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Balgach
05.06.2021
05.06.2021 15:33 Uhr

Biodiversität in der Industriezone

Bild: Désirée Gächter
Der Verein St.Galler Rheintal will unter dem Titel «Projekt Grünes Band» die Biodiversität in der Region fördern. Was bei einem Rundgang durch das Firmengebiet "Wegen" in Balgach demonstriert wurde.

Der Rückgang der Biodiversität, also der Artenvielfalt bei Tieren und Pflanzen ist extrem. Das ist schon länger ein Thema. Um das Klima zu schützen, ist die Nutzung von natürlichen Ressourcen wichtig. Im Rundgang der Fachgruppe Siedlung und Landschaft des Vereins St.Galler Rheintal wurde dies rege diskutiert. Teilnehmer waren grösstenteils Gärtner, Firmeninhaber und Architekten.

Problematik der heutigen Siedlungen

Der Klimawandel ist in vollem Gange. Je wärmer es wird, desto mehr Klimaanlagen werden gebaut, welche wiederum Strom verbrauchen und so wieder die Erderwärmung vorantreiben. Viel einfacher und günstiger als Klimaanlagen ist das Pflanzen von Bäumen. Denn Pflanzen und Bäume schaffen ein kühles Mikroklima und fördern die Biodiversität. Rolf Huber ist Präsident der Fachgruppe Siedlung und Landschaft: «Wenig tun bringt in der Regel schon sehr viel. Wenn man einen Park vor einem Gebäude schafft, hat man sogar eine kühlende Insel, was in Zukunft sehr wertvoll sein wird.»

Ziel ist es, die unbegrünten Flächen, Dächer, Parzellen und Zwischenräume intensiver und haushälterischer zu nutzen, damit die Biodiversität der Pflanzen- und Tierwelt erhalten bleibt. Vor allem möchte man weg von Steingärten, die mit Chemie gespritzt werden.

Firmen und ihre Baureserven

Viele Firmen kaufen Land, um sich so Baureserven zu sichern. Wird dieses Bauland in den nächsten Jahren nicht benötigt, wuchert es vor sich hin. Meist ohne Unterhaltsmassnahmen. In diesen Grünflächen sieht die Fachgruppe eine Chance.

Der erste Halt des Rundgangs war bei einer Wiese, in der die verschiedensten Blumen blühen. Der Besitzer hat das Prinzip der Biodiversität verstanden. Geplant ist zusätzlich zur Blumenwiese ein Bienenhotel. Ein Teilnehmer war begeistert und teilte seine Meinung mit der Gruppe: «Wir Schweizer sind zu pingelig. Wenn ein Gras zu hoch ist, stört uns das und wir mähen es mit dem Rasenmäher weg. Und auch nicht jedes Unkraut muss direkt entfernt werden. Doch es ist ein Prozess, bis diese unberührte Natur als schön wahrgenommen wird.» Dabei wäre die Biodiversität in der Langfristigkeit günstiger und einfacher im Unterhalt.

Oft werde das Firmengebäude gebaut und erst im Nachhinein wird die Umgebung strukturiert und bepflanzt. Die Fachgruppe ist der Meinung, dass das Konzept von Anfang an in der Planung ein Thema sein soll. Doch immerhin habe sich in den letzten fünf Jahren viel getan, so Thomas Oesch von OePlan in Altstätten.

Balger Firmen unter der Biodiversitäts-Lupe

Novaron:

«Die Klimawirkung ist da, doch untenrum hätte man was unternehmen können», meinte ein Teilnehmer. In der Diskussion zeigte sich die Problematik der Pappeln. Diese seien schön zum anschauen und architektonisch super, da sie gerade sind. Doch die Wurzeln suchen sich ihren Weg zum Wasser und reissen deswegen den Teer auf. Doch der Firmachef meinte, er könne damit leben.

  • Die Firma Novaron im Firmengebiet "Wegen" in Balgach. Bild: Désirée Gächter
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  • Die Wurzel der Pappel hat sich den Weg zum Wasserschacht gemacht. Bild: Désirée Gächter
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  • Architektonisch sehen die Pappeln vor dem Neubau super aus. Bild: Désirée Gächter
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Heule Werkzeugbau:

Hier regnete es Kritik aber auf lustige Art. Sprüche wie: «Dieser Rasen sprüht ja nur so von Biodiversität» oder «Der Rasenroboter ist das einzige Highlight.» Der Firmeninhaber ist sich dem bewusst und spielt auch mit dem Gedanken den ein oder anderen Baum zu pflanzen. Der Grund warum dies noch nicht erfolgte, erklärte der Chef: «In einer Präzisionsfirma, die international tätig ist, wie wir das sind, ist es schwierig eine wuchernde Wiese vor dem Gebäude zu haben. Den unsere Kunden, vor allem in Asien, haben die Bonsai-Bäume in Formen geschnitten und setzten auf Präzision. Da wollen wir keine "Unordnung" vor dem Gebäude, die unsere Arbeit in Frage stellen könnte.»

Dafür verursacht die Heule Werkzeugbau AG an ihrem Hauptsitz kein CO2. Gekühlt und geheizt wird mit Grundwasser und eine Solaranlage ist ebenfalls geplant.

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MS Oberflächentechnik:

Dieses Firmagebäude wurde nicht von den jetzigen Inhabern gebaut. Doch der Chef hat einiges renaturiert und der Biodiversität einen Platz gegeben.

Der Carport hat ein begrüntes Dach, dann gibt es einen kleinen Teich vor der Fassade und ein grosser Teich im Garten. Bei den Gruppendiskussionen kamen Inputs zum Dach. Es könne tiefer sein, damit auch mehr verschiedene Pflanzen kommen. Ebenfalls wären Holzstücke eine Option, so können sich Vögel einnisten und sind von natürlichen Feinden, wie einer Katze, geschützt.

Der Chef hat richtig Freude, an all den Schmetterlingen und Tieren, die tagtäglich in diesem Gebiet sind. Er möchte auf jeden Fall noch mehr ausbauen. Er meinte zum Chef von Heule: «Wenn du auch was für die Biodiversität vor deiner Firma machen würdest, könnten unsere Schmetterlinge High-Five geben.» Alle Beteiligten mussten schmunzeln und dann ging es zur nächsten Firma.

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Mycrosynth Egogenics:

Dieser Bau ist unter anderem auch für Vögel interessant. Insgesamt hat es 27 Nistkästen an drei Fassadenseiten, welche für Mauersegler und Zwergfledermäuse zur Verfügung stehen. Einige dieser Kästen sind bereits bezogen. Der frühere Geschäftsführer beobachte dieses Szenario gerne. Doch manchmal kämen auch Stare und nisten sich ein. Solange Platz ist lässt er sie und sonst schliesst er diese Nistkästen und macht diese erst wieder auf, wenn die Mauersegler kommen. Anhand dieser Kästen gibt er den Vögel einen sicheren Platz.

Auf dem Dach der Firma blüht eine wunderschöne Grünfläche. Mit diversen einheimischen Setzlingen gestaltete der Verwaltungsrat das Dach. Gemischt mit Ziegel und Kies. Dazu kann man von dort oben eine atemberaubende Aussicht auf Balgach geniessen. 

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Diskussion am Mittagstisch

Nach dem zweistündigen Rundgang begaben sich die rund 20 Teilnehmer zum Mittagessen in der Laser Bar im selben Gebiet. Auch am Mittagstisch wurde weiter diskutiert und im Grossen und Ganzen waren alle für eine begrüntere Industrie im allgemeinen.

deg