vermittler

Mittendrin in dieser Bredouille ist Cheftrainer Besart Shoshi. Seit fast 20 Jahren läuft er für die erste Mannschaft auf, hat Höhen und Tiefen unter dem Heldsberg miterlebt. Gerade an den Erfolgen zwischen 2011 und 2016 mit drei Aufstiegen war er massgeblich beteiligt. Ein Kämpfer mit blau-weissem Herz, fordernd zwar, aber immer bereit, alles für den Verein und die Mannschaft zu tun. Auch in der Vergangenheit hat er immer wieder Gräben zugeschüttet und vieles zusammengehalten auf der Rheinau. 

Shoshi solls wieder richten

Aktuell fungiert er als Trainer und stellt sich, mangels Alternativen im Kader, meistens selber auf. Ob er sich damit einen Gefallen tut, ist dann wieder eine andere Geschichte. Daneben laufen auch alle Transfers über ihn. In der Saison 2020/2021 rettete die Heldsberger primär der Umstand, dass die Saison coronabedingt verkürzt wurde, vor dem Abstieg.

In der vergangenen Saison sicherten sich die St.Margrether den Ligaerhalt im letzten Heimspiel. Und jetzt soll Shoshi das dritte Wunder vollbringen. So zumindest in den eher romantischen Vorstellungen des Vorstands. 

Der FC Altstätten hat gezeigt, dass ein Abstieg auch mal bereinigend sein kann. Mit dem neuen Trainerduo Brunner/Irisme ist der Städtli-Elf der sofortige Wiederaufstieg in die zweite Liga gelungen und spielt aktuell ganz vorne mit.

In St.Margethen wäre die Wirkung eines Abstiegs wohl um einiges verheerender. Ein zweiter Fall FC Rheineck, der nach dem Abstieg aus der zweiten Liga schnurstracks in die vierte Liga durchgereicht wurde, könnte sich im Unterrheintal durchaus wiederholen. 

pd/rheintal24