Bereits am Freitag fand die Premiere der AST-Produktion «Bumerang» im Diogenestheater in Altstätten statt. Rheintal24 besuchte die Vorstellung am Samstagabend. Was ist AST? AST steht für Alt-Stätter-Theater, einer Gruppe von Menschen, die sich kurz vor oder einigermassen nach der Pensionierung dem Laientheaterspiel verschrieben haben.
«Publikum noch stundenlang wartete auf Bumerang»
Woher und Wohin des Lebens
In ihrem dritten, von Ursula Bardorf und Doris Papendieck entwickelten Stück «Bumerang», stellt sich die Gruppe den Fragen nach dem Woher und dem Wohin ihres Lebens, dessen verbleibender Teil definitiv kürzer sein wird als der bereits gelebte. In gewohnter AST-Manier geschieht die Reflexion über das Thema in einer zwischen Tiefsinnigkeit, Galgenhumor, Ergriffenheit und Übermut fröhlich hin und her wechselnden Art und Weise, welche zuweilen zu Tränen rührt, aber kurz darauf auch alle wieder über sich selbst lachen lässt.
Die Handlung des Stücks ist schnell erzählt. Nach vielen Jahrzehnten taucht bei drei in Würde gealterten Freundinnen ein alter gemeinsamer Bekannter, ein lange nicht mehr gesehener Freund auf. Sehr zum Missvergnügen der Freundinnen, haben sich doch vor langer Zeit der Mutter von Herrn Maximilian Sterbehilfe geleistet. Und müssen sich jetzt mit dieser (Un-)tat auseinandersetzen. Alte Sünden kommen mit der Zeit eben wie ein Bumerang ins Leben zurück.
Sinn des Lebens und dessen Vergänglichkeit
Was in intelligenten Texten und Gesprächen zu Fragen über den Sinn des Lebens und über dessen Vergänglichkeit führt. Die Inszenierung ist manchmal sehr behäbig, bleibt aber zu jeder Zeit unterhaltsam und amüsant. Denn wie steht es doch so richtig im Programmfolder: «Die grosse Erkenntnis bezüglich der Unsagbarkeit des Lebens und des Sterbens lässt sich am besten mit viel Lebensfreude und Galgenhumor ertragen.»
Berührend und gleichzeitig unglaublich komisch sind vor allem die Szenen, in denen die beiden dirndlgewandeten Protagonisten «Leben» und «Tod» darüber diskutieren, ob der gerade ein Nickerchen machende Herr Maximilian jetzt sterben soll oder nicht. Denn die himmlischen Weisungen sind diesbezüglich nicht klar. «Da oben haben sie wieder einmal einen Systemfehler.»
Leben und Sterben und Zeit
Gleich zu Beginn des Stücks sind Weisheiten über Leben und Sterben und über die Zeit zu hören. Ein Beispiel: «Die Zeit kann man nicht festhalten. Sie ist eine gute Lehrerin. Nur schade, dass sie ihre Schüler umbringt.»
Ohne Plattitüden und Flachwitze, sondern mit einem feinen, hintergründigen Humor schafft es das durchwegs auf gutem Niveau spielende Ensemble, aus dem schwierigen Thema des Todes einen unterhaltsamen und kurzweiligen Abend zu gestalten.
Charmant und hintergründig
Aus den Schauspielern hervorstechend agierte Ursula Bardorf, zugleich mit Doris Papendieck zusammen auch Regisseuse des Stücks. Sie stellte in einer durchaus professionellen Darbietung in charmanter und hintergründiger Weise den «Tod» dar. Der selbst nicht weiss, ob es gut oder schlecht ist, dass dem Herrn Maximilian ob der im Himmel gemachten Systempanne ein Aufschub gewährt ist.
Wann & Wo
Weitere Aufführungen der AST-Produktion im Diogenestheater finden an folgenden Tagen statt:
Mittwoch, 07. Juni
Freitag, 09. Juni
Samstag, 10. Juni
Sonntag, 11. Juni
Beginn jeweils um 20:00 Uhr, ausser am 11. Juni. Da gehts schon um 18.00 Uhr los.
Karten können Sie hier reservieren.
Bumerang
War einmal ein Bumerang;
War ein Weniges zu lang.
Bumerang flog ein Stück,
Aber kam nicht mehr zurück.
Publikum – noch stundenlang –
Wartete auf Bumerang.
Joachim Ringelnatz