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Au
19.11.2020

Sistierungsbeschluss zu 5G aufgehoben - die Fakten

Immer wieder wird über das 5G-Netz diskutiert (Symbolbild: Shutterstock)
Der nach der von der Swisscom AG beantragten Baubewilligung für die Erstellung einer Mobilfunkanlage gefasste Sistierungsbeschluss des Gemeinderates in Au wurde vom kantonalen Baudepartement wieder aufgehoben. Rheintal24 bietet die Fakten zu 5G als Diskussionshilfe.

5G wird als neuer Mobilfunkstandard kommen. Daran führt kein Weg vorbei. Denn das Rennen um diesen neuen Standard ist in vollem Gang. Swisscom und Sunrise bieten bereits bis zu 90 % der Bevölkerung den Zugang zum 5G-Netz. Wobei das St. Galler Rheintal noch zu den wenigen übrigen „Entwicklungsgebieten“ gehört, da derzeit nur 15 für den 5G Standard geeignete Sendestationen zwischen Rheineck und Rüthi in Betrieb sind.

Sistierungsbeschluss des Gemeinderates Au aufgehoben

Die neueste regionale Entwicklung: im Rahmen eines Bauantrags der Swisscom AG für die Baubewilligung eines freistehenden Mobilfunkmastes gingen bei der Gemeinde Au zwei Einsprachen ein, eine davon eine Sammeleinsprache. Es wurde die Abweisung des Baugesuchs oder die Sistierung der Entscheidung bis zum Vorliegen einer „Vollzugsempfehlung“ des Bundes beantragt. Diesem Ansinnen wurde vom Gemeinderat dahingehend stattgegeben, dass ein Sistierungsbeschluss gefasst wurde. Der wiederum aufgrund der unverzüglich durch die Swisscom eingereichten Rechtsverweigerungsbeschwerde vom kantonalen Baudepartement aufgehoben wurde.

Jetzt lässt es sich also wieder trefflich über 5G diskutieren. Was dabei aber oft auf der Strecke bleibt, ist die Beachtung von tatsächlichen wissenschaftlichen Fakten. Seltsamerweise mischen sich leider auch unter die vielen mit Mass und Vernunft besorgten 5G-Skeptiker immer wieder jene seltsame Sorte von Menschen, die glauben, dass wir von den „Chemtrails“ der Flugzeuge absichtlich vergiftet werden und Impfungen nur ein Weg sind, um uns gedankensteuernde Chips zu implantieren. Und Corona in einer weltumspannenden Verschwörung von Eliten sowieso nur erfunden wurde, um die Freiheitsrechte der Bürger einzuschränken. Auch die von Pseudo-Wissenschafts-Instituten, die mit selbsterfundenen „Strahlungsmessgeräten“ auf den Weg gehen, um „gesundheitsschädliche nicht-ionisierende Strahlungen“ zu messen, aufgestellten Behauptungen liegen oft fern der tatsächlichen Wahrheit.

Kontroverse um Gesundheitsgefahr wiederbelebt

Die Einführung von 5G hat jedenfalls die Kontroverse um die gesundheitliche Gefahr durch Mobilfunkstrahlung wiederbelebt. Zahlreiche parlamentarische Vorstösse verlangen 5G-Moratorien. Fakt ist, die 5G-Antennen senden auf Frequenzen, die zuvor bereits für den Mobilfunk und die TV-Übertragung verwendet wurden. So etwa auf der von der SRG früher genutzten Frequenz zur terrestrischen Ausstrahlung der analogen Sender der Fernsehprogramme, die schon seit den Fünfzigerjahren benutzt wurden.

Noch surfen und telefonieren wir in der Schweiz in der Regel auf einem 4G-Netz, auch Long Term Evolution (LTE) genannt. Den Durchbruch schaffte der Mobilfunk um die Jahrtausendwende mit dem Mobilfunkstandard der zweiten Generation, GSM (Groupe Spéciale Mobile).

Verbesserung der Datenübetragungsraten

5G erlaubt eine deutliche Verbesserung der Datenübertragungsraten. Die neue Technologie soll etwa im Netz des Schweizer Telekom-Marktführers Swisscom Geschwindigkeiten von bis zu 2 GBit/s ermöglichen. Ein hochauflösender Film liesse sich damit in rund einer Minute herunterladen. Da für diese 2 GBit/s indessen optimale Bedingungen nötig sind, fällt das Tempo im Alltag geringer aus. 5G ist in der Praxis etwa doppelt so schnell wie 4G+, die «aufgemotzte» Variante des derzeitigen Standards.

