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Heerbrugg
23.10.2020

Weil´s dr guat got

War das ein mega Konzert mit sattem Blues direkt in die Gehörgänge! (Bilder: Ulrike Huber)
Mit einem grossartigen Auftritt der «schwärzesten Stimme Österreichs», des Dornbirner Soul- und Gospelsängers George Nussbaumer startete das diesjährige Kulturbrugg-Festival im Kinotheater Madlen.

«Wir führen durch, was durchführbar ist», so begrüsste Gastgeber Pascal Zäch vor dem George-Nussbaumer-Konzert im Kino Madlen in Heerbrugg die Zuschauer zum Start des diesjährigen «Kulturbrugg» Festivals. «Dieses Festival in dieser Zeit wird mir wohl ewig in Erinnerung bleiben, auch wenn ich Alzheimer habe.» Es sei gleich klargestellt: Es ist imponierend, wie sich die Kulturschaffenden und –veranstalter im Rheintal gegen die Coronakrise stemmen und mit maximalem Einsatz, guten Schutzkonzepten und grossem finanziellen Risiko dafür sorgen, dass Theater-, Kleinkunst- und Konzertfans nicht auf die wichtige Nahrung für Seele und Geist verzichten müssen. Ohne sich trotz Covid-19 in grosse Gefahr zu begeben. Zäch: «Die Zürcher Statistik hat gezeigt: Kinos und Theater sind sichere Orte. Kein einziger Coronafall hat sich dort angesteckt.»

George Nussbaumer, die schwärzeste Stimme Österreichs.

Schöner, schwerer Blues

Dann wurde es Zeit für George Nussbaumer und Band. Mit richtig schönem, schweren Blues. Mit einem Stimmorgan, voluminös wie der Körperbau des seit Geburt blinden Sängers. Mit einem Konzert voller wuchtiger, schöner, melancholischer und auch optimistischer Lieder. Und nicht zuletzt mit den selbstironischen, vor Witz und Lebenslust sprühenden Überleitungen zwischen den Songs. «Wenn alls no so wär wie immr, wären mir hüt o alle do. Abr mir hättn scho die neue CD mitbrocht.» Bereits zur Gänze eingespielt, werden die durch Nussbaumer und seine Band selbst komponierten und «mit Presswehen» eingespielten Nummern jetzt eben erst im Frühjahr erscheinen.

Der Maestro am Klavier wurde von Walter Schuler an der Gitarre und Markus Kreil am Bass kongenial begleitet.

Wunderbar melodiöse Ballade

Einige Titel der neuen CD wurden natürlich schon im Konzert gespielt. So das zur Zeit passende «Did anybody say it would be easy», eine wunderbar melodiöse Ballade, in der die mächtige, angenehme Stimme Nussbaumers so richtig zu Tragen kommt. Wie auch im Song «Music is my fire» das groovig-easy und cool dahinschwimmt und an einen lauen, fröhlichen und bunten Frühlingstag erinnert. Gut gelaunter Blues, ja, das gibt es auch. Grossartig das Spiel der den grossen Maestro, der selbst das Elektro-Piano bearbeitete, begleitenden Mitglieder der Band. Der im Ländle weitum bekannte Gitarisst Walter Schuler zupfte die Saiten, Markus Kreil sorgte für den stets passenden Bassrhythmus und Lukas Bitschnau trommelte in seiner Schiessbude so, wie es nicht viele Drummer tun. Nämlich einfühlsam und sich nie in den Vordergrund spielend.

Drummer Lukas Bitschnau sorgte für den richtigen Drive.

Ein langer Nachtflug im Auto

Bei der Nummer «Drive» war es tatsächlich so, wie Nussbaumer den Song angekündigt hatte. Man stellte sich beim Zuhören vor, auf einem langen Nachtflug im Auto zu sitzen und sich zu wünschen, das aus dem Radio kommende smoothe und mit Countryanklängen versetzte Stück Musik wolle nie mehr aufhören. Zum Schluss gab es als Zugabe den Gute-Laune-Blues «Weil´s dr guat got». Jener Song, mit dem George Nussbaumer 1996 für Österreich am Songcontest teilgenommen hatte. Rang zehn als erster Blinder, der bei diesem Wettsingen Erfolg hatte, noch dazu mit einem Lied im europaweit unverständlichen Vorarlberger Dialekt. Nussbaumer verabschiedete sich noch mit einem Bonmot: «I fühl mi do im Madlen sauwohl, wia immr im Kino. Danke Pascal, danke Denise, danke allen Mitarbeitern des Madlen, dass sie diesen Auftritt ermöglicht haben.»

  • Nussbaumer und seine Band sorgten für einen phantastischen ersten Konzertabend beim Kulturbrugg-Festival im Madlen.
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  • Walter Schuler und seine Gitarre sind bei den Musikfans im Ländle gut bekannt.
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  • George Nussbaumer und Gitarrist Walter Schuler komponieren auch die meisten Songs.
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  • Der Bass wurde von Markus Kreil gezupft.
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Das weitere Programm beim Kulturbrugg Festival vom 24.10. bis 30.10.2020

Wie geht’s weiter beim Kulturbrugg-Festival?

Achtung an alle Fans von Adrian Stern, der schon am Samstagabend um 20.00 Uhr mit Band, dem neuen Album „Meer“ und viel Power ein Konzert geben wird.

Das weitere Programm:

Sonntag, 10.30 Uhr, Il Trovatore – Opera im Kino

Montag, 20.00 Uhr, Veit Lindau – Erfolgreicher Umsetzer und Freigeist mit einem provokanten liebevollen Vortrag

Dienstag, 20.00 Uhr, Tobias Heinemann – Gedankenleser

Mittwoch und Donnerstag, jeweils 20.00 Uhr, Simon Enzler – Appenzeller Kabarattist der Extraklasse

Freitag, 20.00 Uhr, Marius Bear – Appenzeller Newcomer des Pophimmels.

 

gmh/uh