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14.10.2020

Schmitter: Verletzungs- und sturzfrei zur Topleistung

Domi #9 auf dem Weg in die Top 3 der IDM (Bild: zVg)
Der Rheintaler Superbikepilot Dominic Schmitter hat eine kurze, aber intensive Rennsaison hinter sich. Ein Rückblick auf ein ungewöhnliches Jahr.

«Ich wäre ja eigentlich dafür gewesen, diese Saison nur zu testen und rennfrei zu halten. Und nächste Saison wieder eine normale komplette Rennserie zu fahren. Denn es ist immer besser, etwas Ganzes als etwas Halbes zu machen. In jedem Bereich des Lebens.» Womit Dominic Schmitter bereits zu Beginn des bei ihm zuhause im eigenhändig renovierten und ausgebauten Heim bei einem deftigen Raclette geführten Interviews klar machte, wie er die Dinge angeht. Gemeint hatte er die Motorradrennsaison. Denn verursacht durch die Coronamassnahmen gab es bis Anfang August wie in so vielen Sportarten keine Veranstaltungen und keine Rennen.

Eine der stärksten Superbike-Meisterschaften

Übrig blieben vier Wochenenden in der IDM, der internationalen Deutschen Meisterschaft für Superbikes. Also jene angeblich seriennahen Monsterbikes mit 1000 ccm und einer Leistung, die annähernd jener der MotoGP-Bikes entspricht. Wobei die IDM weltweit hinter der SBK-WM eine der stärksten, wenn nicht die stärkste Meisterschaft ist. Mit Fahrern, die in allen internationalen Serien gut mithalten könnten. Die insgesamt acht Rennläufe wurden dieses Jahr von Jonas Folger, einem deutschen Piloten, der noch vor kurzer Zeit in der MotoGP im Spitzenfeld mitgefahren ist, dominiert. Zeitenmässig nur knapp hinter ihm und zudem der einzige Pilot des Fahrerfeldes, der Folger in einem Qualifying hinter sich lassen konnte, war der Altstätter Dominic Schmitter. Der auch als Gesamtdritter der IDM-Meisterschaft ein aussergewöhnlich gutes Ergebnis ablieferte und mehrmals vom Siegertreppchen winken durfte.

Mehrere Male konnte Dominic Schmitter diese kurze Saison vom Siegertreppchen winken.

Professioneller Livestream

«Die Rennen waren mega gut organisiert, man hat sich mit dem absolut professionellen Livestream mit durchschnittlich über 60´000 Usern selbst übertroffen», berichtet Schmitter über den grossen Zuspruch der Fans und die Popularität der Serie, «aber leider ohne Zuschauer vor Ort und ohne Gäste im Paddock. Wo doch der Sport allgemein von den Zuschauern lebt.» Die Zeit von März bis Juni war für den Profisportler natürlich ernüchternd. «Gerade die ersten zwei, drei Wochen des Lockdowns waren sehr hart. Ich war fit und motiviert für die Saison, hatte viel Arbeit hineingesteckt und dann wird abgesagt. Da wurde ich fast depressiv. Habe aber die Ansteckungsgefahr so niedrig gehalten wie möglich, nur noch zuhause trainiert. Denn bei positiver Testung ist ja das ganze Team erfasst und würde temporär zugesperrt, das kann ich mir nicht leisten.»

Absolut konkurrenzfähiges Superbike

Apropos Team. Die Mannschaft von Hess Racing, eine Tochter des Schweizer Yamaha-Importeurs Hostettler Group, leistete ganze Arbeit und stellte Schmitter eine absolut konkurrenzfähige Yamaha YFZ-R1 hin. «Die Leute bei Hess Racing lesen mir jeden Wunsch von den Lippen ab. Am zweiten Rennwochenende am Sachsenring habe ich das Gefühl gehabt, mein Töff sei ein «Montagsbike». Wie in einer nicht wirklich gut laufenden Beziehung muss man dann gleich Schluss machen. Was man bei Hess dann gemacht hat: innerhalb von nur zwei Tagen wurde ein komplett neuer Töff aufgebaut und stand pünktlich zum Trainingsbeginn am Lausitzring zur Verfügung.»

Auch als Gastgeber zuhause der absolute Profi: der Altstätter Dominic Schmitter (Bild: Ulrike Huber)

Dritter Rang in der Gesamtwertung IDM

Mit Hess Racing, dem ersten Team aus der Schweiz, das in der IDM so weit vorne mitrittern konnte, und seinem dritten Rang in der Gesamtwertung hat der schnellste Rheintaler auf zwei Rädern auch für seine Sponsoren werbemässig das Beste herausgeholt. «Jetzt beginnt für mich die anstrengendste Zeit des Jahres. Ich bin ja mein eigener Manager und mache in den nächsten Wochen die Gespräche mit meinen Werbepartnern, da bin ich zum Teil mehr als vierzehn Stunden täglich unterwegs.» Wobei der Plan für nächstes Jahr bereits feststeht. Man wird sich auf die IDM konzentrieren, deren neun Rennwochenenden bereits terminisiert sind. «Wir werden mit dem Team immer eine Woche vorher einen Vortest fahren, sodass insgesamt 18 Wochenenden zusammenkommen, da bleibt kein Platz für andere Serien.»

Neue, bessere Elektronik

Yamaha wird beim selben, erfolgreichen Modell bleiben, das ja auch vom Seriensieger Jonas Folger gefahren wurde. Allenfalls wird eine neue, bessere Elektronik kommen. Und am Fahrwerk gibt es immer etwas zu Tüfteln und an Feineinstellungen zu finden, mit denen man noch konkurrenzfähiger wird. «Ich habe dieses Jahr viel von Jonas Folger gelernt und werde mich nicht darauf hinausreden, dass dieser das bessere Töff hatte, weil es einfach nicht stimmt. Er selbst ist einfach absolut top und hat nach einem Burnout wieder zu seiner Höchstform gefunden. Es ist höchst ehrenvoll, dass ich zuletzt über die ganze Renndistanz in Hockenheim nur fünf Sekunden hinter ihm lag. Ich muss einfach noch mehr von ihm lernen und das auch umsetzen. Im Training bin ich viel hinter ihm hergefahren und habe mir alle seine Manöver angeschaut.»

Heute noch Rundenrekordhalter

Nur mehr langfristig sieht Dominic Schmitter sein Ziel in der SBK-WM. Und nur, wenn er dort in einem absolut konkurrenzfähigen Team fahren kann. «Es macht viel mehr Spass und ist die bessere Werbung für meine Sponsoren, wenn ich in der IDM unter den ersten Drei bin, als in der WM in den Rängen 8,9 oder 10 herumfahre.» Worauf sich Schmitter im kommenden Jahr besonders freut? Auf das Rennwochenende auf dem Red Bull Ring im österreichischen Spielberg, «denn dort halte ich heute noch den Rundenrekord bei den 600 ccm Bikes.» Was ihn schneller gemacht hat? «Dieses Jahr war ich sturz- und verletzungsfrei unterwegs und bin mehr mit dem Kopf gefahren. Sobald ich merkte, es wird nichts mit dem Podest habe ich ohne grosses Risiko Meisterschaftspunkte ins Trockene gebracht. Denn die Meisterschaft ist das Wichtigste. Nur das zählt.»

gmh/uh