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Altstätten
29.01.2023

Zwei Gitarren und ein Wembley-Applaus

Jan Pascal (re.) und Alexander Kilian spielten ihre Flamenco-Gitarren mit unglaublicher Virtuosität
Jan Pascal (re.) und Alexander Kilian spielten ihre Flamenco-Gitarren mit unglaublicher Virtuosität Bild: Ulrike Huber
Samstagabend gaben die beiden Flamenco-Gitarristen von «Café del Mundo» ein vielbeklatschtes Konzert im Diogenestheater Altstätten. Mit vielen «gitarrisierten» Songs und einer unglaublichen Virtuosität.

Ja, was war das denn? Ein Gitarrenkonzert mit zwei Flamencogitarren. Und dazu ein stehender, im Rhythmus klatschender und singender Saal. Gleich vier Zugaben. Samt einem begeisterten, völlig enthusiasmierten Publikum.

Fankult wie bei Rockstars

Zehntausend Konzertbesucher jährlich, Standing Ovations, Millionen Aufrufe auf Youtube, ein Fankult wie bei Rockstars - Willkommen bei Café del Mundo, Deutschlands erfolgreichstem Gitarren-Export. Ja, Sie haben richtig gelesen, Deutschlands angesagtesten Flamenco-Gitarristen. Das ist aussergewöhnlich, das ist einzigartig, das ist die Essenz von Gitarre und die konsequente Erweiterung eines Instruments, das wir bisher aus der Folklore kennen.

Petra Hoppe begrüsste namens des Diogenestheaters die Zuhörer Bild: Ulrike Huber

Die Protagonisten Jan Pascal und Alexander Kilian stammen aus dem fränkisch-badisch-hessischen Dreiländereck, das sie liebevoll Alemándalucía nennen. Sie sind grundsätzlich gegensätzlich wie Feuer und Wasser – und ergänzen sich gerade dadurch zu einem Music Act auf Weltniveau.

  • Alexander Kilian gilt als gitarristisches Wunderkind Bild: Ulrike Huber
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Mitreissender Dialog

Ihr gemeinsamer Live-Auftritt im Diogenestheater war der mitreissende Dialog zweier begnadeter Virtuosen, die sich bald umschmeichelten, bald herausforderten und einander ihr Bestes entlockten – intensiv und explosiv entstand eine magische Aura, der sich niemand entziehen konnte. Doch die beiden Instrumental-Künstler sind weit mehr als blosse Unterhalter: In ihrer Kunst beziehen sie Haltung, bekennen sich zur puren, originären Musik, setzen ein Statement in einer fluide fluktuierenden Welt.

Video: Ulrike Huber

Ob Musik im klassisch-andalusischen Stil, ob altenglische Volksweisen, ob «gitarrisierte» Filmmusik oder eingängige Popsongs, was «Café del mundo» am Samstagabend auf die Diogenes-Bühne brachten, war ganz einfach virtuose Gitarrenkunst. Waren fordernde Riffs oder zarteste, poetische Töne.

  • Ein wunderschöner Konzertabend für alle Besucher im Diogenestheater Bild: Ulrike Huber
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Georgisches Zupfinstrument

So etwa die wunderbare Filmmusik aus «Frühstück bei Tiffany», komponiert von Henry Mancini. Oder ein anrührendes Stück alt-andalusischer Volksmusik, gespielt auf einer Flamencogitarre und einer Pandorie, einem georgischen Zupfinstrument mit nur drei Saiten.

  • Café del mundo geben jedes Jahr circa 120 Konzerte in ganz Europa Bild: Ulrike Huber
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Ihre musikalischen Wurzeln haben die beiden Franken bei Johann Sebastian Bach, wie sie in den Zwischentexten wiederholt betonten. So hörte sich denn auch so manches Stück an, als ob sich Bach und Santana auf der Bühne begegnen würden.

  • Jan Pascal entstammt einer Musikerfamilie. Seine erste Gitarre erhält er von seinem Großvater in Spanien. Bild: Ulrike Huber
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Alle Zuhörer standen und klatschten

Am publikumswirksamsten waren die «gitarrisierten» Popsongs. Wie «Sky full of stars» oder «Viva la vida» von Coldplay. Zu letzterem herrschte im Diogenes-Theater richtiggehend «Wembley-Atmosphäre», als alle Zuhörer aufstanden, den Rhythmus mitklatschten und das «Ohooo-Ooo» im Refrain mitsangen.

Die Künstler nehmen den nicht enden wollenden Applaus entgegen Bild: Ulrike Huber

Subjektiv am schönsten war der auch im Original dichtgewobene Gitarrensound bei «I can´t live without you» der irischen Megaband U2. Die Fassung von Café del Mundo war beinahe noch dichter und grooviger als das Original. Einfach sensationell!

Video: Ulrike Huber

Ein «Flow» der Gedanken

Was die beiden Gitarreros bei den Zuschauern schafften, war einen «Flow» der Gedanken zustandezubringen. Wenn die Klänge der beiden Flamencogitarren sich kongenial vermischten, sah man sich als Zuhörer plötzlich in einen beinahe euphorischen Zustand versetzt.

Es konnten an Ort und Stelle auch CDs oder sonstige Devotionalien erworben werden Bild: Ulrike Huber

Sah die Gedanken in ferne Länder fliegen. Oder alte Erinnerungen wieder auftauchen. Und man fasste für sich den festen Entschluss, auch das nächste Mal, wenn Café del Mundo in der Region ein Konzert geben, wieder dabei zu sein.

rheintal24/gmh/uh
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