Das Drosselstauwerk bei Dreibrücken (Balgach) soll 50 Millionen Franken kosten.
Bei Hochwasser soll das Drossel-System Wasser im Binnenkanal stauen. Damit es in Siedlungsgebieten nicht zu Überschwemmungen kommen soll, wäre vorgesehen, Kulturland der Landwirte durch das Drossel-System gezielt zu überfluten; im Maximum bis zu 138 Hektaren, was einer Fläche von 188 Fussballfeldern entspricht.
Das Überschwemmungsgebiet würde eingedämmt durch Erhöhungen entlang den umgebenden Strassen.
Im oben genannten Bericht ist erwähnt, das überflutete Land nach einem Hochwasserereignis mittels «smarter Drainage» zu entwässern. Oder bei zu erwartender Trockenheit das Wasser im Rohrsystem zurückzuhalten. Würde das Wasser aus der Überflutungsfläche wieder zurück in den Binnenkanal gepumpt, wäre es dann bei einer nachfolgenden Trockenperiode doch nicht mehr vorhanden? Es ist sehr fraglich, ob mit der «smarten Drainage» das Wasser bei Trockenheit zur rechten Zeit am rechten Ort verfügbar ist?
Welche Kulturland-Flächen sollen vom Rohrsystem der «smarten Drainage» abgedeckt werden?
Lediglich das Überflutungsgebiet, oder auch weitere Flächen? Wie das Wasser aus dem Rohrsystem, im Bereich der 138 Hektaren, gegen Trockenheit nutzbringend eingesetzt werden soll, ist selbst den Projektverantwortlichen noch nicht klar. Könnte mittels «smarter Drainage» auch Wasser auf Kulturflächen ausserhalb des Überflutungsgebietes hinausgeleitet werden – und wenn ja, wie viele Kubikmeter? Für grossflächige Bewässerung von Kulturland, beispielsweise eines Raumes Oberriet bis Widnau, bräuchte es im Verlauf einer Trockenperiode schätzungsweise Zehntausende Kubikmeter.
Wesentlich sicherer und effektiver als ein Drosselstauwerk bei Dreibrücken sind Rückhaltebecken in den Oberläufen des Binnenkanals, namentlich auch in der Rietach. Damit können Überschwemmungs-Ereignisse in Siedlungsgebieten und im Kulturland ab dem Rückhaltebecken flussabwärts vermieden werden. Um bei Trockenheit das Kulturland grossflächig zu bewässern, bieten die Rückhaltebecken ausreichend Wasser. Ebenfalls ist es als Löschwasser und für weitere Bedürfnisse verfügbar.
Gesamtheitlich ergeben Rückhaltebecken einen wesentlich höheren Nutzwert als das geplante Drosselstauwerk inklusive extra Massnahmen gegen Trockenheit.
Am 19. August 2022 hat ein Starkregen etliche Untergeschosse in Widnau überflutet
Durch die Feuerwehr mussten mehrere Räume ausgepumpt werden. Das Drosselstauwerk hätte diese Überflutung nicht verhindert, weil der Wasserstand des Binnenkanals dannzumal noch 80 cm unter der Dammkrone lag. Die Ursache war Starkregen, der innert Kürze angefallen ist und nicht innert nützlicher Frist weggepumpt werden konnte. Dabei müsste geklärt werden, wohin Meteorwasser/Wasser durch Starkregen gepumpt werden soll. Im Hinblick auf zukünftige Wasserknappheit müsste Meteorwasser gespeichert werden, damit es im Bedarfsfall verfügbar ist.
Warum wird die Kanalisation in Widnau nicht zuerst saniert und erst danach, oder allenfalls zeitlich parallel dazu, ein System am Binnenkanal ausgearbeitet, welches wirksam gegen Hochwasser schützt und wirksame Massnahmen gegen Trockenheit enthält?
Die vorgeschlagene Lösung Drosselstauwerk würde enorme Eingriffe in das Terrain erfordern. Insgesamt wären kilometerlange Dämme entlang der Rietstrasse Balgach – Diepoldsau und bei einigen Rietstrassen vorgesehen. Für die Landwirte wären derartige Dämme und die vorgesehenen Überhöhungen von Strassen erschwerend betreffend Zufahrt zu den zu bearbeitenden Kulturflächen.
Das Kulturland soll bei Hochwasser mit bis zu 700 000 Kubikmeter gezielt überschwemmt werden
Bekanntlich ist der Torfboden äusserst sensibel. Würde er derartige Torturen ertragen? Was würde betreffend Biodiversität passieren? Was täten die Landwirte, wenn unglücklicherweise innert wenigen Jahren nacheinander mehrere Überschwemmungen einträten und das Land dann entsprechend mehrere Jahre lang nicht mehr bearbeitbar wäre?
Was würden die Landwirte machen, wenn ihre Äcker gegen Hochwasser geschützt wären, aber trotz vorhandenem Drosselstauwerk mit «smarter Drainage», bei Trockenheit in weiten Teilen kein Wasser zum Bewässern verfügbar wäre?
Über alles betrachtet weist das geplante Drosselstauwerk zu viele Nachteile auf, als dass man dafür 50 Millionen Franken ausgeben soll.