Montag, 25. November 2024, war «Orange Day» Was das ist? Der Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen ist ein jährlich am selben Datum abgehaltener Gedenk- und Aktionstag zur Bekämpfung von Diskriminierung und Gewalt jeder Form gegenüber Frauen und Mädchen. Seit 1981 organisieren Menschenrechts- und Frauenorganisationen jedes Jahr am Orange Day Veranstaltungen, bei denen die Einhaltung der Menschenrechte gegenüber Frauen und Mädchen thematisiert wird.
Häusliche Gewalt – das Problem unter der Oberfläche
Erste Veranstaltung zu diesem Thema
So auch die Frauen des Soroptimist Clubs St.Galler Rheintal. Mit einem Film- und Diskussionsabend im Diogenestheater Altstätten. «Es ist dies die erste Veranstaltung zu diesem Thema im Rheintal», präzisierte Christa Köppel in ihrer Begrüssungsrede, «ein Thema, das nicht im kleinen Kreis behandelt werden sollte, sondern alle etwas angeht.» Umso bedenklicher, dass sich unter den vielen Zuhörerinnen nur zwei Männer im Publikum befanden, den Berichterstatter eingeschlossen.
Denn eigentlich sollte gerade das Thema «Häusliche Gewalt» ein «männliches» Thema sein. Ist das «starke Geschlecht» doch der Urheber dieser Form von Gewalt an Frauen in beinahe neunzig Prozent der Fälle. Was dann auch der eingangs der Veranstaltung gezeigte halbstündige Film «Bella mia» der Schweizer Filmschaffenden Gertrud Pinkus auf die Leinwand brachte.
Mit Eifersucht in Richtung Abgrund
In traumsequenzhaften Bildern «unter Wasser», also unter der Oberfläche, erzählt der Film die wohl typische Geschichte eines Paares, das sich langsam vom grossen anfänglichen Glück in Richtung Abgrund bewegt. Grund ist die unbegründete Eifersucht des Mannes. Und Eifersucht ist eine Kraft, die mit Eifer Leiden schafft. Eine Kraft, die im Film letztlich sogar zu häuslicher Gewalt und dem Tod der jungen Frau führt.
Höchst interessant, wie dem modernen Frauenbild immer wieder das traditionelle Rollenklischee von früher gegenübergestellt wird. Verkörpert durch die «Nonna» der weiblichen Hauptfigur, die in ihren Telefonaten immer wieder durchscheinen lässt, dass es doch völlig normal sei, wenn ein Mann seine Frau dominiere, sei es auch mit Gewalt.
Nur zwanzig Prozent der tatsächlichen Fälle
Doch dieses alte Rollenklischee wird immer mehr aufgeweicht. Was man an der stark steigenden Anzahl an Meldungen über häusliche Gewalt sehe, die die Polizei erreichen, wie in der anschliessenden Podiumsdiskussion von Dionys Rohner, im Bedrohungs- und Risikomanagement der Kantonspolizei St.Gallen tätiger Beamter, bestätigt wird. «Die Polizei kann erst kommen, wenn wir von den Opfern oder Verwandten, Freunden oder Nachbarn informiert werden. Was immer öfter passiert. Im Jahr 2023 wurden durch unsere Streifenpolizisten 1`732 Interventionen bei häuslicher Gewalt durchgeführt. Wobei wir aber davon ausgehen, dass dies nur etwa zwanzig Prozent der tatsächlichen Fälle sind.»
Ziel bei einem solchen Polizeieinsatz sei es, die Situation zu deeskalieren. Dazu würden die Sicherheitsbeamten bereits mit dem Schwerpunkt häusliche Gewalt ausgebildet. Als zusätzliche Mittel stünden die Wegweisung, die Verhängung eines Kontakt- oder Annäherungsverbotes und als letzte Konsequenz eine Inhaftierung des Gewalttäters zur Verfügung.
Frauen in Bedrängnis
Annemarie Grünig, seit vielen Jahren als Leiterin zunächst des Frauenhauses Graubünden und aktuell des Frauenhauses in Liechtenstein, berichtete aus ihrer Tätigkeit. «Wir achten sehr darauf, dass die Kontaktaufnahme von Frauen in Bedrängnis zu uns niederschwellig bleibt. Es darf jede Frau kommen, die des Schutzes bedarf. Mit ihren Kindern. Wobei die Aufnahme männlicher Teenager-Kinder besonders geprüft wird.» In Liechtenstein wie auch in Graubünden würden jeweils drei Plätze zur Verfügung stehen. Im Kanton St.Gallen zwischen 20 und 25 Plätzen. «Wenn es voll ist, bemühen wir uns um Übergangslösungen.»
Die Opfer haben auch die Möglichkeit, sich an die Opferhilfe zu wenden. Als deren Vertreterin war Rebekka Forster an der Podiumsdiskussion beteiligt. «Etwa die Hälfte der bei uns Hilfesuchenden sind Opfer häuslicher Gewalt. Wir hören genau zu, schätzen die Situation ein und leisten vielfältige Hilfe. Ob mit finanziellen Mitteln, Psychotherapie oder Überweisung an andere Institutionen.»
Gewalt im digitalen Raum
Lange drehte sich die Diskussion auch um die immer mehr zunehmende Gewalt im digitalen Raum. «Wir hatten schon einige Frauen, die von ihren Partner „getrackt“ worden waren. Einmal fanden wir einen solchen Tracker, über den jederzeit die genaue Position der überwachten Frau festgestellt werden kann, sogar in einen Kinderwagen eingenäht.» Dionys Rohner ergänzte aus seiner Praxis, «Gewalt im Netz ist ein Dauerthema, da es inzwischen wahnsinnig viel Möglichkeiten gibt, wie man Menschen überwachen kann.»
Zusammenfassend stellte Christa Köppel fest, dass Gewalt gegen Frauen in der Gesellschaft nicht geduldet werden dürfe. Und alle waren sich einig: Schade, dass die Männer nicht zu solchen Veranstaltungen kommen. Und schade, dass oft die Kinder beim Thema häusliche Gewalt vergessen werden.