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Altstätten
13.09.2022
13.09.2022 15:46 Uhr

«Lebendige Gärten» stösst auf grosses Interesse

Über 120 Personen besuchten den Vortrag von Petra Horch, Leiterin Aufschwung für die Vogelwelt, von der Schweizerischen Vogelwarte Sempach.
Über 120 Personen besuchten den Vortrag von Petra Horch, Leiterin Aufschwung für die Vogelwelt, von der Schweizerischen Vogelwarte Sempach. Bild: zVg
Vergangene Woche luden der Verein Pro Riet Rheintal und die Stadt Altstätten zum öffentlichen Vortrag «Lebendige Gärten» mit Petra Horch von der Schweizerischen Vogelwarte Sempach ein.

Über 120 Interessierte folgten der Einladung in den Sonnensaal. Das Thema stösst auf grosse Resonanz, was auch wichtig ist, denn die Biodiversität in der Schweiz muss gefördert werden. Die Hälfte der Lebensräume und ein Drittel der Arten sind bedroht. Von den in der Schweiz brütenden Vogelarten sind 40 Prozent gefährdet. Bei den Insekten sind fast 60 Prozent gefährdet oder potenziell gefährdet.

Petra Horch, Leiterin Aufschwung für die Vogelwelt, zeigte denn auch in ihrem Vortrag auf, wie es um die Artenvielfalt in der Schweiz steht, was Gründe für den Rückgang der Biodiversität sind und auf was bei der Förderung der Artenvielfalt im Siedlungsraum geachtet werden soll.

Urbane Räume können Ersatzlebensraum sein

Aufgrund von Überbauungen, der Verdichtung und der Versiegelung verschwinden immer mehr Lebensräume. «Wir können aber so, wie wir bauen und wie wir unsere Siedlungen gestalten, doch Einfluss auf die Vielfalt nehmen», erklärt Petra Horch, «denn urbane Räume können auch zum Ersatzlebensraum für bestimmte Arten werden.»

Während Überbauungen aus Beton, mit asphaltierten Einfahrten, Steingärten, Zierrasen mit Rasenmährobotern, Thuja- oder Kirschloorbeerhecken unseren heimischen Insekten, Vögeln und Kleintieren kaum Nahrung und Lebensraum bieten, sind Gärten, mit einheimischen Pflanzen und Strukturen, wo sich die Tiere verstecken können, sehr wertvoll. «Spannend ist auch, dass egal, wo wir solche naturnahen Oasen in Siedlungen schaffen, die Tiere diese finden. Es lässt sich also mit dem eigenen Handeln zuhause schon einiges erreichen», motiviert Petra Horch.

Mehr Bäume in Städten und Siedlungen

Im urbanen Raum gehen auch immer mehr Brutmöglichkeiten der Vögel verloren. Denn zeitgenössische Gebäude, lassen kaum Nischen für Nester zu. Petra Horch erklärt: «Einheimische Bäume nehmen hier eine Schlüsselfunktion ein, da sie eine zweite Ebene über uns Menschen schaffen, wo Tiere im urbanen Raum leben können.»

In Siedlungsräumen mit geeigneten Bäumen und den nötigen naturnahen Strukturen könnten sogar Buntspechte oder Eichhörnchen leben. Mit der Klimaerwärmung wird es auch immer wichtiger, dass Stadtklima zu regulieren, dazu leisten Bäume ebenfalls einen wichtigen Beitrag. Und auch Fassaden- und Dachbegrünungen bieten im Siedlungs- und urbanen Raum ein grosses Potenzial. Studien zeigen zudem, dass naturnahe Aussenräume in Städten die Lebensqualität der Menschen fördern.

Vogelschlag massiv unterschätzt

Eine grosse Gefahr im Siedlungsraum für Vögel sind die grosszügigen Glasflächen. Die meisten Vögel erkennen spiegelnde Flächen nicht, sondern halten diese für real. «Millionen von Vögeln kollidieren in der Schweiz jedes Jahr mit solchen Flächen. Dieses Problem wird massiv unterschätzt», so Petra Horch. Auch hier kann etwas getan werden, indem wir das Glas für die Vögel sichtbar machen. Bei bestehenden Glasflächen können Folien angebracht oder Vorhänge aufgehängt werden. Bei Neubauten können andere Materialien oder gemustertes Glas verwendet oder Vorrichtungen konstruiert werden.

Petra Horch erwähnte auch, wie viele Arten auf bestimmte Pflanzen oder Lebensräume spezialisiert sind und es deshalb wichtig ist, viele verschiedene einheimische Pflanzen und Strukturen im Garten zu haben. Als Beispiel nennt sie die rund 614 Wildbienenarten, die in der Schweiz leben – die Honigbiene ist nur eine Art. Viele Wildbienenarten sind auf bestimmte Pflanzen spezialisiert und auch beim Nisten haben sie klare Ansprüche, während die einen in Totholz oder vertrockneten Stängeln brüten, bevorzugen andere lehmigen Boden oder Sandflächen.

Selbst Natur-Gastgeber sein

Im Vortrag ermunterte die Leiterin Aufschwung für die Vogelwelt die Zuhörenden, selbst Gastgeber für die Natur zu werden. «Was tut ein guter Gastgeber?», fragt sie: «Er möchte seine Gäste nach Strich und Faden verwöhnen. Mit feinem Essen und in einem gemütlichen Ambiente.» Dass ist es auch, was die Insekten, Vögel und Kleintiere in unserem Garten benötigen. Nahrung von Frühling bis über den Winter und Kleinstrukturen als Verstecke. Und wenn es den Tieren gefällt, dann kommen sie immer wieder oder bleiben sogar.

Im Anschluss an den Vortrag lud die Stadt Altstätten die Besuchenden zum Apéro ein, um Diskussionen und Erfahrungsaustausch eine Plattform zu bieten. Wer konkret zur Tat schreiten möchte, kann sich an zwei Angeboten von Pro Riet beteiligen: auf www.pro-riet.ch können Naturgartenberatungen gebucht und bis zum 15. Oktober einheimische Pflanzen-Sets zum Spezialpreis bestellt werden.

pd/rheintal24
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