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Bildung
23.10.2020

«Das richtige Talent am richtigen Ort»

Ivo Riedi, Leiter Berufsbildung SFS Group, hat an massgebender Stelle seitens der Wirtschaft am «Regionalen Berufswahlkonzept» mitgewirkt (Bilder: Ulrike Huber)
Die Oberstufenschulen des Rheintals und der Arbeitgeberverband Rheintal haben das gemeinsam erarbeitete Regionale Berufswahlkonzept präsentiert.

Seit Jahren beschäftigen die immer gleichen Probleme alle, die mit Lehrstellen, deren Besetzung und der Vorbereitung der jungen Menschen auf ihre Zukunft beschäftigt sind. Alle beteiligten Anspruchsgruppen sind im Berufswahlprozess derzeit stark gefordert: zu viele Informationsangebote, steigender Aufwand zur Besetzung der Lehrstellen und unveränderter Druck zur (zu) frühen Vergabe der Lehrstellen führten zu einer Unzufriedenheit vieler Akteure.

Vorstandsmitglied AGV Rheintal & SFS Group Claude Stadler definierte in kurzen Worten das Ziel des Regionalen Berufswahlkonzepts.

Interdisziplinäre Arbeitsgruppe

Die Rheintaler Oberstufenschulen haben gemeinsam mit dem Arbeitgeberverband Rheintal eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe mit der Ausarbeitung eines regionalen Berufswahlkonzepts beauftragt, welches diese Missstände adressieren soll. Die Arbeitsgruppe präsentierte in der Aula der OMR Heerbrugg den erarbeiteten Lösungsansatz vor zahlreichen Vertretern aus Schule und Wirtschaft.  Die breite Diskussion über dieses Zwischenergebnis soll die Basis zur Finalisierung und Umsetzung des Konzepts liefern.

Kantonsrat Sandro Hess gab als Schulleiter der Oberstufenschule Feld in Altstätten einen Rückblick auf die Ausgangslage.

Zusammenarbeit als Highlight

Das Vorstandmitglied des AGV Rheintal & SFS Group Claude Stadler berichtete in seiner Begrüssung der Anwesenden über den bisherigen Prozessfortgang: «Es kamen alle an einen Tisch, die an diesem Thema Interesse haben. Die Zusammenarbeit dieser verschiedenen Gruppierungen habe ich als Highlight empfunden.» Und Stadler brachte das Ziel des «Regionalen Berufswahlkonzepts» mit einem einfachen Satz auf den Punkt: «Das richtige Talent soll an den richtigen Ort». Kantonsrat Sandro Hess, Schulleiter der Oberstufenschule Feld in Altstätten, definierte die Ausgangslage der Beratungen. Neben dem neuen Lehrplan 21 war es vor allem die Unzufriedenheit vieler mit der derzeitigen Situation, mit der oft zu frühen Lehrstellenvergabe und den inzwischen zu vielen Informationsveranstaltungen für die Schüler. Zudem hatte der Kanton den Schulen den Auftrag erteilt, ein zukunftsfähiges Konzept für die Berufswahl zu erstellen.

Der Widnauer Schulratspräsident Richard Dünser moderierte die an die Präsentation anschliessende Diskussion.

Von Angeboten überflutet

Der Leiter der Berufsbildung der SFS Group Ivo Riedi, der an massgebender Stelle seitens der Wirtschaft an der Erstellung des nunmehr vorliegenden Konzept-Zwischenergebnisses mitgewirkt hat, oblag die Präsentation der vorliegenden Ergebnisse sowie des weiteren geplanten Vorgehens. «Lehrpersonen und Schüler werden derzeit von Angeboten im Kampf um geeignete Lernende überflutet: zu viele Hausmessen, zu viele Veranstaltungen wie OBA, CIR oder KSH.» Die vom Kernteam erarbeitete Idee dazu: eine einzige regionale Berufsmesse mit allen Akteuren.

  • Zahlreiche Besucher aus Schule und Wirtschaft liessen sich über das regionale Berufswahlkonzept informieren.
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  • Bei der Live-Übertragung der Präsentation ins Netz gab es kleinere technische Probleme.
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  • Anschliessend an die Präsentation entwickelte sich eine rege Diskussion mit dem Publikum.
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Nicht immer wirklich sinnvolle Tagespraktika

Weiters sollen die ausufernden und nicht immer wirklich sinnvollen Tagespraktika nach Möglichkeit auf Mittwochnachmittag gebündelt und auf die Kalenderwochen 47 bis 51 und 2 bis 8 konzentriert werden. Und Schnupperlehren sollte es künftig nur mehr ab dem zweiten Semester der zweiten Oberstufenklasse geben. «Unsere Vision für die Zukunft ist aber eine breite Web-Plattform, auf der sich Unternehmen und Schüler vorstellen können. Auf der man bspw. Anmeldungen, Auswertungen der Schnupperlehre, eine Art Partnervermittlung, also ein «Matching», eine Prüfung, zu welchem Beruf die Fähigkeiten und Neigungen eines Schülers passen, und eine Ausschreibung der Veranstaltungen und Lehrstellen integrieren kann.» Wobei diese Web-Plattform auch die Vielzahl an Bewerbungen ersetzten könnte, indem die Schüler ihre Daten und Unterlagen nur einmal eingeben müssten. «Das Wichtigste dabei ist natürlich der Datenschutz, dieser muss unabdingbar garantiert sein!»

Wie geht es weiter?

Richard Dünser, Schulratspräsident von Widnau, führte anschliessend durch die Diskussion und Fragerunde über das vorliegende Berufswahlkonzept, an der sich nicht nur die Anwesenden im Saal, sondern auch die über Internet an der Veranstaltung teilnehmenden Personen rege beteiligten. Wie es weitergeht? Claude Stadler fasste es in kurzen Worten zusammen: «Es gibt noch viel Arbeit.»So wird derzeit wird ein geeigneter Provider für die geplante Web-Plattform gesucht.

gmh/uh