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Altstätten
07.07.2023

Christoph Dürr sagt nach 40 Lehrer-Jahren «Adieu»

Christoph «Cin» Dürr in seinem Klassenzimmer im Schulhaus Kirchfeld in Lüchingen. Hier unterrichtete der Primarlehrer während 33 Jahren seine Schülerinnen und Schüler.
Christoph «Cin» Dürr in seinem Klassenzimmer im Schulhaus Kirchfeld in Lüchingen. Hier unterrichtete der Primarlehrer während 33 Jahren seine Schülerinnen und Schüler. Bild: Ralph Dietsche
Mit gut 63 Jahren verabschiedet sich Christoph Dürr aus seinem aktiven Berufsleben. Der Primarlehrer blickt auf eine erfüllte Karriere zurück und freut sich auf den neuen Lebensabschnitt. Langweilig wird es ihm mit Bestimmtheit nicht werden.

Die meisten kennen ihn unter seinem früheren Pfadinamen «Cin»: Den Primarlehrer Christoph Dürr. Während 33 Jahren unterrichtete er in Lüchingen in demselben Klassenzimmer. Zuvor war der in Altstätten aufgewachsene Lehrer während sieben Jahren an der Primarschule in Kriessern tätig.

Was ihn in seinen Jugendjahren zum Lehrerjob führte, kann sich Christoph Dürr nicht mehr genau erinnern: «Mein Bruder war Lehrer und meine ältere Schwester Kindergärtnerin. Vielleicht war auch mein Engagement als Pfadileiter mit ein Grund für meine Berufswahl.»

Besonders geschätzt an seiner Lehrertätigkeit hat er den Kontakt zu den Kindern sowie das selbständige Arbeiten. Nebst dem Unterricht konnte «Cin» seine Aufgaben wie beispielsweise die Vorbereitung und Nachbereitung zeitlich selbst einteilen. Ein Privileg, das nicht viele Jobs bieten.

Sport als Ausgleich

Genauso wie die Gesellschaft und Wirtschaft ist auch das Schulwesen im ständigen Wandel: «Wir Lehrer müssen mitmachen und von allen Reformen das Beste herausnehmen. Am Schluss geht es darum, dass wir unseren Schülerinnen und Schülern möglichst viel mit auf den Weg geben und diese auf die Selbständigkeit vorbereiten.»

Wobei er die Bedeutung der Schule gleich etwas relativiert: «Es gibt Leute, die heute ein Geschäft führen oder eine Führungsposition inne haben, bei denen ich mir dies zu ihrer Schulzeit nie hätte vorstellen können.» Solche persönliche Entwicklungen brachten ihn manchmal zum Nachdenken und zeigten dem langjährigen Lehrer auf, dass die Schule nicht «alles» ist.

Den Ausgleich zum Lehrerdasein fand «Cin» in seinem Engagement als Leichtathletik-Trainer: «Dort arbeite ich mit älteren Jugendlichen. Der grosse Unterschied ist, dass die Sportlerinnen und Sportler freiwillig ins Training kommen und sich weiterentwickeln sowie Ziele erreichen wollen.»

Entsprechend interessiert verfolgte und verfolgt Christoph Dürr die Karrieren vom ehemaligen Bob-Anschieber Marco Tanner oder der Leichtathletin Riccarda Dietsche. Wobei er lachend anführt: «Zu ihrem sportlichen Erfolg habe ich nichts beigetragen.» Dafür vielleicht zur Berufswahl, denn Riccarda Dietsche ist heute ebenfalls als Lehrerin tätig.

Von der Sechstagewoche zur Fünftagewoche

Über die vier Jahrzehnte hat sich im Schulbetrieb viel verändert. Einerseits wurde der Schuljahresbeginn vom Frühling auf den Sommer verschoben, andererseits wurde der Betrieb von der Sechstagewoche zur Fünftagewoche umgestellt. «Heute ist es kaum mehr vorstellbar, dass am Samstagmorgen unterrichtet wurde. Es ist aber noch gar nicht so lange her, als dies völlig normal war», sagt Christoph Dürr.

Im Vergleich zu früher werden heute viel mehr Fächer unterrichtet, wobei der Stoff oberflächlicher behandelt wird. Die markanteste Veränderung dürfte hingegen die Zunahme der Verwaltungsaufgaben und Administration sein. «Die Vorgaben des Kantons und der Schulleitungen engen einen als Lehrperson stark ein. Die Erfüllung aller Anforderungen benötigen Zeit und kosten Energie», sagt Christoph Dürr, wobei er diese Aussage nicht als Kritik an der Arbeit der Schulleitung verstanden haben möchte, «diese hat ihre Aufgaben und Vorgaben zu erfüllen.»

An eine Episode, die heute so nicht mehr möglich wäre, erinnert sich Christoph Dürr gerne zurück: «Anfangs der 90er-Jahre gestalteten die Schülerinnen und Schüler Kalenderblätter, welche sie dem damaligen Schulratspräsidenten Alfons Thür mit dem Hinweis überreichten, dass sie nicht sicher seien, ob der Samstag nun ein Arbeitstag oder ein Freitag sei. Dieser gab daraufhin allen Schülerinnen und Schülern von einem Tag auf den anderen spontan am Samstag frei.»

Schule mit familiärem Charakter

Etwas kräftezerrender war die Zeit, als der damalige Schulrat Fusionsgedanken mit der Schule Altstätten hatte. Dagegen opponierte die Lehrerschaft öffentlich und wurde letztlich bei der Abstimmung von der Bevölkerung unterstützt. «Ich bin nach wie vor der Meinung, dass dies der richtige Entscheid war», sagt Christoph Dürr. Den familiären Charakter der Primarschule Lüchingen schätzt er: «Wir sind ein cooles Team, haben es unter den Lehrpersonen gut und ich kennen auch einen Grossteil der Kinder, die nicht in meiner Klasse sind.» Den Kontakt zur Schule wird «Cin» nach seiner Pensionierung beibehalten.

Einerseits wird er in einem kleinen Pensum seinen Nachfolger im IT-Bereich unterstützen und andererseits die Kameradschaft beim Lehrer-Volleyball pflegen. Die nun neu zur Verfügung stehende Freizeit wird er nutzen, um sich wieder etwas mehr mit dem Zeichnen und der Fotografie zu beschäftigen sowie Zeit im Garten und auf dem Sportplatz zu verbringen.

Ein ganz konkretes Vorhaben hat «Cin» ebenfalls, welches er umsetzen möchte: Das Begehen des Sentiero Italia, dem längsten Fernwanderweg der Welt. Dieser erstreckt sich über 7'000 Kilometer und 20 Regionen.

sir/pd
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