Der vielleicht grösste Vorteil von 5G liegt aber nicht in der Geschwindigkeit, sondern in der kurzen Latenzzeit. Damit ist die Zeit gemeint, die zwischen einem Ereignis und einer Reaktion verstreicht. Bei 4G-Netzen sind es 5 bis 10 Millisekunden. In einem 5G-Netz soll die Latenzzeit noch bei rund einer Millisekunde liegen.

Industrielle Anwendung und das Internet der Dinge

Genau dies macht 5G für industrielle Anwendungen und das „Internet der Dinge“ so spannend. Ein Netz, das fast in Echtzeit reagiert, kann etwa für die Vernetzung von Maschinen oder Industrierobotern in Werkhallen verwendet. 5G ist auch für die Vernetzung von autonom fahrenden Fahrzeugen notwendig.

Wieso dauert der Aufbau eines flächendeckenden Netzes so lange? Die Schweiz hat eine anspruchsvolle Topografie, kennt strenge Grenzwerte beim Strahlenschutz und komplizierte Bauvorschriften. All das macht den Ausbau eines Mobilfunknetzes extrem aufwendig. Vom Entscheid eines Telekomanbieters, einen neuen Antennenstandort zu erschliessen, bis zum Punkt, an dem die Antenne in Betrieb gesetzt wird, verstreicht in der Regel viel Zeit. Swisscom beziffert diese Spanne mit einem Durchschnittswert von zwei Jahren, Sunrise sogar mit vier Jahren. Daran schuld sind auch die Telekomunternehmen selbst, die die Aufklärung über eine mögliche gesundheitsgefährdende Wirkung der Funk- und Radiowellen versäumt und anderen, darunter allzu oft realitätsferne Esoteriker, überlassen haben.

Stärke und Frequenz sind entscheidend

In Wahrheit hängt die biologische Wirkung der elektromagnetischen Strahlung alleine von deren Stärke und Frequenz ab. Keineswegs aber von der Technologie, mit der die Wellen «moduliert» werden. Wie bereits erwähnt, wurden die vom Bund versteigerten Frequenzen bereits für andere Zwecke wie die flächendeckende Übermittlung von Radio- oder Fernsehsignalen eingesetzt, ohne dass in den letzten siebzig Jahren entsprechende Gesundheitsschädigungen festgestellt worden wären. Zweitens unterscheiden sich diese kaum von den heute im Mobilfunk verwendeten Frequenzen. Mit 5G ändert sich an der Strahlenbelastung also zunächst wenig.

Es gibt aber auch Studien, die einen Zusammenhang zwischen elektromagnetischer Strahlung und gesundheitlichen Schäden nahelegen. Alles in allem gibt die Wissenschaft und die einschlägige Literatur unter dem Strich jedoch Entwarnung: Unterhalb der gängigen Grenzwerte für die Strahlung konnte keine Studie Risiken nachweisen. Wobei die aktuellen Anlagegrenzwerte liegen je nach Frequenz bei 4 bis 6 Volt pro Meter. Diese Limite gilt für «Orte mit empfindlicher Nutzung» wie Wohnräume oder Schulen. Geht es nach dem Willen der Mobilfunkanbieter, sollen diese erhöht werden; Swisscom spricht von 20 Volt pro Meter. Dies sei nötig, da die meisten Anlagen in urbanen Gebieten bereits jetzt am Anschlag sendeten. Ein Ausbau dieser Antennen sei deshalb nicht mehr möglich, für neue 5G-Antennen müsse man also neue Standorte finden.

90 % der Strahlung kommt vom eigenen Mobilgerät

Bei der Diskussion um gesundheitliche Auswirkungen von 5G-Sendeanlagen dürfen laut dem Umweltepidemiologen Martin Röösli vom Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut die Relationen nicht aus den Augen verloren werden. Denn über 90 Prozent der aufgenommenen Mobilfunkstrahlung stammten nicht von den Sendeanlagen, sondern vom eigenen Mobilgerät, dem Handy. Wer eine maximale Exposition verhindern will, nützt das Mobiltelefon nur bei guter Verbindungsqualität. Zudem kann man beim Telefonieren eine Freisprechanlage benützen.

gmh/uh