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04.05.2021
04.05.2021 07:04 Uhr

Zwischen Bitcoin und Sparheft

Bild: PD
Das Zinsniveau ist aktuell historisch tief. Als Folge bringt traditionelles Sparen kaum mehr Rendite. Und auch ein stattliches Kontoguthaben wirft selbst nach jahrelangem Sparen nur ein paar Franken Zinsgewinn ab. Thomas Haas, Vorsitzender der Bankleitung der Raiffeisenbank Mittelrheintal weiss, worauf man beim Anlegen achten muss.

Herr Haas, wie viele Bitcoins besitzen Sie?

Bitcoins besitze ich keine, obwohl es sich in den letzten Jahren definitiv gelohnt hätte. Ich investiere persönlich nur in Anlagen, welche ich auch gut verstehe. Das Investment-Office von Raiffeisen Schweiz hat erst vor Kurzem eine Anlagestudie zum Bitcoin erstellt, die zu verschiedenen Fragen Auskunft gibt.

Am anderen Ende der «Innovationsskala » steht das klassische Sparkonto. Obwohl es kaum mehr Zinsen abwirft, halten viele Bankkunden nach wie vor daran fest. Wieso?

Dass viel Geld auf den Sparkonten liegen bleibt, hat verschiedene Gründe. Gerade wer sich nicht sonderlich für das Geschehen an den Finanzmärkten interessiert, kann den Eindruck bekommen, dass Geldanlegen mit grossem Risiko behaftet sei. Daneben ist vielen Sparern eine hohe Liquidität wichtig – sie wollen das Geld sofort und immer zur Verfügung zu haben. Ein hohes Sicherheitsbedürfnis und der Wunsch nach Liquidität sind jedoch kein Hindernis für eine Geldanlage. Denn Anlegen ist nichts Abstraktes. Im Gegenteil: Geldanlagen können und sollen den Kunden konkret helfen, Ihr Leben finanziell zu gestalten und bestimmte Ziele zu erreichen.

Als Alternative gibt es die Vermögensverwaltung durch eine Bank. Was ist der Vorteil dieser Lösung?

Der grösste Vorteil liegt darin, dass sich ausgewiesene Experten um die Verwaltung Ihres Ersparten kümmern und Ihr Anlageportfolio dadurch jederzeit systematisch überwacht wird. Wichtig dabei ist, sich einen seriösen Partner, abgestimmt auf seine persönlichen Bedürfnisse auszuwählen. Ich finde Transparenz sollte in der Vermögensverwaltung weit oben stehen, vertraut man doch sein Vermögen jemandem «Fremden» zur Verwaltung an.

Eignet sich eine Vermögensverwaltung nur für Gutbetuchte?

Noch bis vor wenigen Jahren war eine professionelle Vermögensverwaltung eher vermögenden Personen vorbehalten. Heute gibt es Lösungen für fast jedes Portemonnaie. Raiffeisen bietet verschiedene Modelle an wie zum Beispiel die digitale Vermögensverwaltung «RIO», welche bereits ab CHF 5‘000 in Anspruch genommen werden kann, ab CHF 100‘000 klassische Vermögensverwaltungsmandate, bei welchen Sie Ihre Strategie und den gewünschten Anlagefokus durch verschiedene Optionen individualisieren können oder ab CHF 2‘000‘000 können wir für Sie, wenn gewünscht, ihre individuelle Anlagestrategie umsetzen.

Thomas Haas, Vorsitzender der Bankleitung der Raiffeisenbank Mittelrheintal: «Wer sein Vermögen also nachhaltig investiert, profitiert langfristig vom positiven Wandel der Wirtschaft.» Bild: PD

Nebst der Vermögensverwaltung bieten Banken nachhaltige Anlagelösungen an. Was bedeutet hier «nachhaltig»?

Im Fachjargon spricht man von ESG-Kriterien. Das Kürzel ESG steht für Enviromental (Umwelt), Social (Soziales) und Governance (Unternehmensführung). Diese ESG-Kriterien geben Aufschluss darüber, ob ein Unternehmen verantwortungsbewusst und vorausschauend handelt, um sich den aktuellen und künftigen Herausforderungen der Welt zu stellen. Raiffeisen hat bereits vor über 20 Jahren nachhaltige Anlagelösungen lanciert und könnte in der Schweiz schon fast als Pionier in diesem Bereich bezeichnet werden können.

Aber auch nachhaltige Investitionen befreien mich nicht vom Risiko eines Verlustes?

Risiko bedeutet ja grundsätzlich nichts anderes als Schwankungen, diese hat man natürlich. Je nach gewählter Anlagestrategie fallen diese unterschiedlich hoch aus. Die nachhaltige Ausrichtung von Unternehmen macht Geschäftsmodelle jedoch weniger anfällig für Krisen und reduziert die Risiken. Das wirkt sich über die Zeit positiv auf die Rendite aus. Wer sein Vermögen also nachhaltig investiert, profitiert langfristig vom positiven Wandel der Wirtschaft. Denn Unternehmen, die heute die Zeichen der Zeit erkannt haben und verantwortlich handeln, sind die Gewinner von morgen.

Und wie beurteilen Sie Lendingplattformen, auf denen ich mein Geld beispielsweise als Kredit in Schweizer Firmen investieren kann?

Das Wachstum im Crowdlending-Bereich war in den letzten Jahren sehr stark. Trotzdem bewegen sich die Volumen immer noch auf sehr tiefem Niveau (rund CHF 420 Mio. im Jahr 2019). Im Vergleich zu anderen Ländern ist der Anteil solcher Plattformen in der Schweiz um einiges kleiner. Dies liegt wohl daran, dass wir hierzulande ein ausgezeichnetes und funktionierendes Bankensystem haben.

Wie stark bedrohen solche digitalen Lösungen von Fintech-Unternehmen das klassische Bankgeschäft?

Ich würde es nicht als Bedrohung, sondern eher als Ergänzung bezeichnen. Solange alle mit gleich langen Spiessen kämpfen, bin ich der Meinung, dass Konkurrenz den Markt belebt. Ausserdem ist zu beachten, dass wir als klassische Bank einem Unternehmen einen rundum-Service mit Mehrwert bieten können, vom Zahlungsverkehr, Finanzierungen, über Devisengeschäfte bis zur Nachfolgeplanung unterstützen wir unsere Kunden aus einer Hand.

rheintal24/nas/tm