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Oberriet
22.01.2021
23.01.2021 14:47 Uhr

«Bestatten ist ein Saisongeschäft»

Bild: Shutterstock Bild: Shutterstock
Täglich haben wir neue Meldungen über die an und mit Corona Verstorbenen auf dem Schirm. Wir wirkt sich das auf die Arbeit der Bestatter aus?

Oft hat man gerade zu Beginn der Coronapandemie gehört, dass die Leichen der an diesem Virus Verstorbenen besonders ansteckend seien. Die Bestatter Tristan und Kristina Herrsche aus Oberriet haben davon zum Glück nichts gemerkt. «Bis heute sind wir jedenfalls gesund geblieben», erzählt Kristina Herrsche, «mittlerweile weiss man ja, dass die Infektion hauptsächlich über Aerosole und Tröpfchen erfolgt, die beim Husten, Lachen, Singen oder auch einfach Sprechen in der Luft verbreitet werden.» Da ist die Gefahr bei Leichen wohl nicht mehr gross.

Schutzanzüge und Handschuhe

Zudem tragen die Herrsches bei der Arbeit Schutzanzüge und Handschuhe und achten auf strengste Hygiene. «Es wird immer wieder desinfiziert. Grundsätzlich sind die Leichen unserer Ansicht nach nicht ansteckend, aber das konnte man noch nicht genau testen.»

Bei der Anzahl der Toten bemerkt Krisitina Herrsche keine grosse Steigerung. Ausser im vergangenen November. «Da hatten wir doppelt so viele Leichen wie in normalen Jahren. Aber der Jahresschnitt wird wie immer so etwa bei Sechzig liegen.» Bestatter betreiben sozusagen ein «Saisongeschäft». Während im Sommer fast niemand stirbt, ist jedes Jahr die Zeit zwischen November und März jedes Jahr «Hochsaison». Das Ehepaar Herrsche hat das für das Gebiet der politischen Gemeinde Oberreit zuständige Bestattungsinstitut von Herbert Kühne, der in den verdienten Ruhestand gegangen ist, erworben.

v.l. Herbert Kühne, Kristina und Tristan Herrsche (Bild: zVg) Bild: herrsche-bestattungen.ch

Lange Zeit ohne persönlichen Kontakt

Auch bei der Aufbahrung der Leichen in der Leichenhalle hat sich nicht viel geändert. «Der Sarg mit dem aufgebahrten Toten wird von unten in einen Katafalk geschoben, durch dessen Fenster die Verwandten den Leichnam sehen können. Aber berühren kann man ihn nicht.» Seit die Coronapandemie wütet, brauche man aber schon noch mehr Feingefühl mit den Angehörigen, denen es aufgrund von Besuchsverboten oder aus Angst vor Ansteckung schon lange Zeit an persönlichem Kontakt mit den Verstorbenen mangelte.

Der weit überwiegende Teil der Leichname wird dann im Krematorium wieder zu Asche. Die früher üblichen Beerdigungen sind stark zurückgegangen.

Was aber sicher ist: das Bestattergewerbe gehört derzeit zu jenen wenigen Branchen, die nicht unter Corona leiden. Jedenfalls nicht wirtschaftlich.

Was ist ein «Katafalk»?

Als Katafalk wird das in der Regel besonders gestaltete Gerüst oder Gestell zur Aufbahrung von Verstorbenen im Rahmen einer öffentlichen Verehrung oder während der Trauerfeier bezeichnet. Auf dem Katafalk ruht der Tote entweder auf Kissen oder Decken gebettet, auf einer Bahre oder im offenen oder geschlossenen Sarg. Wikipedia

gmh/uh