Josef Ebnöther wurde 1937 in Altstätten geboren. Früh zog es ihn hinaus in die Welt. Mehrere Jahre lebte und arbeitete er in Paris, wo er an renommierten Kunstschulen wie der Académie de la Grande Chaumière und der École des Beaux-Arts studierte und seinen unverwechselbaren Stil entwickelte.
Trotz dieser internationalen Prägung blieb er im Herzen stets Rheintaler – geerdet, eigenständig, mit leisem Schalk und einer unermüdlichen Neugier auf das, was sich hinter dem Sichtbaren verbirgt.
Freies Schaffen aus innerem Antrieb
Seit den 1960er Jahren arbeitete Josef Ebnöther als freier Künstler. Er malte, zeichnete und druckte – immer aus innerem Antrieb und nie aus Eitelkeit. Neben seinem freien Schaffen entstanden auch zahlreiche Werke im Bereich Kunst am Bau, darunter Wandreliefs und Glasfenster.
Zu seinen Arbeiten zählen unter anderem Projekte für die St. Josef Kirche in Kempen bei Düsseldorf (1993), die Kantonsschule Heerbrugg (1999) sowie das Schulhaus Schöntal in Altstätten (2011).
«Goldiga Törgga» und ein verschmitztes Lächeln
Als Josef Ebnöther im Jahr 2016 im Kinotheater Madlen in Heerbrugg den «Goldiga Törgga», den Anerkennungspreis der Rheintaler Kulturstiftung, entgegennahm, stand er mit einem verschmitzten Lächeln auf der Bühne, das alle Anwesenden ansteckte.
Über 200 Gäste feierten ihn und seine Schaffenskraft. Den Applaus nahm er mit jener feinen Gelassenheit entgegen, die ihn zeitlebens auszeichnete. Sein Humor war trocken, sein Blick neugierig, seine Haltung offen. Immer blitzte jener Schalk durch, der sagte: «Freut euch! – über Kunst, das Leben, den Moment.» Und auch: «Kunst kann auch trösten.»
Kunst als Raum für eigene Gedanken
Vielleicht liegt genau darin die besondere Kraft seiner Werke: Sie lassen Raum für eigene Interpretationen. In einem Gespräch mit dem Kunsthistoriker Winfried Nussbaummüller, ehemaliger Leiter der Kulturabteilung Vorarlberg und langjähriges Jurymitglied des «Goldiga Törgga», brachte Josef Ebnöther seine Haltung zur Kunst selbst auf den Punkt:
«Wenn man es schafft, dass ein Bild in einem Raum eine Betrachterin, einen Betrachter immer wieder beschäftigt, dann hat man’s erreicht. Es geht darum, dass man jemanden fesseln kann. Die Person muss ja nicht meine Ideen sehen, sondern ihre Probleme. Ich habe schon erlebt, dass Menschen sagen, ein Bild sei – je nach Stimmung – anders. Ich glaube, das ist wichtig.»
Spuren, die bleiben
Josef Ebnöther hinterlässt Spuren – nicht nur auf Leinwänden und Papier, sondern auch in den Köpfen und Herzen vieler Menschen im Rheintal, in der Schweiz und darüber hinaus. Seine Kunst bleibt eine Einladung, hinzusehen, weiterzudenken, zu experimentieren und sich daran zu laben.
Die Rheintaler Kulturstiftung verneigt sich vor einem bedeutenden Künstler, der das Rheintal mit Farbe und Zuversicht bereichert hat und über seinen Tod hinaus zeigt, dass selbst in leisen Tönen Mut und Lebensfreude stecken können. Danke, Josef Ebnöther, für deine Bilder und für die Wärme, mit der du die Welt nicht beschönigt, aber ein gutes Stück heller gemacht hast.