Es kann dem Kulturforum Berneck mit Beda Germann an der Spitze nicht hoch genug angerechnet werden, dass man es immer wieder schafft, Künstler von internationalem Format, ja sogar von Weltrang, nach Berneck zu bringen. So auch wieder am späten Sonntagnachmittag, als Julius Aria Sahbai mit seiner Violine und Karina Aksenova am Piano ein aussergewöhnliches, ja geradezu fulminantes Konzert in der evangelischen Kirche gaben.
Violinspiel und Piano in Perfektion
Aufregendes, schillerndes Werk
Gespielt wurden dabei eher unbekannte Werkstücke bekannter Komponisten. Wie etwa gleich zu Beginn das «Theme Original Varié», op 15, von Henryk Wieniawski. Diese Komposition, ein «aufregendes, schillerndes Werk, das die Vielfalt der Klangfarben der romantischen Violine zeigt», wie es im Programmfolder hiess, bot Julius Sarai die Möglichkeit, sein stupendes Können zu demonstrieren. Denn Sarai ist alles andere als ein seriöser André Rieu oder David Garett. Er ist vielmehr als Epigone von Nicola Paganini, dem «Teufelsgeiger» zu sehen.
Was er in Berneck von Anfang an beweisen konnte. Sein Bogenstrich entlockte seiner Violine Töne in allen Oktaven. Manchmal zart fordernd, dann wieder resolut und bestimmt. Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt. Oder die Sinne schmeichelnd, wie in dem von Edward Elgar komponierten «Liebesgruss». Eine Komposition, die Elgar als Verlobungsgeschenk seiner Angebeteten widmete. Was man auch hören konnte. Selten einmal hat eine Violine so liebevoll geschmachtet.
Von Zigeunerweisen inspiriert
Da war Maurice Ravels Komposition «Tzigane» dann ganz andere Kost. Ein schwierig zu hörendes Stück, von Zigeunerweisen inspiriert. Wenig gehörgefällig und doch faszinierend, bot es doch Julius Sahbai wieder die Möglichkeit, seine wohl unendlichen Fähigkeiten auszupacken und, wie es bereits der Titel des Konzerts versprochen hatte, dem Publikum «Virtuose Zauberei auf der Geige» zu bieten. Begleitet wurde Sahbai von der ebenfalls grossartigen Karina Aksenova auf dem Piano.
Mit der «Meditation aus der Oper Thais» folgte der wohl erfolgreichste Konzerttitel von Komponist Jules Massenet und einer der beliebtesten Titel für Geigenvirtuosen auf der ganzen Welt. Töne, die sich in die Gehörgänge schmeicheln und den geneigten Zuhörer mitnehmen auf ein innere Reise, die im sentimentalsten Stil des Fin de Siècle gehalten ist.
Virtuoses Prunkstück
Bevor die beiden grossartigen Musiker vom Bernecker Publikum mit donnerndem Applaus zu gleich zwei Zugaben angehalten wurden, spielten Julius Sahbai und Karina Aksenova noch ein virtuoses Prunkstück für Violine und Orchester, nämlich «Carmen Fantasy». Die Musik basiert auf verschiedenen, jedem Musikfan bekannten Themen aus Georges Bizets «Carmen». Erstaunlich und faszinierend, wie Komponist und Künstler aus wechselnden Tempis immer wieder in diese Themen zurückfanden.
Ein weiterer Höhepunkt eines an Höhepunkten reichen Konzertabends.