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17.01.2026

Börsen-Fokus: Grönland, Iran, Fed

Christopher Chandiramani zu den Berichtssaison-Aussichten: «Dividendenerhöhungen gibt es eher bei Multis, welche mit den Zöllen gut umgehen können.»
Christopher Chandiramani zu den Berichtssaison-Aussichten: «Dividendenerhöhungen gibt es eher bei Multis, welche mit den Zöllen gut umgehen können.» Bild: Linth24
Nach den Zöllen kommen neue US-Probleme: die Einwanderungspolitik, Trumps Streit mit Notenbank Fed, Grönland und ein Iran-Einmarsch. Börse kaum verändert: SMI bei 13'414 Punkten.

Präsident Trump will tiefere Leitzinsen und droht dem Chef der US-Notenbank Jerome Powell mit dem Gericht. Auf dem Spiel steht auch die Unabhängigkeit der amerikanischen Geldpolitik – und die hätte Konsequenzen für den Rest der Welt. Eine Notenbank muss die Geldpolitik nach den ökonomischen Faktoren ausrichten, nicht aufgrund politischer Wünsche.

Der US-Arbeitsmarkt schafft weniger Jobs als von Experten erwartet. Nach dem langen Shutdown gibt es nun wieder einen vollständigen Arbeitsmarktbericht. Die Notenbank blickt auf die Daten vor ihrem nächsten Zinsentscheid. Die Zollpolitik führt tendenziell zu einer Abschwächung der US-Wirtschaft. Der Arbeitsmarkt läuft weiter schleppend. Im Dezember kamen nur 50.000 neue Jobs (erwartet 60'000) ausserhalb der Landwirtschaft hinzu.

China exportiert 20 Prozent weniger in die USA – und erzielt trotzdem ein Rekordergebnis. 2025 prägten die Zölle und die globalen Konflikte den Welthandel. Chinas Export kam aber kaum ins Stocken. Andere Länder kompensierten die Lücke.

Nullzins, aber teurere Hypotheken: Für die Finanzierung rücken immer kürzere Laufzeiten in den Fokus. Die Nachfrage nach Wohnraum steigt weiter, zudem richten sich Hypotheken nach den langfristigen Kapitalmarktsätzen.

Unternehmensmeldungen

Der Sanitärhersteller Geberit hat 2025 netto 2.5 Prozent mehr umgesetzt auf CHF 3.16 Mrd. In Lokalwährungen beträgt das Plus sogar 4.8%. Im 4. Quartal hat sich das Wachstum des Sanitärtechnikkonzerns beschleunigt. Neu wird für 2025 eine operative Gewinnmarge von leicht unter 29.5 Prozent prognostiziert. Die genauen Zahlen werden am 12. März 2026 veröffentlicht.

Das auf Bauchemie spezialisierte Unternehmen Sika erzielte 2025 einen Umsatz von CHF 11.2 Mrd., der vom starken Franken belastet wurde. Das waren 4.8 Prozent weniger als 2024. Die Betriebsgewinnmarge dürfte leicht über 19 Prozent betragen, exklusive der Sonderkosten von rund CHF 90 Mio. für ein Effizienzprogramm. Der ganze Zahlenkranz wird am 20. Februar präsentiert.

Der Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli meldet für das Geschäftsjahr 2025 ein Umsatzplus von 8.2 Prozent auf CHF 5.9 Mrd. Die organische Zunahme von 12.4 Prozent liegt über den Erwartungen. Die Betriebsgewinnmarge dürfte steigen und mindestens 16 Prozent erreichen. Für das laufende Jahr wird das Umsatzwachstumsziel von 6 bis 8 Prozent bestätigt.

Der Luxusgüterkonzern Richemont hat im dritten Quartal 2025/26 (per Ende Dezember) den Umsatz 4 Prozent auf EUR 6.4 Mrd. verbessert. In Lokalwährungen ist das ein Plus von 11 Prozent. Cartiers Schmuckgeschäft ist 14 Prozent gewachsen, IWC hat 7 Prozent mehr Uhren verkauft. Gewinnzahlen und Ausblick werden später kommuniziert.

Kapitalzusagen von Kunden der Partners Group für 2025 belaufen sich auf USD 26 Mrd., 4 Mrd. mehr als 2024. Die verwalteten Vermögen sind seit Ende Juni von USD 174 auf 185 Mrd. angewachsen. Für 2026 rechnet der Vermögensverwalter mit Kapitalzusagen von USD 26 bis 32 Mrd. und weiterem Neugeldzufluss. Das ganze Ergebnis folgt am 10. März.

Im Jahre 2025 sind 32.6 Mio. Passagiere über den Flughafen Zürich gereist, eine Rekordzahl, und 4.5 Prozent mehr als in der Vorjahresperiode. Gemessen an den Passagierzahlen sind die coronabedingten Einbussen damit vollständig aufgeholt. Bei den Flugbewegungen fehlen noch 2 Prozent im Vergleich zu 2019, und auch das Frachtvolumen ist noch leicht tiefer.

Die Titlisbahnen meldet für das Geschäftsjahr per Ende Oktober eine Steigerung der Besucherzahl um 4.3 Prozent. Der Betriebsertrag ging von 85.7 auf 81.3 Mio. Fr. zurück, aber nur wegen eines Sondereinflusses im Vorjahr von CHF 8 Mio. Dieser spiegelt sich auch im Ebit und im Reingewinn, die operativ beide zugenommen haben.

Aussichten für 2026

Die Trends des Vorjahres dürften sich fortsetzen. Das Jahr 2025 war geprägt von der Aussenpolitik der USA, vor allem von den Zöllen, ein auffälliger Zickzackkurs. Die geopolitischen Probleme hielten nach wie vor an (Ukrainekrieg), neue Konflikte gibt es bezüglich Venezuela, einen Kampf ums Rohöl, in den USA selbst (Einwanderungspolitik) sowie den Streit des Präsidenten mit der Notenbank. Die USA will auch Grönland mit seinen Bodenschätzen besitzen. In Europa und vor allem Deutschland setzt sich der Abbau der Industrialisierung mit Betriebsschliessungen fort. Die Produktion wandert ab nach Asien (China). Zinssenkungspotenzial gibt es noch. Edelmetalle bleiben fest, ebenso hält die Frankenstärke an.

Die Berichtssaison hat begonnen. Umsätze werden bekanntgegeben, die detaillierten Unternehmensgewinne erst später vor den Generalversammlungen. Zahlen und Aussichten sind unterschiedlich, je nachdem gibt es Zukäufe an der Börse (z.B. Partners Group) oder Gewinnmitnahmen (Geberit, Versicherungen). Dividendenerhöhungen gibt es eher bei Multis, welche mit den Zöllen gut umgehen können (Pharmaindustrie).

Nächste Woche beginnt das WEF in Davos. Über 3'000 Persönlichkeiten (Politiker, Manager, sonstige Eingeladene) werden erwartet, 64 Staatsoberhäupter sind auf der Gästeliste, darunter vier Bundesräte, sowie auch Trump und Selenskyj. Die Sicherheitskosten sind sehr hoch, rund CHF 9 Mio., getragen durch den Kanton Graubünden und den Bund.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst Portal24
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