«Sehen ist Vertrauen, in Wirklichkeit aber ist Vertrauen Sehen», brachte der Berufsbergsteiger Andy Holzer bei seinem Vortrag im Rahmen der beliebten KMU-Profil-Veranstaltung der SGKB am Donnerstagabend im Sonnensaal in Altstätten sein Leben auf den Punkt. Denn von Geburt an musste der blind zur Welt gekommene Osttiroler anderen Menschen vertrauen. Besonders natürlich bei seinen Bergtouren auf die Giganten und höchsten Gipfel dieser Erde.
Blind auf dem Mount Everest
Abseits der vorgezeichneten Wege
Holzer berichtete mit viel Humor über seine Kindheit, über seine Eltern, die ihm und seiner ebenfalls blind geborenen Schwester mit viel Engagement ein Leben und eine Bildung abseits der an und für sich vorgezeichneten Wege für blinde Menschen ermöglicht haben. Mit zahlreichen Anekdoten zeichnete er sein Leben greifbar und verständlich für uns «Sehende» nach.
So nannte er als blindes Kind als Wunsch an das Christkind, dass Skier unter dem Weihnachtsbaum stehen sollten. Was dann auch geschah. Und – kaum zu glauben – Andy Holzer wurde ein guter Skifahrer, der inzwischen auf Skiern sogar vom Mount McKinley, dem höchsten Berg Alaskas mit Skiern abgefahren ist. «Auch heute noch fühlt sich der Fünfjährige in mir wohl. So konnte ich mir den Leichtsinn und das Wildsein eines Kindes bewahren.» Und Holzer richtet auch heute noch seine Entscheidungen danach aus. Was er auch jedem KMU-Verantwortlichen empfehle.
Beinprothesen und Blindheit
Auf Wanderungen und ersten leichten Klettertouren mit seinen Eltern lernte er das Bergsteigen. Was zu einem entscheidenden Erlebnis im Juli 2005 führte, als er mit zwei ihm zunächst fremden Amerikanern, einer davon mit zwei Beinprothesen und ein weiterer blinder Mensch eine Klettertour über eine vierhundert Meter aufragende steile Felswand im Gebiet der «Drei Zinnen» in den Dolomiten vereinbarte und verwirklichte. «Das war eine kurze Entscheidung: ein beidseitig Beinamputierter als Führer und zwei Blinde als Sicherungspersonal, das war das perfekte Personal». In einem mehr als eindrücklichen Video konnten die Besucher im Sonnensaal diese Megaleistung nachvollziehen.
«Wenn alle Passanten sagen, es geht nicht, dann bist Du auf dem richtigen Weg», gab der Profibergsteiger seine Erkenntnis aus dieser Klettertour den anwesenden KMU-Vertretern weiter. «Bei Entscheidungen nicht an die Voraussetzungen denken. Sich nicht von den Rahmenbedingungen bremsen lassen, das kannst Du gleich vergessen. Ich habe noch nie meine Beine oder einen Schritt von mir gesehen, dennoch mache ich einen Schritt nach dem anderen.»
Eislawine und Erdbeben
Andy Holzer plädierte für den vermehrten Einsatz der emotionalen Intelligenz – «die grösste Kraft, die ein Mensch haben kann», amüsierte mit seinen ersten Erfahrungen mit dem weiblichen Geschlecht und kam schliesslich auf den Höhepunkt in seinem Leben, der Besteigung des Mount Everest als zweiter blinder Mensch überhaupt, zu sprechen. Nach zwei wegen einer Eislawine sowie eines Erdbebens abgebrochenen Versuchen in den Vorjahren, gelang es ihm im Mai 2017 mit seinem aus Dorfkollegen zusammengestellten Expeditionsteams den Gipfel des höchsten Berges der Welt zu erreichen.
Den Aufstieg und Gipfelsieg dokumentierte Holzer mit faszinierenden Bildern auf der grossen Leinwand. Was ihn letztlich so weit gebracht habe: «Dynamische Führung und gepflegte Abhängigkeit». Wobei er unter gepflegter Abhängigkeit versteht, wenn gemeinsam etwas erreicht werden kann, was alleine nicht erreicht hätte werden können.
Faszinierender Vortrag
Markus Thür, Geschäftsstellenleiter der St.Galler Kantonalbank in Altstätten, der bereits die rund 100 erschienenen Kunden der Bank begrüsst hatte, bedankte sich bei Andy Holzer für seinen faszinierenden Vortrag und lud die Anwesenden ein, sich bei einem Apéro riche noch über die gewonnenen Erkenntnisse zu unterhalten oder mit dem blinden Profibergsteiger das persönliche Gespräch zu suchen.