Plopp, plopp. Nacheinander kullern die blauen Beeren ins Körbchen, das Corina Leibungdgut an einem Lederriemen um die Hüften trägt. Behutsam umschliesst die Bäuerin die Doldentrauben und steift die Blaubeeren geschickt von den kleinen Stielen ab und achtet darauf, die kleinen und weissen Beeren nicht zu berühren.
«Die kappen die Pflückerinnen dann morgen oder in den nächsten Tagen», sagt sie lächelnd. Über 200 Hände helfen ihr und ihrem Mann Ernst Leibundgut in den nächsten drei Wochen frühmorgendlich die blauen Beeren zu ernten.
Von Ende Juni bis etwa Mitte Juli reifen die blauen Beeren auf dem Feld von Leibundguts entlang der Strasse nach Kriessern. Im Jahr 2010 pflanzte Ernst Leibundgut die ersten Sträucher der amerikanischen Kulturheidelbeere. Im Unterschied zur europäischen Wald-Blaubeere reifen die Früchte in dicken Doldentreiben, sind grösser und fester und besitzen ein weisses Fruchtfleisch.
Ernst Leibundgut kam darauf, als er ein Saatgut suchte, das sauren Boden mag. «Und eigentlich hätte ich meine Pläne auch wieder verworfen, wäre da nicht ein regionaler Gemüsehändler gewesen, der heimische Blaubeeren suchte», sagte der Bauer schmunzelnd. Und ergänzt: «So versuchte ich es einfach mal.» Das war dazumal auf seinem Hof im Burst, wo die Stauden in grossen Pflanzentöpfen keimten.
Das süsse Geheimnis
Doch bald erkannte Ernst Leibundgut, dass die Sträucher in den Töpfen nicht natürlich gedeihen. Heidelbeeren bilden bodennahe Ausläufer und lieben feuchte Böden, die reich an organischem Material sind. Auch nehmen sie über die Wurzeln Wasser auf und tauschen darüber Nährstoffe und Informationen mit benachbarten Pflanzen aus. Daher beschloss der Bauer auf seinem Boden an der Kriessernstrasse ein zweites Feld anzulegen.
Hier, wo in der Blütezeit der Schollenmühle Torf abgebaut wurde, ist der Boden sauer, gleichmässig feucht und locker – also optimal für die Heidelbeeren. «Und das schmeckt man. Die Beeren sind süsser und aromatischer als jene aus dem Topf», sagt Ernst Leibundgut. Und fügt lächelnd hinzu: «Und vermutlich ist das auch das Geheimnis unserer lieb gegessenen Beeren.»