Die SVP Berneck hatte zu einem Themenabend rund um die Landesversorgung Schweiz in die Mehrzweckhalle Bünt in Berneck geladen. Und etwa dreihundert Neugierige kamen. Um zu erfahren, was Star- und Ehrengast Bundesrat Guy Parmelin, in dessen Ressort die Notbevorratung der Schweiz fällt, zu sagen hatte. Für die musikalische Umrahmung der Veranstaltung sorgte das bekannte und beliebte «Rex-Quintett».
Guy Parmelin: «Ein kluger Rat: Notvorrat»
Kantonshauptstadt des Weins
Der Bernecker Gemeindepräsident Bruno Seelos begrüsste Guy Parmelin in der «Kantonshauptstadt des Weins» und verwies darauf, dass dies der erste offizielle Besuch eines Bundesrats in Berneck seit 45 Jahren sei. Und dass es nach der hervorragenden Ernte im Vorjahr zumindest beim Wein derzeit keine Mangellage gebe.
Für die veranstaltende SVP Berneck hiess Nationalrat Mike Egger den hohen Gast, der an diesem Tag von Bern über Lausanne nach Berneck gekommen sei, willkommen. Bundesrat Guy Parmelin begann seinen Vortrag mit der launigen Bemerkung, er würde im Weindorf Berneck ja gerne über Wein reden, allerdings zähle die Versorgung mit Wein nicht zur wirtschaftlichen Landesversorgung.
Herausforderungen rechtzeitig erkennen
Er verglich das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung, dessen Aufgabe es sei, Mangellagen in Energie und Wirtschaft zu vermeiden, mit der Feuerwehr. Es handle sich bei beiden um Organisationen, die Herausforderungen rechtzeitig erkennen und Lösungen kreieren. Und im Notfall die Brandherde lösche. Das Ziel der wirtschaftlichen Landesverteidigung sei es, den Schaden im Notfall so gering wie möglich zu halten.
Der Krieg in der Ukraine habe die möglichen Probleme erst deutlich gemacht. Dass etwa im Winter eine Strommangellage auftreten könne. «Es sieht zwar nicht zuletzt aufgrund des milden Winters gut aus, aber ich kann eine Mangellage noch nicht ausschliessen.»
Im Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung und im Bundesrat organisiere und definiere man Vorsorgemassnahmen für diesen Notfall und beuge vor. So habe man etwa ein Reservekraftwerk aufgebaut und die Spannung in den Leitungen erhöht, um mehr Elektrizität transportieren zu können.
Versorgung mit Medikamenten
Wöchentlich werde auf der Homepage des Bundesamtes für Landesversorgung die aktuelle Lage in sechs Bereichen publiziert. Dabei sehe man aktuell, dass es ein Problem mit der Versorgung mit Medikamenten gebe. Allgemein seien 45 Massnahmen zur Vermeidung von Mangellagen vorgesehen. Am bekanntesten dabei sicher die Vorhaltung von Pflichtlagern, die im Besitz von privaten Unternehmen im Auftrag des Bundes sind. «Unser Ziel ist es, Mangellagen gar nicht erst entstehen zu lassen. Wie in dem alten Sprichwort: ein guter Rat - Notvorrat.»
Anschliessend beantwortete Bundesrat Parmelin Fragen aus dem Publikum zu den Themen Wirtschaftssanktionen gegen Russland, den Selbstversorgungsgrad durch die landwirtschaftliche Produktion und der Kommunikationsaffäre zwischen Bundesrat und Blick-Redaktion. Weiters erfolgten Fragen zur Handhabung der Neutralität und zur Vereinbarkeit der E-Mobilität mit einer möglichen Strommangellage.
Mit einem Bundesrat auf Tuchfühlung
Ständeratskandidatin Esther Friedli stellte eingangs ihrer Rede die rhetorische Frage, in welchem Land es wohl sonst möglich wäre, dass die Bevölkerung mit einem Bundesrat oder Minister derart auf Tuchfühlung gehen könne, wie hier in der Schweiz. «Was für die Schweiz auch wichtig ist, ist die Tatsache, dass wir im National- oder Ständerat keine Berufspolitiker haben, sondern jeder Mandatar auch noch einen richtigen Beruf hat.»
So wolle sie sich als Landwirtin und Gastwirtin künftig im Ständerat einbringen und dort bürgerliche Werte wie Freiheit und Sicherheit vertreten. Sicherheit, zu der auch die Versorgungssicherheit gehöre.
Nach einer weiteren Rede des Eichbergers Walter Freund, der beklagte, dass es in der Kantonsregierung zu wenig SVP gebe, lud die Ortspartei Berneck alle Anwesenden noch zu einem Apéro, an dem der in den Reden immer wieder angesprochene Bernecker Wein gekostet werden durfte.