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Diepoldsau
17.10.2021
18.10.2021 10:32 Uhr

Narren, Normale und ein Nationalrat

Jutta Hutter (li.) als exaltierte Tochter und Lebefrau mit ihrer Mutter, gespielt von Maria Hutter
Jutta Hutter (li.) als exaltierte Tochter und Lebefrau mit ihrer Mutter, gespielt von Maria Hutter Bild: Ulrike Huber
Am frühen Sonntagabend hatte «Gspässigi Lüüt», die neueste Produktion der Theatergruppe Rhybrugg in der ausverkauften Mehrzweckhalle in Diepoldsau Premiere. Ein grosser Erfolg.

«Schöa, dass er wieder bi üs seand». So der Gruss der Theatergruppe «Rhybrugg» an ihre Besucher in der ausverkauften Diepoldsauer Mehrzweckhalle. Denn letztes Jahr herrschte noch König Corona und verursachte, dass der Reigen der Aufführungen des damals mühsam eingeprobten Lustspiels «Alles in Butter» nach wenigen Abenden unterbrochen werden musste.

Manchmal versammelte sich ein Grossteils des Ensembles auf der Bühne: vl. Patrick Spirig, Vera Kolb, Sabrina Graf, Urs Spirig, Jutta Hutter und Maria Hutter Bild: Ulrike Huber

Ohne Abstände und Masken

Heuer ist vieles anders. Dank der 3G-Regel können wieder «normale» Aufführungen stattfinden. Ohne Abstände und ohne Masken. Dafür mit einem feinen Essen vor und Kuchen und Kaffee nach dem ersten Theaterteil des Abends. Kein Wunder, dass die Theaterfans bestens gelaunt darauf warteten, was da auf sie zukomme.

  • Markus Frei brillierte als Adrian Bild: Ulrike Huber
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  • Silvana Mainardi spielte überzeugend die merkwürdige Frau Hutter Bild: Ulrike Huber
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  • Sabrina Graf gab die medizinische Leiterin Dr. Weder Bild: Ulrike Huber
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  • Und Urs Hutter, Präsident der Theatergruppe Rhybrugg, spielte den Nationalrat Titus Spirig, als ob es sein Alter Ego wäre Bild: Ulrike Huber
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Das von der Theatergruppe Rhybrugg dieses Jahr ausgewählte Stück «Gspässige Lüüt» handelt in einer Villa, zugleich ein Ort, in dem Nervenkranke Betreuung und Unterstützung finden. Die betreuten «Verrückten» , liebenswürdige Menschen mit ihren Schrullen und Besonderheiten, haben die Aussenwelt hinter sich zurückgelassen und pflegen ein liebevolles Miteinander.

Sonderbare MIllionärswitwe

Die Ruhe des Hauses wird gestört, als die etwas sonderbare Millionärswitwe Edith P. Spirig von ihren Kindern in der Villa untergebracht wird. Ihre Narretei? Sie will das Erbe ihres Gatten in eine Stiftung einbringen, die anderen Menschen völlig verrückte und unnötige Herzenswünsche erfüllen soll. Was ihre gierigen Kinder, ein Nationalrat, ein Richter und eine Gesellschaftsdame, die dringend einen finanziellen Zuschuss benötigen, auf die Palme bringt.

  • Bild: Ulrike Huber
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  • Maria Hutter spielte mit Schalk und grosser Überzeugung die sonderbare Millionärswitwe Edith P. Spirig Bild: Ulrike Huber
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Es ist immer ein gewagtes Spiel, eine Nervenheilanstalt und deren Insassen zum Mittelpunkt einen «Lustspiels» zu machen. Denn zu traurig sind die Schicksale der Patientinnen und Patienten in Wirklichkeit in solchen Einrichtungen. Doch John Patrick als Autor des Stücks sowie Reto Wiedenkeller als Übersetzer in die Mundart und Regisseur dieses Theaterabends umschiffen diese gefährlichen Klippen geschickt.

Ganz normal, nur etwas schrullig

Stellen sie die handelnden Personen doch als eigentlich ganz normale, nur etwas schrullige, aber sehr liebenswürdige Menschen dar. Als wirklich verblüffend normale Mitbürger, bei denen der Irrsinn knapp unter der Oberfläche brodelt, aber nur in harmlosen Ticks zutagetritt. Bei denen hinter diesen Schrullen und Verrücktheiten aber immer ein tragisches Schicksal steckt. Und wie sagt man so schön: Kinder und Narren sagen die Wahrheit. In diesem Stück aber sagt einer der Narren: «Die schönste Wahrheit ist nur halb so schön wie eine gut erfundene Schwindelei.»

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  • Patrick Spirig als etwas vertrottelter Richter Gallus Spirig brachte viel Heiterkeit in das Stück Bild: Ulrike Huber
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  • Jutta Hutter als Isabelle Spirig, die um ihre Erbe kämpft, um weiterhin zur Haute Volée gehören zu können Bild: Ulrike Huber
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Das gesamte Ensemble der Theatergruppe Rhybrugg verdient ein uneingeschränktes Lob für ihre Darstellung. Wobei Maria Hutter als sonderbare Dame Edith P. Spirig und Markus Frei als Anstaltsbewohner Adrian besonders hervorzuheben sind. Stets akkurat auf den Punkt getroffene Einsätze und ein nur wenig maniriertes Spiel begeisterten das Publikum. Und wenn Annet Jakob als Anstaltsbewohnerin Fairy May die Bühne betrat, begann das Haus förmlich vor Energie zu zittern. Annet Jakob tobte wie eine Fünfjährige über die Bühne und verlieh ihrer Figur trotz grosser Überdrehtheit Glaubwürdigkeit.

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  • Sabrina Graf als Dr. Weder (li.) und Maria Hutter unterhalten sich über die Normalität in der Verrücktheit Bild: Ulrike Huber
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Fünf Monate Probe

Mehr als fünf Monate war vom Ensemble geprobt worden. Patrick Spirig, der den leicht vertrottelten Richter Gallus Spirig mit grimassierendem Knautschgesicht spielte, erzählt: «Anfang Mai hatten wir Probebeginn mit einem Abend wöchentlich. Seit Anfang August probten wir zweimal und in den letzten zwei Wochen vor der Premiere beinahe täglich.» Die viele Mühe hat sich absolut rentiert. Die Texte sind sicher gesessen, die Schauspieler wirkten in ihren Rollen sicher. Und das Publikum amüsierte sich köstlich und spendete einen prächtigen Premierenapplaus.

Das Ensemble nimmt dankbar den frenetischen Premierenapplaus entgegen Bild: Ulrike Huber

 

Die weiteren Aufführungsdaten:

Mehrzweckhalle Kirchenfeld, Diepoldsau:

Freitag, 22. Oktober 2021, 20 Uhr*

Samstag, 23. Oktober 2021, 20 Uhr*

Mittwoch, 27. Oktober 2021, 14 Uhr* (Nachmittagsaufführung)

Freitag, 29. Oktober 2021, 20 Uhr*

Samstag, 30. Oktober 2021, 20 Uhr*

* Beginn Theatervorstellung

 

KINOTHEATER Madlen, Heerbrugg:

Freitag, 14. Januar 2022, 20 Uhr

Samstag, 15. Januar 2022, 20 Uhr

 

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rheintal24/gmh/uh